Aktualisiert 08.09.2009 17:43

SpekulationenMoskau: Keine Raketen auf der Arctic Sea

Russland hat Spekulationen zurückgewiesen, der entführte Frachter Arctic Sea habe Raketen vom Typ S-300 für den Iran an Bord gehabt. Dies sei eine vollständige Lüge, sagte Aussenminister Sergej Lawrow. Er kündigte eine Untersuchung an.

Die «Arctic Sea» verschwand am 28. Juli in der Ostsee - nach offiziellen Angaben mit einer für Algerien bestimmten Holzladung aus Finnland. Drei Wochen später tauchte sie vor der westafrikanischen Küste in der Nähe der Kapverden auf. Russische Marinesoldaten nahmen acht mutmassliche Entführer fest und brachten diese ebenso wie die meisten Besatzungsmitglieder auf dem Luftweg nach Russland. Die «Arctic Sea» ist noch auf dem Weg in den russischen Hafen Noworossiisk. Dort soll eine gründliche Untersuchung eingeleitet werden. Lawrow sagte, daran würden auch Behördenvertreter aus Malta teilnehmen - der Frachter war unter der Flagge dieses Mittelmeerstaats unterwegs.

S-300-Lieferung durch die Hintertür?

Mehrere Experten haben Zweifel an der Darstellung der Entführung geäussert. Einige vermuten, dass die «Arctic Sea» eine geheime Waffenladung transportiert haben könnte. Dabei wurde der Verdacht laut, es könne sich um S-300-Raketen für den Iran gehandelt haben. Russland hat mit Teheran einen Vertrag über die Lieferung solcher Raketen geschlossen, die bislang aber offenbar nicht erfolgt ist. Mit diesem Waffensystem können Flugzeuge, Marschflugkörper und Raketen bis zu einer Reichweite von 145 Kilometern abgeschossen werden.

Israel hat scharf gegen das russisch-iranische Rüstungsgeschäft protestiert. Zwei Tage nach der Ankunft russischer Marinesoldaten an Bord der «Arctic Sea» hielt sich der israelische Präsident Schimon Peres zu Gesprächen mit Präsident Dmitri Medwedew in Moskau auf. Anschliessend sagte Peres, Medwedew habe zugesagt, die Lieferung von S-300 an den Iran zu überdenken. (dapd)

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