Trainer-Tortur: Mourinho am Boden
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Trainer-TorturMourinho am Boden

Er tigerte herum, verwarf die Arme und wartete auf Knien auf die Entscheidung. Die Bayern-Partie verlangte José Mourinho sein ganzes Repertoire an grossen Gesten ab. Die schönste gabs zum Schluss.

von
fbu

Es war das Bild des Spieles: José Mourinho kniet beim Penaltyschiessen im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals zwischen Real Madrid und Bayern München mit hilfloser Miene am Spielfeldrand. Mourinho ist ein Mann grosser Gesten – und grosser Worte. Die Kameras richten sich auf den Portugiesen. Schon die ganze Partie über ist dem Real-Trainer die grosse Anspannung anzusehen.

Beim frühen 1:0 seiner Madrilenen verzieht Mourinho keine Miene – dies obwohl es für sein Team genau nach Plan läuft. Auch beim 2:0 ist keine Spur von Erleichterung beim Erfolgscoach zu entdecken – als ob er ahnen würde, dass die Partie noch lange nicht gelaufen ist. Er mahnt seine Spieler mit ernstem Blick und klaren Handzeichen zur Konzentration.

Die Umarmung mit Jupp Heynckes

Beinahe irre, aber auch faire Züge nehmen die Gebärden des Real-Trainers zwischen der Verlängerung und dem Penaltyschiessen an. Angespannt tigerte er herum. Dann nimmt er direkten Kurs auf Jupp Heynckes, reicht ihm die Hand und drückt den zurückhaltenden Deutschen an seine Brust. Immer wieder klatscht er dem Trainerstaff der Gegner zu und hält den Daumen hoch. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf: ein Penaltyschiessen zum Vergessen und schwere Minuten für Mourinho. Gleich zwei Elfmeter verschiessen seine Schützen zu Beginn – Ungläubigkeit macht sich auf dem Gesicht des Portugiesen breit, er lässt den Kopf sinken.

Doch die Hoffnung kehrt dank zwei von Iker Casillas gehaltenen Schüssen zurück. Würde Sergio Ramos treffen, sähe es wieder gut aus für die «Königlichen». Mourinho denkt sich wohl: «Jetzt könnten wir die Hilfe des Fussballgottes gebrauchen.» Er kniet sich an der Seitenlinie hin, als würde er beten. Doch auch das nützt nichts: Ramos haut den Ball deutlich übers Tor. Und dann trifft auch noch Bastian Schweinsteiger und befördert die Bayern in den Final und Real ins Champions-League-Nimmerland. Es scheint zu viel zu sein für Mourinho. Kaum ist Schweinis Schuss im Tor, dampft der Portugiese in Richtung Katakomben davon.

Penalty-Drama zwischen Real und Bayern

Der faire Verlierer

In den Fernseh-Statements nach der Partie präsentiert sich Mourinho dann aber ruhig und als fairer Verlierer. Er nennt Bayerns Einzug in den Final «verdient». Wenn er auch hinzufügt, dass es Real nicht weniger verdient hätte. Trotzdem drückt er im Endspiel Chelsea die Daumen: «Ich möchte, dass die ‹Blues› im Finale gewinnen. Ich habe Respekt für die Roten, doch Chelsea hat bewiesen, dass sie wirkliche Helden sind.»

Was Mourinho am Ende der Partie versäumt hat, holt er dann noch nach: Er geht in die Münchner Kabine und gratuliert seinem Trainer-Kollegen Heynckes persönlich. «Das hat Stil, das hat Klasse. Das war eine ganz tolle Geste», meint Heynckes beeindruckt. Der Stern des bescheidenen Bayern-Trainers funkelt noch einmal so hell wie einst mit Real. Der Mythos Mourinho hingegen war schon mal grösser.

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