Prokrastination: Morgen ist ja auch noch ein Tag
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ProkrastinationMorgen ist ja auch noch ein Tag

Unangenehme Aufgaben schiebt man gerne vor sich her. Das Problem hat einen Namen: Prokrastination. Die simple Lösung: Sehen Sie es positiv!

von
Marlies Seifert

Ihr Keller sollte seit Jahren entrümpelt werden, die Rechnungen des Vormonats sind noch immer nicht be­glichen und die Abgabe der Steuererklärung ist seit Ewigkeiten verstrichen? Klarer Fall: Sie leiden an Prokrastination. Frei übersetzt bedeutet der lateinische Ausdruck: «Auf morgen verschieben». Falls es Sie trösten sollte: Weltweit leidet jeder Fünfte an «Aufschieberitis».

Ein Blick auf die Online-Plattform Studivz.net zeigt nur schon, wie akut das Thema für Studierende ist: 3262 Mitglieder zählt die selbstironische Interessengruppe «Prokrastination – ein Problem, das ich direkt morgen angehe». Der Gruppe «Putzen in der Lernphase und fernsehen in der Putzphase» haben sich fast 5000 Studierende angeschlossen.

Die Selbsthilfeliteratur zum Phänomen ist seiner Verbreitung entsprechend umfangreich. Der Grundtenor der meisten Ratgeber: Erstelle eine To-do-Liste und überwinde den inneren Schweinehund! Nach Meinung des Prokrastinationsforschers Joe Ferrari ist dies jedoch in ungefähr so effektiv wie einem Depressiven anzuordnen, einmal bessere Laune zu haben.

Neuere Publikationen verfolgen denn auch einen anderen Weg. Das Stichwort bei Kathrin Passig und Sascha Lobo etwa lautet: «Produk­tive Prokrastination» (siehe Info-Box). Was nämlich oft vergessen geht: Vieles lässt sich delegieren. Und: Während wir einzelne Tasks vor uns herschieben, erledigen wir dafür andere wichtige Aufgaben.

Erfolg ohne Selbstdisziplin

Kathrin Passig und Sascha Lobo bezeichnen sich selbst als «Profi-Prokrastinierer», trotzdem – oder gerade deswegen – sind die zwei Mitglieder der Berliner Zia (Zentrale Intelligenz-Agentur) erfolgreich als Autoren tätig. Für ihren Blogg Riesen­maschine erhielten sie 2006 sogar den Grimme-Preis. In dem Ratgeber «Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin» erklären Lobo und Passig auf unterhaltsame Weise, wie man die «Aufschieberitis» in gelenkte Bahnen bringt.

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