Aktualisiert 28.02.2012 08:27

Fall Lucie vor Gericht

Mordete Daniel H. aus Lust am Töten?

Krankhafter Killer oder therapierbarer Täter – ab heute müssen die Richter des Badener Bezirksgerichts über Mörder Daniel H. urteilen. Eine wichtige Rolle spielen dabei zwei Psychiater.

von
A. Hirschberg

Heute Dienstag beginnt in Untersiggenthal einer der bedeutendsten Prozesse der Schweizer Kriminalgeschichte. Daniel H., der am 4. März 2009 das Aupair Lucie Trezzini in seiner Wohnung umgebracht hat, steht vor Gericht. Gemäss Anklageschrift ging er dabei «besonders skrupellos und verwerflich» vor: Er schlug Lucie nieder und schnitt ihr danach mit dem Messer die Kehle durch. Nach der Tat schlief er gar eine Nacht in seinem Bett, während die Leiche von Lucie daneben auf dem Boden lag.

Drei Jahre hat es gedauert, bis sich der heute 28-Jährige vor dem Gesetz für seine brutale Tat verantworten muss. Grund dafür ist der Antrag des Staatsanwalts Dominik Aufdenblatten, der nebst der Verurteilung wegen Mordes auch eine lebenslange Verwahrung des Täters fordert. In so einem Fall müssen zwei erfahrene und voneinander unabhängige forensische Psychiater den Täter beurteilen und Gutachten über ihn erstellen.

Im Zentrum stehen die Gutachten

Dies ist ein langes Verfahren bei dem sich die Forensiker verschiedener psychiatrischer Diagnose-Methoden bedienen. Damit beurteilen sie, ob der Mord ein aus den speziellen Umständen heraus entstandener Einzelfall war, oder ob Daniel H. sich aus Lust am Töten auf Lucie stürzte. Und: Sie müssen prognostizieren, ob Daniel H. mit einer Therapie geheilt werden oder zu jeder Zeit wieder morden könnte.

Die Ergebnisse der Gutachten werden denn auch am heutigen Prozess im Zentrum stehen. Denn die Mordanklage ist unbestritten und Daniel H. hat die Tötung der 16-jährigen Lucie umfassend gestanden. Zwei Forensiker stehen dem Richtergremium Red und Antwort. Es sind zwei renommierte Fachkräfte: Volker Dittmann, Professor für forensische Psychiatrie an der Universität Basel, und Thomas Knecht, Leitender Arzt der Gutachtenstelle der Psychiatrischen Dienste Thurgau.

Gutachten über skrupellose Mörder

Dittmann und Knecht haben schon unzählige Gutachten über Straftäter erstellt, immer wieder auch über besonders skrupellose Mörder. So beurteilte Dittmann etwa den Haupttäter im sogenannten Unterseener Mordfall, der 2001 zusammen mit zwei Mittätern den damals 19-jährigen Marcel Von Allmen bei der Ruine Weissenau am Thunersee umgebracht und in den See geworfen hat.

Zwei besonders brutale Sexualtstraftäter und Mörder musste Psychiater Thomas Knecht schon beurteilen: Der eine ist der Dreifachmörder Roland K., der in den 80er- und 90er-Jahren zwei Buben missbraucht und umgebracht hat und im Januar 2008 einen 25-jährigen Mithäftling in der Strafanstalt Pöschwies tötete. Beim anderen handelt es sich um Callgirl-Mörder und Sadist Mike A., der im November 2010 als erster Straftäter der Schweiz lebenslänglich verwahrt wurde.

Reguläre oder lebenslängliche Verwahrung

Nun muss das Richtergremium des Bezirksgerichts Baden entscheiden, ob nach Mike A. auch Daniel H. lebenslänglich verwahrt werden soll. Dies werden der Gerichtsvorsitzende Peter Rüegg und die vier Laienrichter anordnen, wenn sie davon überzeugt sind, dass der Angeklagte dauerhaft nicht therapierbar ist. Entscheidet sich das Gericht für eine reguläre Verwahrung, müssen Forensiker nach Ablauf seiner Haftstrafe alle ein bis zwei Jahre die Verwahrung überprüfen.

Aber auch bei einer lebenslangen Verwahrung gibt es ein Hintertürchen: Wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die eine Behandlung ermöglichen und der Verwahrte auf die Therapie erfolgreich anspricht, kann eine lebenslange Verwahrung aufgehoben werden.

20 Minuten Online ist am Dienstag und Mittwoch in Untersiggenthal und berichtet live über den Prozess gegen Daniel H.

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