M4Music: MTV-Legende Ray Cokes redet über seinen Absturz
Publiziert

M4MusicMTV-Legende Ray Cokes redet über seinen Absturz

Für das M4Music-Festival reist der legendäre Moderator Ray Cokes nach Zürich und plaudert aus dem Nähkästchen – auch über seine hässlichen Seiten.

von
nei

Das M4Music ist kein klassisches Festival. Am Nachmittag wird nicht nur Musik gemacht, sondern auch darüber gesprochen. In der sogenannten Conference philosophieren Szenekenner über das Musikschaffen.

Unter anderem steht ein Talk mit Ray Cokes auf dem Programm. Der Moderator war in den Neunzigerjahren verantwortlich für die legendäre MTV-Show «Most Wanted». Beim M4Music wird er über seine Drogenprobleme, Depressionen, Sexsucht und den tiefen Fall nach seinem Ausraster erzählen.

Fehler als grösste Stärke

Mit «Ray's Request» bekam Cokes 1987 eine eigene Sendung auf dem damals frisch gegründeten Sender MTV. Er hätte eigentlich nur vom Publikum gewünschte Videoclips anmoderieren sollen, wich aber immer wieder vom Konzept ab. Für die Vorbereitung interessierte sich Cokes nicht – er plauderte frisch von der Leber weg – und mauserte sich zum Helden der MTV-Zuschauer.

Mit «Most Wanted» erhielt Cokes schon bald eine eigene Sendung, in der seinem Talent kaum Grenzen gesetzt waren. Zeitweise zog er damit bis zu 60 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. «Ich denke, dass der Erfolg von ‹Most Wanted› sehr leicht zu erklären ist», sollte er im Nachhinein sagen. «Es stellt den Zuschauern die Realität vor: ‹Most Wanted› hat eine Art von: ‹Hey! Jeder macht Fehler. MTV-Moderatoren sind nicht so besonders, wie Sie vielleicht denken. Schauen Sie, ich verliere die Haare, und ich erzähle schlechte Witze!›» Diese anarchische Herangehensweise habe die Show menschlicher gemacht als alle anderen.

Ein Zusammenschnitt aus MTVs «Most Wanted» – in der Sendung konnte alles passieren. (Quelle: Youtube / fresheurextreme)

1996 wurde «Most Wanted» unter dem Namen «X-Ray Vision» neu aufgezogen. Als die Sendung live aus Hamburg übertragen wurde, passierte Cokes jedoch ein Fehler, der ihm die Karriere kosten sollte.

Das Publikum bewarf ihn mit Flaschen

Wie üblich hatte sich Ray Cokes kaum auf die Sendung vorbereitet. So entstand ein Missverständnis: Der Moderator kündigte einen Auftritt der Band Die Toten Hosen für den Abschluss der Sendung an. Allerdings war nur eine Live-Schaltung zu einem Konzert der Toten Hosen geplant. Die Band selbst war nicht vor Ort. Das Publikum reagierte mit Buhrufen, warf sogar Dosen und Flaschen nach Cokes. Diesem platzte der Kragen – es gab nur noch eine weitere Sendung, dann musste er MTV verlassen. Danach wechselte der Moderator zum Radio, konnte aber nie mehr an seinen Erfolg mit «Most Wanted» anknüpfen.

Sogar Harald Schmidt konnte kaum mit Ray Cokes mithalten. (Quelle: Youtube / ardmetic)

Es war ihm offenbar eine Genugtuung, als sein alter Sender nach der Jahrtausendwende selber zu schwächeln begann. «MTV hätte Youtube oder iTunes sein können», sagte er später in Interviews. «Aber die alten Typen bei MTV dachten, sie hätten sowieso den grössten Einfluss. Sie lagen voll daneben – sie hätten ein ‹MTV Online› machen können und wären vor Youtube gewesen.»

Vergangenes Jahr veröffentlichte Cokes seine Autobiografie «My Most Wanted Life». Am M4Music soll er das Buch vorstellen – wie man ihn kennt, wird er aber schnell vom Konzept abweichen.

Ray Cokes referiert am Freitag, 27. März, um 15.45 im Zürcher Schiffbau. Das Nachmittagsprogramm des M4Music-Festivals ist gratis.

Deine Meinung