Aktualisiert 13.06.2013 22:00

Internet-PiraterieMovie2k.to lebt als Movie2k.tl weiter

Das bekannte Filmstreaming-Portal ist Ende Mai spurlos verschwunden. Jetzt ist es zurück – und warnt vor der angeblichen Kopie Movie4k.to. Der Rivale sei eine Virenschleuder.

von
Oliver Wietlisbach
Die Movie2k-Macher warnen vor Trittbrettfahrern, die das Movie2k-Design verwenden.

Die Movie2k-Macher warnen vor Trittbrettfahrern, die das Movie2k-Design verwenden.

Ende Mai ist die populäre Streaming-Website Movie2k.to für Filme und Serien spurlos verschwunden. Auf Twitter verbreitete sich rasch das Gerücht, dass die Polizei zugeschlagen hatte. Nur wenige Tage später war Movie2k anscheinend zurück, nun aber unter dem Namen Movie4k. Die alte Adresse Movie2k.to leitet seit einigen Tagen auf die Webpräsenz der deutschen Piratenpartei weiter, ohne dass diese die Kontrolle über die Domain hätte. Doch nun nimmt der Fall Movie2k eine neue Wendung.

Viren statt Pornos

Seit Kurzem ist Movie2k.to als Movie2k.tl wieder im Netz. Die Betreiber behaupten, das echte Movie2k zu sein. Gleichzeitig warnen sie vor anderen Webseiten, die Movie2k zum Verwechseln ähnlich aussehen. Ein Name wird nicht genannt, aber offenbar ist Movie4k gemeint. Dort könne man sich Viren einfangen, schreiben die angeblich echten Movie2k-Betreiber.

Die Virenproblematik trifft generell auf Gratis-Download- und Streaming-Portale zu: «Das Problem ist die Einbindung von Werbebannern, die schädliche Codes oder Weiterleitungen beinhalten», sagt Marc Rubin von der Schweizer Piratenpartei.

Trotz ähnlichem Design gibt es einen markanten Unterschied zwischen den beiden konkurrierenden Streaming-Seiten: Englischsprachige Serien und Porno-Filme bietet Movie2k.tl vorerst nicht mehr an.

«Wir wurden gehackt»

Das temporäre Verschwinden von Movie2k erklären die Betreiber mit einer abenteuerlichen Geschichte: Am 29. Mai 2013 sollen die «Server gehackt und alle Backup-Daten gelöscht» worden seien. Der zuständige Administrator habe die Seite vom Netz genommen und sei aus Angst untergetaucht.

Die Internet-Adresse Movie2k.tl wurde laut dem Tech-Portal golem.de bereits am 31. Mai über eine Agentur in Hongkong registriert. Dass Movie2k.tl erst zwei Wochen später wieder online ist, begründen die Betreiber damit, dass nach der Hacker-Attacke die gesamte Web-Infrastruktur wieder hergestellt werden musste.

Zoff bei den Movie2k-Machern?

Was mit Movie2k.to wirklich geschehen ist, bleibt im Dunkeln. Gemäss Informationen von welt.de soll die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, die bereits Kino.to den Todesstoss versetzte, hinter der Abschaltung der Seite stecken.

Auch beim Chaos Computer Club Zürich weiss man nicht, was mit Movie2k passiert ist. Die Hacker-Organisation distanziert sich zudem von Movie2k: «Der CCCZH ist als Club am Betrieb solcher kommerzieller Portale – es wird bekanntlich viel Geld damit verdient - nicht beteiligt», sagt Vorstandsmitglied Hernani Marques.

Die Frage bleibt im Raum, warum die angeblich echten Movie2k-Gründer nicht mehr ihre alte Internet-Adresse nutzen. Eine Erklärung: Bei Movie4k.to und Movie2k.tl könnte es sich um Trittbrettfahrer handeln, die von der Popularität des Namens profitieren wollen. Eine ähnliche Vermutung hat Marc Rubin von der Piratenpartei: «Jeder kann Web-Inhalte kopieren, die Links zu den Film-Streams einbinden und eine eigene Internet-Adresse darauf verweisen lassen.» Meistens betreue ein ganzes Team eine Website wie Movie2k. «Vielleicht gab es Streitereien und eine der Seiten ist ein Ableger», spekuliert der Pirat.

Denkbar ist auch, dass die Finanzierungsquellen unterbrochen worden sind oder dass eine zentrale Person mit den notwendigen Betriebsinformationen ausgestiegen oder verhaftet worden ist.

Movie2k füllt die Netflix-Lücke

Das seit 2008 aktive Movie-Portal Movie2k, das sich rechtlich im Graubereich bewegt, soll Ende letzten Jahres 27'000 Filme zum sofortigen Streamen angeboten haben – davon fast 9500 mit deutscher Tonspur. Das Portal ist übersichtlich, eine Anmeldung entfällt und die Filme sind über einen Klick erreichbar. «Das Angebot dieser Website ist genau so beschaffen, wie auch ein kommerzielles Portal aussehen müsste», schreibt der Tech-Blogger Lars Sobiraj. Er führte im Mai ein ausführliches Interview mit dem Movie2k-Gründer.

Gratis-Streamingportale wie Movie2k zählen zu den meistgenutzten Webseiten der Schweiz. Der Grund liegt auf der Hand: Das Fehlen offizieller, kostenpflichtiger Streaming-Dienste wie Netflix in den USA treibt Film- und Serienjunkies in die Hände von Download- und Streamingseiten. Warum Netflix oder Hulu nicht in der Schweiz seien, wisse er nicht, sagt Roger Chevallaz, Mediensprecher der Swiss Anti-Piracy Federation. Er gehe davon aus, dass die Schweiz für diese Anbieter kein prioritärer Markt sei. Und weiter: «Ich bin der Meinung, dass die heute erhältlichen Angebote durchaus preisgünstig sind.»

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