Mord wegen Lebensversicherung?

Aktualisiert

Mord wegen Lebensversicherung?

Ein 37- und ein 34-jähriger Schweizer müssen sich seit Montag wegen der Ermordung eines 27-jährigen Mannes vor dem Bezirksgericht Bischofszell verantworten. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Tat als regelrechte Hinrichtung.

Den Angeklagten drohen Freiheitsstrafen von 19 bis 20 Jahren.

Die Tat wurde 1997 begangen, aber erst zehn Jahre später dank DNA-Spuren geklärt. Laut Anklage haben die beiden Angeschuldigten aus besonders verwerflicher Gesinnung gehandelt. Sie seien mit dem Opfer befreundet gewesen und hätten dieses von Herisau (AR) an den abgelegenen Ort beim Parkplatz des Armbrustschützenhauses Buhwil (TG) gelockt. Dort habe der 37-jährige Angeklagte dem 27-Jährigen drei Mal in den Kopf geschossen.

Sowohl das Opfer als auch der 34-jährige Mitangeklagte arbeiteten in der Bewachungsfirma des 37-Jährigen, die dieser bis 1995 betrieben hatte. Der Staatsanwalt warf den beiden Angeklagten vor, aus reinem Bereicherungsinteresse gehandelt zu haben. Das Opfer habe sich in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis zum älteren Angeklagten befunden. Es habe sich an dessen Schmuckhandel beteiligt und dabei hoch verschuldet. Zudem steckten auch der 37- und der 34-Jährige laut Anklage in angespannten finanziellen Verhältnissen. So habe der 37-Jährige nach Angaben seiner Schwester sogar die Ermordung des eigenen Vaters geplant, um an das Erbe heranzukommen. Beim Vater handle es sich um einen reichen ehemaligen Industriellen, der zu seinem Sohn aber alle Kontakte abgebrochen habe.

Erst die Abgleichung von DNA-Spuren auf einem Zigarettenstummel mit einer Datenbank brachte die Aufklärung des Verbrechens in Rollen. Die Kippe war am Tatort gefunden worden und stammte vom 34-jährigen Angeklagten. Dieser wurde nach einem Raubüberfall auf ein Restaurant in Wil (SG) verhaftet. Im November 2003 wurde er in Untersuchungshaft gesetzt. Der 37-jährige Angeklagte war bereits kurz nach der Tat erstmals und später noch zwei weitere Male verhaftet worden. Die Beweislage reichte aber erst im Januar 2007, nach dem Abgleich von DNA-Spuren, für eine Anklage aus.

Laut den Strafverfolgungsbehörden zeigten sich die nicht geständigen Angeklagten in der Untersuchungshaft unkooperativ, verwickelten sich in Widersprüche und verweigerten auch immer wieder die Aussage. Neben dem Mord wirft die Anklage dem 37-Jährigen auch den mehrfachen vollendeten Versuch zur Anstiftung zu Mord vor. Die Staatsanwaltschaft fordert für beide Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 19 bis 20 Jahren.

(dapd)

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