Migipedia: Motzen, Loben und Kondom-Poesie
Aktualisiert

MigipediaMotzen, Loben und Kondom-Poesie

Die Migros lässt die Konsumenten online über Tütensuppen und Budget-Präservative diskutieren – und erntet dabei nicht nur schmeichelhafte Kommentare.

von
Othmar Bamert
Taugt das was? Bewerten und diskutieren kann man auf Migipedia.

Taugt das was? Bewerten und diskutieren kann man auf Migipedia.

«Seit eh und je das beste Schoggi-Joghurt weltweit», schreibt die offensichtlich begeisterte «inge77» über das «M-Classic Joghurt Schokolade stichfest». Andere Migros-Produkte stossen auf weniger innige Zuneigung. So etwa der M-Budget Deo Spray; User «marsson» äussert sich klipp und klar: «Unwirksam, unbrauchbar».

Diese und noch fast fünftausend weitere Kommentare finden sich auf der neuen Onlineplattform Migipedia. Der Grossverteiler Migros hat sie vor rund einem Monat aufgeschaltet. Die Website ist eine Mischform aus sozialem Netzwerk und Produkte-Enzyklopädie à la Wikipedia. Die einzelnen Produkte sind samt Bild und Zusatzinformationen aufgelistet. Darunter können die Nutzer frei von der Leber weg Kommentare abgeben. Eine Registrierung ist nicht nötig.

Überrascht von direkten Anfragen

«So treten wir mit unseren Kunden in den direkten Dialog», freut sich Migros-Sprecher Urs-Peter Naef. Der Zugang sei für jeden offen. Nun diskutieren bereits gut 3700 registrierte Benutzer und Gäste über fast 5000 Migros-Produkte. Darüber hinaus aber richten sie ihre Anfrage gleich direkt an die Migros. Und zwar viel öfter als vorgesehen; nämlich bei rund 10 Prozent aller Kommentare. Darunter sind auch Vorschläge für konkrete Produktverbesserungen, genauso wie Auskünfte zu Filialen und Beschwerden über unfreundliches Personal.

«Wir wurden von der Anzahl direkter Anfragen überrascht», räumt Migros-Sprecher Naef ein. Nimmt die Migros ihr Dialog-Versprechen wirklich ernst, muss sie jede Anfrage beantworten. «Das machen wir auch», verspricht Naef – trotz des grossen administrativen Aufwandes.

«Keine Zensur»

Mit Migipedia hat der Grossverteiler die Schleusen sehr weit geöffnet, auch für negatives Feedback. Der Migros-Sprecher versichert: «Jeder Kommentar wird automatisch aufgeschaltet.» Ein anonymer Test von 20 Minuten Online bestätigt dies.

«Die Maus knabberte genüsslich am Gipfeli»

Zensur sei kein Thema, denn die Löschung von weniger schmeichelhaften Einträgen wäre kontraproduktiv und würde der Glaubwürdigkeit schaden, glaubt Migros-Sprecher Naef. Das zeigen negative Beispiele aus der Vergangenheit: Auf einem Blog von Apple etwa verschwanden mit einem Mal kritische Kommentare über das neue iPhone – die entsprechenden Reaktionen folgten.

«Migros steigert Glaubwürdigkeit»

Für ihr Vorpreschen erntet die Migros Anerkennung. Lorenz Keller, Experte für Web-Marketing, erklärt: «Die Migros ist ins kalte Wasser gesprungen. Das ist mutig und konsequent.» Das Risiko lohne sich jedoch. Schliesslich habe die Migros so «die einmalige Chance, Verbesserungsvorschläge aufzunehmen».

Auch Remo Schläpfer von der PR-Agentur Burson-Marsteller lobt den orangen Riesen. Die Migros zeige, dass sie zuhöre und Kritik zulasse. «Das steigert ihre Glaubwürdigkeit», so Schläpfer. Jedoch müsse das Unternehmen die Feedbacks dann auch umsetzen, sprich die Produkte auch wirklich verbessern, wenn sie das Versprechen einlösen will.

Produktverbesserungen brauchen Zeit

Was macht die Migros, wenn die Benutzer auf Migipedia ganz konkret zum Beispiel ein süsseres Joghurt oder eine weniger salzige Suppe fordern? Unmittelbar seien nicht alle von den Kunden gewünschten Produkteverbesserungen bei Konsumgütern umsetzbar, so Migros-Sprecher Naef. «Aber wenn die Web-Kommentare mit den Verkaufsdaten an den Migros-Kassen übereinstimmen, leiten wir die Anregungen an die Hersteller, ins Geschmackslabor oder an die Verpackungsspezialisten weiter», verspricht er.

Kaum nötig ist das bei den «M-Budget»-Präservativen. Die Kondome für Preisfüchse verleiteten Gast «Sailormoon Hannibal» gar zum Reimen. (vgl. Box).

«Mit diese Gmmis ig bin so zufriede. Das kann ig gar nigt beschreibe. Manchmal singe ich eine kleine Liede. Wirklich, ig nicht übertreibe.»

«Mit diese Gmmis ig bin so zufriede. Das kann ig gar nigt beschreibe. Manchmal singe ich eine kleine Liede. Wirklich, ig nicht übertreibe.»

«Mit diese Gmmis ig bin so zufriede. Das kann ig gar nigt beschreibe. Manchmal singe ich eine kleine Liede. Wirklich, ig nicht übertreibe.»

«Mit diese Gmmis ig bin so zufriede. Das kann ig gar nigt beschreibe. Manchmal singe ich eine kleine Liede. Wirklich, ig nicht übertreibe.»

«Sailormoon Hannibal» über die M-Budget-Präservative

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