Showdown in Pretoria: Morgen fällt das Urteil für Oscar Pistorius
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Showdown in PretoriaMorgen fällt das Urteil für Oscar Pistorius

Am Donnerstag wird das Urteil im Fall des südafrikanischen Ex-Sprint-Stars verkündet. Freigesprochen werden dürfte er kaum. Experten halten aber auch die Höchststrafe für unwahrscheinlich.

Schuldig oder nicht? Sechs Monate nach Beginn der Verhandlung soll am Donnerstag einer der aufsehenerregendsten Prozesse auf dem afrikanischen Kontinent zu seinem Ende kommen. Richterin Thokozile Masipa wird voraussichtlich verkünden, ob der unter Mordverdacht stehende einstige Paralympics-Star Oscar Pistorius schuldig oder unschuldig ist.

Experten gehen davon aus, dass der einstige Prothesensprinter wohl kaum den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen muss, doch einer Strafe von mindestens acht Jahren wird er ihrer Ansicht nach kaum entgehen.

Vor dem Urteil titelte die Nachrichtenagentur Sapa denn auch: «Oscar Pistorius: From hero to zero» (auf Deutsch: Vom Helden zur Null).

Vorsätzlicher Mord?

Die Frage lautet: Wird Richterin Masipa in ihrem Urteil der Staatsanwaltschaft folgen? Die Anklage wirft dem 27-jährigen Pistorius vor, seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich ermordet zu haben.

Der Kapstädter Anwalt Keith Gess hält einen solchen Schuldspruch für unwahrscheinlich. Pistorius' Anwalt Barry Roux wisse jedoch auch, dass sein Mandant den Gerichtssaal nicht als freier Mann verlassen werde. Daher versuche er, den Fall in Richtung eines Totschlags zu drehen, meint Gess. «Ich erwarte, dass das Urteil entweder auf Mord ohne Vorsatz oder fahrlässige Tötung lauten wird», sagt der Kapstädter Jurist.

Masipa wird zunächst nur darüber entscheiden, ob Pistorius schuldig ist oder nicht. Bis zur Verkündung des genauen Strafmasses dürften noch mehrere Wochen vergehen, in denen Freunde und Familie die Richterin um Milde bitten können.

«Auf den Fluren hört man, dass Pistorius zwischen acht und zwölf Jahren sitzen wird», sagt Stephen Tuson, Professor für Strafrecht und Strafverfahren an der Johannesburger Witwatersrand-Universität.

In Panik gehandelt

Gut fünf Monate, von März bis August, hatte der Prozess gegen den beinamputierten Athleten gedauert. Der Vorwurf: Er soll seine 29-jährige Freundin vorsätzlich ermordet haben, als er im Februar 2013 durch die geschlossene Badezimmertür seines Hauses auf sie schoss. Pistorius selbst sagt, er habe einen Einbrecher im Badezimmer vermutet und in Panik gehandelt.

Ein Grossteil des vor Gericht Gehörten lasse sich eher gegen ihn auslegen, obwohl alle Optionen offen blieben, sagt der Strafrechtsprofessor an der Witwatersrand University, James Grant.

Komme Richterin Masipa zu dem Schluss, dass Pistorius nach einem Streit mit Steenkamp den Entschluss fasste, sie zu töten - dann sei dies vorsätzlicher Mord und Pistorius könnte einer lebenslangen Freiheitsstrafe entgegenblicken. In der Regel kann der Verurteilte dann erst nach 25 Jahren eine Aussetzung der Strafe beantragen. Die Richter haben in Südafrika aber einen recht grossen Ermessensspielraum, so dass sie auch deutlich weniger verhängen können.

Sollte die Vorsitzende Richterin entscheiden, dass Pistorius Steenkamp zwar absichtlich, aber ohne vorherige Planung tötete, läuft das nach Einschätzung Grants auf Mord ohne Vorsatz (engl.: murder without premeditation) oder auf fahrlässige Tötung (culpable homicide) hinaus.

Freispruch möglich

Hierbei drohen ihm im ungünstigsten Fall langjährige Strafen von zwischen 15 und 20 Jahren. Wobei das Strafmass auch davon abhänge, als wie kaltschnäuzig oder fahrlässig sein Verhalten betrachtet werde, sagt Stephen Tuson.

Folgt die Richterin Pistorius' Argumentation, dass dieser in Panik und voller Furcht auf einen Eindringling geschossen habe, der ihm nach dem Leben trachtete, wäre auch ein Freispruch denkbar.

Die Entscheidung könnte von den Zeugenaussagen der Nachbarn abhängen, meint Tuson. Die hatten ausgesagt, sie hätten Steenkamp schreien hören, bevor Pistorius den letzten und tödlichen Schuss abgegeben hat. Was wiederum darauf hinweist, dass er wusste, wer sich wirklich im Badezimmer aufhielt. (sda)

Wie geht es nach dem Urteil weiter?

Falls Pistorius schuldig gesprochen wird, wie lange dauert es, bis die Richterin das Strafmass verkündet?

Das ist nicht genau festgelegt. Beobachter erwarten, dass Richterin Thokozile Masipa spätestens vier Wochen nach dem Urteil bekanntgibt, wie lange Pistorius ins Gefängnis muss. In dieser Zeit haben Freunde und Familie Zeit, um beim Gericht um Milde zu bitten.

Darf Pistorius im Falle eines Schuldspruchs nach Hause gehen oder muss er gleich ins Gefängnis?

Er darf zunächst wieder ins Haus seines Onkels zurückkehren, wo er seit seiner Freilassung auf Kaution im vergangenen Jahr wohnt. Nach der Verkündung des Strafmasses in wenigen Wochen würde er aber sofort in ein Gefängnis gebracht, so südafrikanische Rechtsexperten. Dann müsste Pistorius erneut einen Antrag stellen, um auf Kaution freizukommen, bis ein mögliches Berufungsverfahren abgeschlossen ist. Das neue Verfahren könnte rund ein Jahr dauern.

In welchem Gefängnis muss Pistorius eine mögliche Haftstrafe absitzen und geniesst der beinamputierte Prominente dabei Sonderbehandlung?

Wenn Pistorius des vorsätzlichen Mordes schuldig befunden und nicht auf Kaution freigelassen wird, dann muss er seine Haft vermutlich in Pretoria absitzen, da dort sein Wohnsitz ist. Beobachter meinen, dass er im schlimmsten Fall ins Pretoria Central Prison kommen könnte. In dem Gefängnis wurden in der Vergangenheit zahlreiche Gegner der Apartheid hingerichtet. Heute sitzen dort Schwerverbrecher wie Vergewaltiger und Mörder ein. Die Gefängnisse sind für Behinderte ausgerüstet, aber eine bevorzugte Behandlung ist normalerweise nicht vorgesehen. (SDA)

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