Landkauf für Moschee: Moschee in Wil heizt Abstimmungskampf an
Aktualisiert

Landkauf für MoscheeMoschee in Wil heizt Abstimmungskampf an

Der Streit um Minarette in der Schweiz bekommt neue Nahrung: In Wil hat der Islamische Verein Land gekauft für ein geplantes Kulturzentrum. Das konkrete Projekt soll ausgerechnet kurz vor der Minarett-Abstimmung präsentiert werden.

von
Lukas Mäder

Im sanktgallischen Wil begann vor drei Jahren die politische Debatte: Als die Pläne für ein islamisches Kulturzentrum bekannt wurden, sorgte das Minarett, das auf der Projektskizze zu sehen war, für einen Aufschrei. Der Widerstand dagegen war mit ein Auslöser für die Anti-Minarett-Initiative. Sie kommt am 29. November zur Abstimmung. Und eine aktuelle Entwicklung wird den Abstimmungskampf jetzt zusätzlich anheizen: Der Islamische Verein hat kürzlich ein geeignetes Stück Land für den Bau gekauft. Wenige Wochen vor der Abstimmung soll zudem das konkrete Projekt vorgestellt werden.

Offene Frage des Minaretts

Die Frage, ob das Projekt ein Minarett umfassen wird, will Projektleiter Hisham Maizar gegenüber 20 Minuten Online nicht beantworten. Er fragt rhetorisch: «Warum sollten wir darauf verzichten, wenn wir eines bauen können?» Maizar, der als Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen schweizweit als gemässigter Muslim bekannt ist, betont aber, dass man sich an die Gesetze halten werde. «Wir suchen nicht die Konfrontation.»

Das Projekt in Wil wird trotzdem für schweizweite Aufregung sorgen. Denn der Islamische Verein will das konkrete Projekt des Kulturzentrums im Oktober oder November vorstellen — wenige Wochen vor der Abstimmung über die Anti-Minarett-Initiative. «Das ist ein Zufall, weil es jetzt mit dem Kauf des Lands geklappt hat», sagt Maizar. Enthält das Projekt ein Minarett, dürfte es den Minarett-Gegnern trotzdem in die Hände spielen.

Zwar hat der Stadtrat von Wil keine grundsätzlichen Einwände gegen eine Moschee. Doch in der Bevölkerung formierte sich bereits vor drei Jahren Widerstand. SVP-Nationalrat Lukas Reimann, damals noch St. Galler Kantonsrat, hatte ein Komitee gegründet, das rund Tausend Sympathisanten umfasste. Jetzt will er die Organisation reaktivieren. Für ihn ist eine Einsprache gegen das Baugesuch so gut wie sicher. «Es findet sich bestimmt ein Nachbar, der gegen das Projekt ist», sagt Reimann. Ihn stört nicht nur ein allfälliges Minarett: «Wil ist schon jetzt ein Zentrum der muslimischen Einwanderung, ein Kulturzentrum würde das noch verstärken.»

Missglückte Kommunikation zu Beginn des Projekts

Den Widerstand in der Bevölkerung hat der Islamische Verein bereits zu spüren bekommen: Die Suche nach einem Grundstück war nicht einfach, sagt Maizar. Gut drei Jahre habe man gesucht. Das nun gekaufte Land liegt am südlichen Ende der Rosengartenstrasse in Wil, wie die «Wiler-Nachrichten» berichten. Es handelt sich um eine Gewerbe- und Industriezone, sagt Stadtpräsident Bruno Gähwiler gegenüber 20 Minuten Online. Der Stadtrat sei über den Kauf informiert worden.

Maizar hat in Wil die Projektleitung übernommen, nachdem der lokale Imam 2006 mit der Präsentation einer damaligen Projektskizze überrascht und für Aufregung gesorgt hatte. Maizar will nun die offenen Fragen «mit Ruhe und Konsens» lösen, wie das in der Schweiz üblich sei. Er hat schon früher Informationsveranstaltungen für die lokale Bevölkerung mitorganisiert, die auch von den Landeskirchen, den lokalen Kirchgemeinden und politischen Parteien unterstützt wurden. «Auch mit dem Stadtrat von Wil stehen wir im Kontakt.»

«Wir wollen eine Schweizer Moschee»

Wie das konkrete Projekt des islamischen Kulturzentrums aussehen wird, kann Maizar noch nicht sagen. Das Zentrum sei ein Gebäude analog zu einem Kirchgemeindehaus, mit Gebetsstätte und Versammlungsräumen. «Wir haben verschiedene Ideen gesammelt, die wir nun sortieren.» Der Islamische Verein in Wil wird möglicherweise eine architektonische Pionierrolle übernehmen, will Maizar doch eine Schweizer Moschee bauen: «Wir wollen ein Gotteshaus, das nicht unscheinbar ist, aber in die Landschaft passt.» Der Bau soll kulturvermittelnd sein und den Islam auch architektonisch in die hiesigen Verhältnisse integrieren. «Das Gebäude soll nicht aussehen wie eine türkische Moschee.»

Anti-Minarett-Initiative

Der Souverän stimmt am 29. November 2009 unter anderem über die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» ab. Der Bundesrat hat dies am Mittwoch beschlossen. Ein Komitee aus SVP- und EDU-Politikern hatte die Anti-Minarett- Initiative eingereicht. Der Text besteht aus einem einzigen Satz, der dem Artikel 72 der Bundesverfassung zu Kirche und Staat beigefügt werden soll: «Der Bau von Minaretten ist verboten.» (sda)

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