München feiert Maske
Aktualisiert

München feiert Maske

Der 43-jährige Deutsche Henry Maske hat in der ausverkauften Münchner Olympiahalle den Revanchekampf gegen den gleichaltrigen Virgil Hill (USA) überraschend zu seinen Gunsten entschieden. Maske siegte über zwölf Runden nach Punkten.

Ab der Mitte des Kampfes legte Maske vor 12 000 Zuschauern in der vollbesetzten Arena seine anfängliche Zurückhaltung ab und legte den Grundstein zum Sieg. Freilich kam Maske ein Kopfzusammenstoss in der achten Runde entgegen. Dieser sorgte für einen tiefen Cut über dem linken Auge von Hill. Dem Amerikaner lief fortan Blut in das Auge. Dem ohne Blessur aus dem Kopfzusammenstoss hervorgegangenen Maske wurde für den Zusammenstoss ein Punkt abgezogen. In der ersten Kampfhälfte hatte Maske noch verkrampft gewirkt. Hill war schneller auf den Beinen und aktiver. Doch Rechtsausleger Maske behielt die Übersicht und liess mit konzentrierter Deckungsarbeit keine Wirkungstreffer zu. Und mit Fortdauer des Fights wurde Maske auch beweglicher. Er steigerte sich in der zweiten Kampfhälfte von Runde zu Runde. Maske demonstrierte eine erstklassige Verfassung mit schnellen Kombinationen und exzellenter Beinarbeit. «Ich realisierte plötzlich, dass ich und niemand anders diesen Kampf um den Sieg wollte», sagte Maske später.

Hill dürfte Titel verlieren

Die drei Punktrichter werteten den Fight 117:110 (zweimal) und 116:113. Der Kampf über zwölf Runden wurde im alten Cruisergewichtslimit (86,2 kg) geführt. Der WBA-WM-Gürtel von Hill im aktuellen Cruisergewicht (gut 90 kg) stand nicht auf dem Spiel. Allerdings wird Hill auf Grund der Niederlage seinen Gürtel nun verlieren; der Titel dürfte vakant werden.

Für Maske war es letztlich ein «Kopfkampf». «Es war anstrengend für den Zuschauer. Aber letztlich handelte es sich um eine sehr filigrane Angelegenheit. Ab der Kampfmitte konnte ich den Spiess umdrehen.» Maske soll rund vier Millionen Franken für den Rückkampf kassiert haben, Hill rund die Hälfte. Maske hatte den letzten Fight gegen Hill im November 1996 gleichenorts mit 1:2 Richterstimmen verloren. Damals handelte es sich um einen WM- Titelvereinigungskampf im Halbschwergewicht (Maske war IBF- Champion, Hill WBA-Titelträger). Maske hatte vor jenem Kampf seinen Rücktritt angekündigt und diesen anschliessend durchgezogen. Hill boxte dagegen weiter, verlor und gewann WM-Kämpfe, letztmals im Vorjahr.

Maske zog nach seiner unerwartet famosen Rückkehr im Ring seine Frau freudentrunken auf den Ringboden. «Ich hatte vor zehneinhalb Jahren gewünscht, so zurückzutreten. Nach Hills Titelgewinn mit 42 Jahren hatte es bei mir im Vorjahr gekribbelt. Nur dank meiner Familie hatte ich den Glauben an mich und an eine erfolgreiche Revanche nie verloren.» Den Grund für die geglückte Revanche sehe er darin, dass er zehn Jahre reifer geworden sei. «Das Alter war deshalb eben doch kein Nachteil.»

Keine Comeback-Fortsetzung geplant

Maske liess jedoch noch im Ring durchblicken, dass er trotz der aktuellen Hochgefühle nicht daran denke, sein Comeback fortzusetzen. «Ich habe mit dieser Revanche meinen Traum gestillt. Das wars.»

Selbst der österreichische Kabarettist und Boxexperte Werner Schneyder, der vor dem Fight Maskes Comeback-Absichten geradezu verhöhnt hatte, anerkannte nach dem Kampf: «Das war eine äusserst intelligente und wirklich bemerkenswerte Leistung von Maske.» Auch der bezwungene Hill lobte Maske: «Er war der bessere Boxer an diesem Abend.» Freilich fügte er in Gegenwart von Maske sofort an: «Ich habe dir eine Chance gegeben für einen Rückkampf. Nun solltest du mir einen dritten Kampf gewähren.» Maske konterte wie im Ring trocken: «Lass es uns in zehn Jahren nochmals tun.»

IBF-Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko sprach auf alle Fälle von «Sportgeschichte, die Maske schrieb». Das bislang sensationellste Comeback der Boxgeschichte (und auch noch in einem WM-Kampf) realisierte bislang George Foreman. Der boxende Prediger wurde im November 1994 mit einem sensationellen K.o.-Sieg in der 10. Runde über seinen amerikanischen Landsmann Michael Moorer in Las Vegas nochmals Schwergewichts-Weltmeister. Und dies im «biblischen» Alter von 45 Jahren und 10 Monaten. Foreman hatte sein Comeback allerdings schon sieben Jahre zuvor gestartet und kämpfte nach seinem WM-Titelgewinn noch weiter.

München (De). Nicht-Titelkampf als Revanche (Limit 86,2 kg):

Henry Maske (De) s. Virgil Hill (USA) einstimmig nach Punkten (117:110, 117:110, 116:113).

Hills WBA-WM-Titel im Cruisergewicht stand nicht auf dem Spiel.

Maske vs. Hill

«And the Winner is Henry Maske»

12. Runde: Hill blutüberstömt im Ring, die Halle tobt. Der Kampf ist aus. Maske wird wohl als Punktsieger aus diesem Kampf hervorgehen.

11. Runde: Hill hat Probleme, Maske nach wie vor stabil und sicher in der Deckung.

10. Runde: Klare Runde für Maske.

9. Runde: Weiter gehts. Hill muss jetzt wohl aufs Ganze gehen. Hill versucht, Maske aus der Deckung zu locken.

8. Runde: Maske sehr konzentriert. Hill hat eine klaffende Wunde im Gesicht, die beiden sind mit den Köpfen zusammengerasselt. Hill muss sich jetzt über die Runde retten.

7. Runde: Auch der 43-jährige Hill kann sein Alter mit zunehmender Kampfdauer nicht verheimlichen.

6. Runde: Das Publikum feuert den Gentleman tatkräftig an.

5. Runde: Maske noch zu passiv, Hill dominiert bisher den Kampf.

4. Runde: Hill tänzelt noch locker und drängt Maske in die Ecke. Maske trifft Hill und der wird erst jetzt so richtig wach. Bisher die beste Runde in diesem Fight.

3. Runde: Maske versucht Hill auf Distanz zu halten, was ihm in dieser Runde auch einigermassen gelingt.

2. Runde: Hill platziert seine Rechte mitten ins Gesicht von Maske. Auch die 2. Runde geht wohl eher an Hill.

1. Runde: Der Kampf ist eröffnet. Angesetzt sind 12 Runden. Hill mit den ersten Körpertreffern.

- Die beiden Boxer werden näher vorgestellt.

- Für Maske wird jetzt auch noch die deutsche Hymne gespielt.

- Auch die US-Hymne darf bei diesem Anlass nicht fehlen.

- Nun kommt Maskes Gegner Virgil Hill in die Halle, mit einem prächtigen Indianer-Kopfschmuck, Village People lassen grüssen.

- Maske tigert konzentriert in den Gängen hin und her und wird nun von seiner Entourage in die Halle geführt.

- Es wird dunkel in der Halle, Henry Maske bereitet sich für seinen Auftritt in die Münchner Olympiahalle vor.

- Sarah Connor singt noch «The Impossible Dream» vor dem Kampf.

- Der Kampf ist auf 22.45 Uhr angesetzt, verzögert sich jedoch um einige Minuten.

Vor dem Kampf

Vor dem Comeback des früheren deutschen Vorzeige- Boxchampions Henry Maske gegen den ebenfalls 43-jährigen Virgil Hill (USA) glauben lediglich 25 Prozent der Deutschen an einen Sieg des ehemaligen IBF-Halbschwergewichts-Weltmeisters.

Hingegen sind laut einer vom TV-Sender RTL in Auftrag gegebenen Umfrage 51 Prozent überzeugt, dass der Amerikaner wie am 23. November 1996 den Fight vom Samstagabend in der Münchner Olympiahalle über zwölf Runden gewinnen wird. RTL beginnt ab 22.05 Uhr mit der TV-Übertragung dieses Nicht-Titelkampfes aus der voraussichtlich ausverkauften Olympiahalle (12 000 Zuschauer).

Im November 1996 hatte es sich um einen Titelvereinigungskampf im Halbschwergewicht gehandelt: Neben Maskes IBF-Gürtel stand der WBA-Gürtel im Halbschwergewicht von Hill auf dem Spiel. Hill siegte damals mit 2:1 Richterstimmen (116:113, 115:113; 112:116). Maske agierte damals in den ersten vier von zwölf Runden viel zu passiv. Den entsprechenden Rückstand konnte er nicht mehr aufholen.

Hill hält mittlerweile den WBA-Gürtel im Cruisergewicht (90,892 kg). Dieser Gürtel steht am Samstag jedoch nicht auf dem Spiel. Maske sinnt elf Jahre nach seinem letzten offiziellen Kampf und nach rund neunmonatiger Vorbereitung auf Revanche, für die er rund 2,5 Millionen Franken kassiert. Hill soll knapp zwei Millionen Franken erhalten.

Maske wie Foreman?

George Foremans Comeback-Start nach 3643 Tagen Pause - neun Jahre und 356 Tage - im Alter von 38 Jahren gilt unter den Experten nach wie vor als die berühmteste Rückkehr der Boxgeschichte. Henry Maske hat vor seinem Comeback im Boxring nach 3748 Tagen immerhin schon mal «Big George» Foreman übertrumpft.

Am 5. November 1994 wurde George Foreman mit 45 Jahren und einem sensationellen K.o.-Sieg über Titelverteidiger Michael Moorer (USA) nicht nur ältester Schwergewichts-Weltmeister, sondern auch zum «achten Weltwunder» (O-Ton Foreman).

Henry Maske ist zwar ein Liebhaber von Rocky-Filmen, denkt aber anders als Foreman bislang nur an den einen Fight gegen Hill. «Big George» dagegen boxte noch bis zum 47. Lebensjahr, um weitere Dollars für seine Kirche zu sammeln.

Box-Experte Schneyder verhöhnt Maske

Der österreichische Kabarettist und Box-Experte Werner Schneyder geht mit Henry Maske vor dessen Comeback hart ins Gericht gegangen. «Diese Eitelkeit, dieses Nicht-abtreten-Wollen ist im Boxen so ausgeprägt wie in keiner anderen Sportart. Kein Becker, kein Sampras der Welt würde das Gefühl haben, er könnte noch Roger Federer schlagen», sagte Schneyder der «Welt am Sonntag». Maske bediene sich eines Marketing-Tricks, indem er gegen einen Gleichaltrigen boxe, betonte der Österreicher, der einst die WM- Kämpfe Maskes für RTL kommentierte.

Schweizer Profi Max Gusset weiterhin ungeschlagen

Der Zürcher Profi Max Gusset (35) besiegte in Berlin Roman Horvath (34/Tsch) durch technischen K.o. in der 4. Runde. Gusset dominierte den Kampf von Beginn an und setzte den Gegner wiederholt mit harten Körpertreffern unter Druck. Von mittlerweile neun Kämpfen hat Cruisergewichtler Gusset sechs gewonnen und drei mit einem Unentschieden beendet.

Fast 16 Millionen wollten Maske sehen

Henry Maskes erfolgreiches Comeback hat im Durchschnitt 15,99 Millionen Zuschauer (Marktanteil 63,1 Prozent) vor den Fernseher gelockt. Maske verfehlte seine persönliche Bestmarke um 1,5 Millionen.

17,59 Millionen (Marktanteil 73,2 Prozent) TV-Zuschauer hatten am 14. Oktober 1995 seinen zweiten Sieg gegen Graciano «Rocky» Rocchigiani verfolgt. Den «ewigen» Quotenrekord für Boxkämpfe im deutschen Fernsehen hält Axel Schulz, dem beim WM-Kampf gegen Francis Botha am 9. Dezember 1995 17,96 Millionen zuschauten. Das gescheiterte Comeback von Schulz am 25. November 2006 verfolgten durchschnittlich 11,53 Millionen.

Deine Meinung