Aktualisiert 17.03.2004 16:41

Mordfall von Allmen: «Er hat gelacht»

Im Mordprozess von Unterseen BE hat am 3. Prozesstag der bereits vom Jugendgericht verurteilte Mittäter als Zeuge ausgesagt.

Keiner hätte straflos den Orden verlassen können, berichtete er am Mittwoch dem in Bern tagenden Kreisgericht Interlaken-Oberhasli.

Eines Abends habe ihm der Hauptangeklagte, der 25-jährige Plattenleger, gesagt: «Du weisst zu viel, jetzt gehörst du zu uns», sagte der junge Mann am Mittwoch vor dem Gericht. Diese Aufnahme in den «Orden der arischen Ritter», der die Vertreibung von Ausländern aus der Region Unterseen-Interlaken zum Ziel hatte, sei gegen seinen Willen geschehen.

Dies besonders, weil er mit Rechtsextremismus nie etwas am Hut gehabt habe. Er habe gewusst, dass die Mitglieder nicht über den Orden sprechen durften. Er habe auch gewusst, dass es nur zwei Möglichkeiten gab, den Orden zu verlassen: Entweder, wenn man eine Familien gründen wollte, oder wenn man bereit war, künftig im Ausland zu leben.

Alle übrigen Austrittsgründe wären mit «Erschiessen» bestraft worden, sagte der jüngste Täter. Keiner habe gewagt, sich gegen den Chef zur Wehr zu setzen.

Strafaufgaben

Das spätere Opfer, der 19-jähriger Unterseener, sei - nachdem herausgekommen war, dass er zu viel über den geheimen Orden herumerzählt hatte - vom Anführer zur Rede gestellt worden. Zur Strafe für den Bruch dieses Schweigegebots habe er 100 Mal schreiben müssen: «Man soll seine Kameraden nicht verraten».

Unmittelbar nach diesem Treffen sei seine Tötung beschlossen worden. Der Hauptangeklagte hatte den jüngsten Mittäter im Prozess als denjenigen beschrieben, der das höchste Interesse an der Tatausführung gezeigt haben soll.

«Damit wollte ich verheimlichen, dass ich gegen die Tat war», sagte er aus. Er habe Angst gehabt, dass ihm auch Gewalt angetan werde, wenn herauskäme, dass er nicht hinter dem geplanten Mord stehe. Auch der mitangeklagte 24-jährige Schreiner will aus Angst geschwiegen und mitgemacht haben.

Der Hauptangeklagte selbst besteht darauf, dass alle mit der Tat einverstanden waren, dass es ein einstimmiger Entscheid gewesen sei, den 19-jährigen zu ermorden.

«Er hat gelacht»

Stockend schilderte der jüngste Täter dem Gericht den grausamen Tathergang vom 27. Januar 2001 auf der Ruine Weissenau in Unterseen. Er wisse nicht, wieso er auch noch auf das auf dem Boden liegende Opfer eingeschlagen habe. Nach der Tat besammelten sich die drei Täter in der Wohnung des 24-jährigen Maurers, der bei der Tatausführung nicht dabei war.

Auf Geheiss des Hauptangeklagten hätten sie «mit Wein auf die Tat angestossen». Der Ordens-Anführer, der dem Opfer mit einer Eisenstange das Gesicht und den Schädel brutal eingeschlagen hatte, habe die Tat «grosszügig geschildert».

Er habe darüber gelacht, welche Geräusche das Opfer, dem der Mund verklebt worden war, von sich gegeben habe. Das Opfer war durch das Einatmen von Blut erstickt.

Ende November 2001 wurde der zur Tatzeit 17-jährige Mittäter unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Jugendgericht Berner Oberland wegen Mordes und unvollendeten versuchten Mordes verurteilt und in eine Arbeitserziehungsanstalt eingewiesen.

Die drei vor dem Kreisgericht stehenden erwachsenen Angeklagten sind alle des Mordes und des zweifachen unvollendeten versuchten Mordes angeklagt. Das Urteil wird für den 29. März erwartet. (sda)

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