Aktualisiert 06.10.2018 17:10

Premier LeagueMourinhos Stunden bei United sind wohl gezählt

Die Entlassung von José Mourinho als Trainer bei Manchester United scheint fix zu sein. Unabhängig davon, wie das Spiel gegen Newcastle endet.

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ddu

José Mourinho, Trainer von Manchester United, reagiert nach dem 0:0 in der Champions League gegen Valencia auf Kritik: «Sie können sagen, was Sie wollen.» <i>(Video: tamedia)</i>

«José Mourinho wird an diesem Weekend entlassen, egal welches Resultat Manchester United gegen Newcastle holt», titelt der «Mirror». Der Portugiese habe das Vertrauen des Clubs verloren. Die britische Tageszeitung beruft sich dabei auf verlässliche clubinterne Quellen. «Er (Mourinho; Red.) hat den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt», schreibt das Blatt. Andere englische Medien vermelden inzwischen ebenfalls, dass der Coach freigestellt wird.

Sky Sport News berichtet jedoch, dass unabhängig vom Resultat der Coach noch nicht entlassen werde. Die Machthaber hätten eine solche Entscheidung nicht getroffen.

Mourinho hinterliess an einer Pressekonferenz am Tag vor dem Heimspiel gegen Newcastle (Samstag, 18.30 Uhr) nicht den Eindruck, als würde er seinen Trainerjob noch behalten wollen. Der 55-Jährige zeigte sich schlecht gelaunt und kurz angebunden. Nur sechs Fragen von Journalisten liess er zu und ging in seiner typisch mürrischen Art auf deren fünf ein. So reagierte er beispielsweise auf die Frage, warum es Manchester United momentan nicht laufe: «Aus vielen verschiedenen Gründen.» Und mit einem knappen «Nein» auf jene, ob er einen der Gründe nennen könnte.

Auf den schlechtesten Saisonstart der Red Devils seit 29 Jahren angesprochen, räumte Mourinho allerdings ein, dass die derzeitige Negativserie (vier Spiele ohne Sieg) inakzeptabel sei und sein Team am Samstag daheim gegen Newcastle United unbedingt einen Sieg brauche. Ein Journalist wollte von Mourinho wissen, ob die Fans sicher sein könnten, dass er alles dafür tue, um den Club zurück in die Erfolgsspur zu führen. Darauf reagierte der Coach mit einem langen Schweigen.

Einladung zu Spekulationen

Die Medienkonferenz war nach rund drei Minuten bereits vorbei. Der normalerweise im Vorfeld einer Partie am frühen Nachmittag abgehaltene Pressetermin fand für einmal bereits am Morgen (um 8.30 Uhr) statt. Mit seinem Auftritt polarisierte Mourinho derart, dass er die Journalisten geradezu zu Spekulationen einlud.

Manchester United hat sich in der Premier League nach sieben Runden bereits einen Rückstand von neun Punkten auf die beiden Spitzenreiter FC Liverpool und Stadtrivale City eingehandelt. Vor Wochenfrist verlor das Team in der Meisterschaft bei West Ham 1:3. Am Dienstag kamen die Red Devils in der Champions League vor eigenem Anhang gegen den FC Valencia nicht über ein 0:0 hinaus. Und das Aus in der vorletzten Woche im Ligapokal gegen den Zweitligaverein Derby County (7:8 nach Penaltyschiessen) war eine Schmach.

Mourinho hatte sein Traineramt bei Manchester United auf die Saison 2016/17 hin als Nachfolger des entlassenen Louis van Gaal angetreten. In der ersten Spielzeit unter seiner Führung gewann das Team den nationalen Supercup, den Ligacup und die Europa League (2:0 im Final gegen Ajax Amsterdam). Sein Dreijahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison läuft erst am 30. Juni 2019 aus.

Immer mehr haben Mühe mit ihm

In den vergangenen Wochen ist der zweifache Vater arg in die Kritik geraten. Nicht nur wegen den dürftigen Resultaten, sondern auch wegen seinem Umgang mit den Spielern. Im einstigen Erfolgsclub rumort es. Mourinho soll sich mit Starspieler Paul Pogba gestritten haben. Daraufhin entzog der Coach dem französischen Weltmeister die Rolle des Co-Captains, wobei er dies nicht nur mit dessen schwachen Leistungen begründete. Zuvor hatte Pogba den Trainer für dessen Taktik in der Partie gegen Wolverhampton (1:1) kritisiert. Bereits zum Saisonstart hatte der Mittelfeldakteur sich über sein schwieriges Verhältnis zu Mourinho geäussert.

Im Verlauf der Woche wurde der Portugiese auch von Club-Legende Paul Scholes getadelt. Im TV-Studio von BT Sport sagte er besorgt: «An den Medienkonferenzen pflaumt er ständig Spieler an – und die Leute über ihm, weil er nicht bekommt, was er will. Mourinhos Mund ist vielleicht ausser Kontrolle geraten. Er blamiert den Club.» Daraufhin reagierte der Kritisierte: «Ich brauche nicht zu wissen, was Schloes sagt. Er interessiert mich nicht.»

Der ehemalige Manchester-Spieler Gary Neville reagierte am Freitagabend bei Sky Sport verärgert auf Berichte, wonach Mourinho nach dem Spiel gegen Newcastle entlassen werde. «Für all die Fans, die noch hinter ihm stehen, wäre das absolut inakzeptabel», sagte der 43-Jährige. Doch «The Special One» (deutsch «Der Besondere»), wie Mourinho bezeichnet wird, scheint bei ManUnited kein Besonderer mehr zu sein.

Gery Neville nimmt Mourinho in Schutz:

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