Mordprozess: Zeuge schweigt aus Angst

Aktualisiert

Mordprozess: Zeuge schweigt aus Angst

Ein Klima von Drohungen und Angst herrscht im Zusammenhang mit der Mordtat vom 15. Oktober 2001 in Zürich Schwamendingen.

Ein Zeuge gab am Freitag, dem dritten Prozesstag vor dem Zürcher Geschworenengericht, einen Einblick.

Als Zeuge trat ein Zürcher Kantonspolizist auf, der unter anderem einen heute 27-jährigen Mann einvernommen hat, welcher bei der Tat dabei gewesen sein soll. Dieser war am Donnerstagnachmittag am Geschworenengericht befragt worden, wollte allerdings von gar nichts auch nur einen Schimmer haben. Bereits in der Untersuchung zog er Aussagen zurück, die er bei der Polizei gemacht hatte.

Der Grund für sein Schweigen wurde am Freitag durch die Aussagen des Polizisten erhellt. Der junge Mann habe ganz offensichtlich massiv Angst vor dem Angeklagten. Und das sei «absolut nachvollziehbar», sagte der 50-Jährige.

Verhaftet wegen Drogendelikten

Verhaftet und zur Einvernahme gebracht wurde der Drogensüchtige im November 2001 wegen Drogendelikten. Er habe gleich gemerkt, dass «etwas nicht stimmte» mit ihm, sagte der Polizist: Der junge Mann war bleich, zitterte, weinte.

Dann habe er plötzlich begonnen, von einer Schiesserei in einer Bar und vom Tötungsdelikt selbst zu erzählen. Von sich aus nannte er den heute Angeklagten als Todesschützen.

Die Aussagen waren laut dem Zeugen in sich logisch, glaubhaft und detailliert. Er hatte nicht das Gefühl, es handle sich um «ein Konstrukt». Der Einvernommene habe ihn eindringlich gebeten, seine Aussagen vertraulich zu behandeln. Er habe ihm aber erklärt, dass dies nicht möglich sei.

Auch andere einvernommene Personen, die den mutmasslichen Täter kennen, zogen anfänglich gemachte, belastende Aussagen später wieder zurück. Es sei da offenbar «massiv Angst im Spiel», sagte der Zeuge.

Der Mordprozess hat am Mittwoch begonnen. Der heute 29-jährige Angeklagte soll am 15. Oktober 2001 einen 24-jährigen Bekannten mit einem Genickschuss getötet haben. Bis zum 4. Februar werden weitere Zeugen befragt. Am Donnerstag, 5. Februar, plädieren die Parteien. Die Urteilsverkündung ist für Freitagabend, 6. Februar, vorgesehen.

(sda)

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