Für Einbrecher gehalten – Mordanklage gegen Männer, die schwarzen Jogger jagten und töteten
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Für Einbrecher gehaltenMordanklage gegen Männer, die schwarzen Jogger jagten und töteten

Ahmaud Arbery (25) wurde im Mai 2020 beim Joggen getötet, weil weisse Männer ihn für einen Einbrecher gehalten hatten: Sie verfolgten ihn in einem Pickup und schossen den unbewaffneten Mann nieder. Nun wurden die Täter des Mordes angeklagt.

Das von William Bryan aufgenommene Video zeigt die tödliche Verfolgungsjagd.

Video

Darum gehts

  • Gegen drei Männer, die für den Tod eines schwarzen Joggers im Mai 2020 verantwortlich sind, wurde nun Mordanklage erhoben.

  • Ein Ex-Polizist und sein Sohn hatten den unbewaffneten Ahmaud Arbery verfolgt und erschossen, den sie für einen Einbrecher gehalten hatten.

  • Zunächst waren die Täter wegen eines umstrittenen Gesetzes ungeschoren davongekommen.

Wenige Wochen vor dem Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai 2020 sorgte ein anderer Fall von tödlicher Gewalt gegen einen Schwarzen für Empörung: Im US-Südstaat Georgia jagten und erschossen weisse Männer den Jogger Ahmaud Arbery am helllichten Tag. Arbery wurde – wie Floyd – zu einer Symbolfigur der Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter. Am Montag beginnt in der Stadt Brunswick der Prozess gegen die drei Angeklagten.

Der 65-jährige Gregory McMichael, sein 35 Jahre alter Sohn Travis und ihr 52-jähriger Nachbar William Bryan hatten Arbery am 23. Februar 2020 beim Joggen gesehen. Sie hielten den 25-Jährigen nach eigenen Angaben für einen Einbrecher – und nahmen mit zwei Autos die Verfolgung auf.

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Ahmaud Arbery wurde nach seinem Tod zu einer Symbolfigur für die Bewegung Black Lives Matter.

Ahmaud Arbery wurde nach seinem Tod zu einer Symbolfigur für die Bewegung Black Lives Matter.

Reuters
 Arberys Mutter mit einem Bild ihres erschossenen Sohnes.

Arberys Mutter mit einem Bild ihres erschossenen Sohnes.

Imago
Auf der Anklagebank sitzen Ex-Polizist Gregory McMichael (65)…

Auf der Anklagebank sitzen Ex-Polizist Gregory McMichael (65)…

Reuters

Ein von Bryan aufgenommenes Video zeigt, wie die mit einem Gewehr und einem Revolver bewaffneten McMichaels Arbery mit ihrem Pickup den Weg versperren. Es kommt zu einem Handgemenge zwischen Travis McMichael und Arbery, dann sind mehrere Schüsse zu hören und der Schwarze bricht zusammen. Der 25-Jährige starb noch am Tatort.

Umstrittenes Gesetz schützte die Täter

Die örtlichen Strafverfolgungsbehörden sahen zunächst keinen Grund, die weissen Männer festzunehmen oder sonst wie zu belangen. Ein inzwischen abgeschafftes Gesetz erlaubte es den Bürgern Georgias, Verdächtige festzunehmen, und die Männer erklärten, Arbery habe sie angegriffen. Vermutlich half es auch, dass Gregory McMichael in der Vergangenheit als Polizist und als Ermittler für die örtliche Staatsanwaltschaft gearbeitet hatte.

Erst als zweieinhalb Monate später das Video von Arberys Tod publik wurde und der öffentliche Druck wuchs, zogen Ermittler des Bundesstaates Georgia den Fall an sich. Die drei Männer wurden schliesslich festgenommen und des Mordes angeklagt. Am Montag beginnt zunächst die Auswahl der Geschworenen für den Prozess. Es ist nicht das einzige Verfahren rund um Arberys Tod. Auch die Bundesjustiz hat Anklage gegen die drei Männer wegen eines rassistisch motivierten Hassverbrechens erhoben. Der Prozess soll im Februar beginnen.

Auch Staatsanwältin auf der Anklagebank

In einem seltenen Schritt wurde ausserdem die damalige Bezirksstaatsanwältin Jackie Johnson, die nicht gegen die Männer vorgegangen war, wegen Amtsvergehens angeklagt. In der Anklage heisst es, Johnson habe ihrem früheren Mitarbeiter McMichael «Gunst und Zuneigung» entgegengebracht. Arberys Familie hat zudem eine Zivilklage eingereicht.

Arberys Tod hatte mit zu den landesweiten Protesten gegen Rassismus und Gewalt gegen Schwarze geführt, die die USA im Sommer 2020 inmitten des Präsidentschaftswahlkampfes in Atem hielten. Auf Demonstrationen der Bewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt) wurde sein Porträt gemeinsam mit dem von George Floyd, der von weissen Polizisten in ihrer eigenen Wohnung erschossenen Afroamerikanerin Breonna Taylor und anderen schwarzen Opfern von Polizeigewalt gezeigt.

Anlässlich von Arberys erstem Todestag im vergangenen Februar schrieb Präsident Joe Biden auf Twitter: «Ein schwarzer Mann sollte joggen gehen können, ohne um sein Leben zu fürchten.» Der Prozess in Brunswick soll jetzt deutlich machen, dass Verbrechen gegen Schwarze nicht ungesühnt bleiben.

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(AFP/trx)

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