Aktualisiert 08.03.2013 07:20

Eingesperrte Büffel?Mozzarella-Betriebe in der Kritik

Mozzarella di Bufala ist sehr beliebt in der Schweiz. Allerdings würden im Produktionsland Italien auf vielen Betrieben die Büffel schlecht gehalten, behaupten Tierschützer.

von
Laurina Waltersperger
So viel Auslauf hätten viele italienische Büffel nicht, sagt der Schweizer Tierschutz.

So viel Auslauf hätten viele italienische Büffel nicht, sagt der Schweizer Tierschutz.

In der Schweiz werden gemäss einer Studie des Schweizer Tierschutzes jährlich etwa 400 Tonnen Büffel-Mozzarella konsumiert. Drei Viertel davon stammen aus der süditalienischen Region Kampanien. Während die ausländischen Produzenten günstig produzierten, werde der Büffel-Mozzarella mindestens so teuer wie Schweizer Produkte verkauft, sagt Hansuli Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutz (STS). «Der hohe Preis suggeriert dem Käufer eine tadellose Qualität», sagt er. Dies sei aber alles andere als gegeben.

Während in der Schweiz klare Regeln für die Milchviehhaltung gelten, kennt die EU laut Huber keine Richtlinien. Das zeige eine Recherche vor Ort. «Wir haben eine Handvoll Betriebe in Italien besucht und dabei widrigste Umstände angetroffen», sagt Huber. Die Tiere seien teils ständig im Stall gehalten worden, Jungtiere seien von der Mutter getrennt und in «Metallkäfigen» aufgezogen worden. Das gelte aber bei weitem nicht für alle Betriebe, räumt Huber ein. Aber man wolle die hiesigen Konsumenten darauf hinweisen, dass die EU keine Tierschutzrichtlinien kenne.

Import vs. Inland

Die Schweizer Alternative zum italienischen Büffel-Mozzarella existiere, sagt Huber. «Wir haben hierzulande rund 25 Büffelhalter, die jährlich eine Tonne Käse produzieren.» Laut Huber würden diese Bauern künftig gern mehr zu produzieren. Die hiesigen Detailhändler bevorzugten aber die Import-Produkte, die sie günstiger einkaufen könnten, um sie anschliessend gleich teuer wie das Schweizer Pendant zu verkaufen.

Ein Blick auf das Sortiment von Coop und Migros zeigt; die meisten Produkte stammen aus Italien: Bei Coop sind es fünf von acht Produkte, bei Migros beide Produkte des nationalen Sortiments. Je nach Genossenschaft, gäbe es regional auch Schweizer Büffel-Mozzarella, sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel.

Den Vorwürfen der Tierschützer entgegnet Coop-Sprecher Ramón Gander: «Dank regelmässigen Besuchen kennen wir die Situation unserer Lieferanten.» Die Richtlinien vor Ort garantierten ausserdem eine Tierhaltung, die mit Schweizer Tierschutzrichtlinien konform sei. Ähnliches lässt auch die Migros verlauten: «Die Büffel zur Milchproduktion werden die meiste Zeit im offenen Gelände gehalten», sagt Monika Weibel. Die nächste Kontrolle vor Ort stehe bereits im Mai an.

«Keine Täuschung»

Für die Konsumentenschützerin Sara Stalder führt ein hoher Preis allein noch zu keiner Täuschung bei den Kunden. «Die Qualität müsste deutlich auf der Verpackung umworben und nachweislich nicht vorhanden sein», sagt sie. Sie räumt jedoch ein, dass ein hoher Preis automatisch eine gewisse Qualität suggeriere. Die Konsumenten gingen davon aus, dass aufwändig produzierte Produkte teurer sind als andere.

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