Aktualisiert 20.10.2006 07:41

MP3-Files - gratis für alle

Visa und Mastercard überweisen kein Geld mehr an die illegale Musikplattform AllofMP3.com. Der Druck der Musikindustrie wurde zu gross. Kurz vor dem Aus stehend, verschenkt AllofMP3.com sämtliche Song-Files.

Mit der Bekanntgabe des Zahlungsstopps am Donnerstag steht die russische Website AllofMP3.com kommerziell vor dem Aus. Ohne die Überweisungen von Visa und Mastercard dürfte es für westliche Konsumenten prakisch unmöglich werden, Geld an die Firma zu überweisen und Songs zu kaufen. Das ist aber auch gar nicht nötig.

Denn AllofMP3 bietet nun zum Ärger der Musikproduzenten alle Tracks zum Gratisdownload an. Dazu muss man sich lediglich registrieren und beim Bestellden den «Free Mode» wählen. Es ist jedoch ein spezieller Player für die mit 128 kBit/s kodierten mp3x-Dateien erforderlich. Zudem muss der Computer ständig mit dem Internet verbunden sein. AllofMP3 kündigte an, ein werbefinanziertes Angebot aufbauen zu wollen.

Mediaservices, die Besitzerin von AllofMP3 sagte dem International Herald Tribune zuvor, sie werde «alle Möglichkeiten» ausschöpfen, um die Entscheidung von Visa und Mastercard rückgängig zu machen. In einem Statement liess AllofMP3 verlauten, das Blacklisting sei «illegal, willkürlich, unberechtigt und diskriminierend». Visa und Mastercard hätten nicht die Autorität, um über die Legalität von AllofMP3 zu urteilen. Bislang hätte noch kein Gericht der Welt festgestellt, dass die Geschäftstätigkeit von AllofMP3 illegal sei. In England könnte die beliebte MP3-Website aber bald illegal sein. Der Dachverband der englischen Musikindustrie darf nach einem im Juli gefällten Gerichtsbeschluss eine Klage gegen die Russen führen.

AllofMP3.com ist nach Apples iTunes eines der beliebtesten Download-Filesharing-Angebote und hat nach eigenen Angaben über 5 Millionen Kunden. Dies, weil die russische Website mit unschlagbar günstigen Preisen, einem übersichtlichen Portal und einem riesigen Angebot von zehntausenden Alben aufwartet. Die von Studenten in einem Projekt gegründete Plattform existierte übrigens, bevor die Musikindustrie und Apple auf den Vermarktungsweg via Internet stiessen.

Allerdings vertreibt AllofMP3 die Tracks ohne jede Zustimmung seitens der Rekordlabels und Bands. AllofMP3 ist deshalb schon länger unter Beschuss der Musikindustrie. Jedoch zahlt AllofMP3 15% aller Einkünfte an die russische «Multimedia Agentur», ein Äquivalent der schweizerischen Suisa. Die USA drohten Russland schon unverhohlen mit einer Verhinderung Russlands zur WTO, solange dort Dumping-Download-Portale wie Allofmp3 unter Missachtung aller Urheberrechte operierten.

(ast)

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