Strafgericht BS - «Mr Nice Guy» schickte Dick Pics an die Polizei
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Strafgericht BS«Mr Nice Guy» schickte Dick Pics an die Polizei

Ein 34-jähriger Basler wurde am Montag vom Basler Strafgericht zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, weil er verdeckten Ermittlern, die sich als Teenagerinnen ausgegeben hatten, Dick Pics schickte. Eine Therapie lehnte er ab.

von
Alexia Mohanadas
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Ein 34-jähriger Basler suchte in Chatforen Kontakt zu jungen Mädchen und schickte ihnen unter anderem auch Dick Pics.

Ein 34-jähriger Basler suchte in Chatforen Kontakt zu jungen Mädchen und schickte ihnen unter anderem auch Dick Pics.

Kanton Basel-Stadt
Bei seinen Aktivitäten tappte er allerdings auch zwei Mal verdeckten Ermittlern der Kantonspolizei in die Falle.

Bei seinen Aktivitäten tappte er allerdings auch zwei Mal verdeckten Ermittlern der Kantonspolizei in die Falle.

Kanton Basel-Stadt
Am Montag wurde der Ersttäter vom Basler Strafgericht verurteilt. Vor Gericht relativierte er seine Taten.

Am Montag wurde der Ersttäter vom Basler Strafgericht verurteilt. Vor Gericht relativierte er seine Taten.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Ein 34-jähriger Basler suchte in Chatforen Kontakt zu jungen Mädchen und schickte ihnen unter anderem auch Dick Pics.

  • Bei seinen Aktivitäten tappte er allerdings auch zwei Mal verdeckten Ermittlern der Kantonspolizei in die Falle.

  • Am Montag wurde der Ersttäter vom Basler Strafgericht verurteilt. Vor Gericht relativierte er seine Taten.

Am Montag musste sich ein 34-jähriger Basler vor dem Basler Strafgericht wegen sexueller Handlung mit Kindern, harter Pornografie und Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Die vorgeworfenen Tathandlungen fanden allesamt von April 2017 bis November 2018 statt.

«Mir ist es nie um Kinder gegangen, sondern lediglich um Rollenspiele», behauptete der 34-jährige Filmemacher am Montag vor Gericht. Laut der Anklage habe der Basler am 18. April 2017 in einem Chatforum unter Pseudonymen wie «Filmer», «Mr Nice Guy» oder «Gibsmir_BS» einer «Sara» geschrieben und sie nach ihrem Alter gefragt. Diese antwortete ihm, dass sie 13 Jahre alt sei. Trotzdem chattete der 34-Jährige weiter und verlangte mehrere Ganzkörperfotos von ihr und kam sofort auf sexuelle Themen zu sprechen.

Er fragte das Mädchen, ob sie sein Geschlechtsteil sehen möchte und schickte ihr Bilder von seinem erigierten Penis. In einem anderen Chat fragte er eine Minderjährige, ob sie Sex in seinem Auto haben wolle. Was der Basler allerdings nicht ahnte war, dass hinter beiden angeblichen Minderjährigen eine verdeckte Ermittlerin der Kantonspolizei Bern steckte.

Erinnerungslücke zu Bildern auf seinem Computer

Bei der Anklage behauptete der 34-Jährige, dass er hinter den Nicknamen keine Kinder vermutet habe. Er sei davon ausgegangen, dass es erwachsene Personen waren, die am anderen Ende die Rolle einer Minderjährigen spielten. Auch von den pornografischen Bildern auf seinem Computer, welche tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zeigten, habe er nichts gewusst. «Ich kann mich an die Bilder nicht mehr erinnern», sagte der Basler. Wie diese auf seinen Cache-Speicher gekommen waren, könne er sich nicht erklären. «Mein Klient hatte die Bilder erstmals mit mir zusammen in meinem Büro gesehen. Daher denke ich, dass er die Bilder nicht bewusst angeschaut hatte», sagte die Verteidigerin.

«Es ist mir auch nie um etwas Echtes gegangen. Ich habe nur nach Bestätigung gesucht», sagte der 34-Jährige. Das betonte auch seine Verteidigerin. Dem Beschuldigten sei es nie um ein Treffen gegangen. «Es blieb alles in einem fiktiven Rahmen», findet sie. Deshalb beantragte sie Freispruch. Zu der Frage der Staatsanwältin, ob er nicht darauf gekommen sei, dass hinter den Bildern auch wirklich Kinder stecken könnten, wollte der Angeklagte nichts sagen.

Denkzettel für 10’000 Franken

Die Weisung, sich auf eigene Kosten einer ambulanten psychiatrischen Behandlung betreffend Pädophilie zu unterziehen, lehnte der 34-Jährige aber ab. «Ich weiss, dass ich so einen Seich nie mehr wieder machen werde», versprach er. Er habe in letzten zwei Jahren viel darüber nachgedacht und sich mit seiner Freundin und seinen Freunden ausgetauscht. Das sei nun ein Denkzettel gewesen und werde so nicht mehr passieren.

Die Aus­sagen des Mannes beurteilte die Richterin Dorrit Schleiminger teilweise als Schutzbehauptungen, reduzierte das Strafmass aber wegen der langen Verfahrensdauer auf insgesamt 180 Tagessätze zu 80 Franken. Da der Mann nicht vorbestraft ist, wird die Geldstrafe bedingt ausgesprochen, allerdings muss er Verfahrenskosten von über 10’000 Franken übernehmen.

Der 34-Jährige arbeitet als Kameramann und betonte, wegen der Pandemie sei seine Einkommenssituation derzeit schwierig. Der Schuldspruch beinhaltete mehrfache versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern und Pornografie. Weil man bei der Hausdurchsuchung auch noch Marihuana fand, gab es noch zusätzlich eine Busse von 300 Franken.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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