So entscheiden Sie richtig: «Münze werfen, aber auf den Bauch hören»
Aktualisiert

So entscheiden Sie richtig«Münze werfen, aber auf den Bauch hören»

Warum ist Entscheiden manchmal so schwierig? Und warum tun sich andere scheinbar so leicht mit einer Wahl? Im Interview erklärt eine Expertin, welche Entscheidungstypen es gibt und was man gegen Selbstzweifel nach einer gefällten Entscheidung tun kann.

von
Olaf Kunz

20 Minuten Online sprach mit Frau Professor Dr. Alexandra Freund vom Psychologischen Institut der Uni Zürich, Lehrstuhl für Angewandte Psychologie: Life-Management.

20 Minuten Online: Warum tun sich manche Menschen schon bei relativ unbedeutenden Entscheidungen schwer?

Prof. Dr. Alexandra Freund: Gerade weil die Konsequenzen relativ trivial sind. Je weniger bedeutsam, desto schwerer tut man sich mit dem Fällen einer Entscheidung. Der Grund ist, dass es wenig klare Kriterien gibt. Zum Beispiel bei der Wahl einer Eissorte: Sie soll schmecken, aber das tun ja viele. Doch welche Massstäbe soll man sonst noch anlegen? Zuckergehalt, Farbe, Cremigkeit? Das ist sehr schwer.

Wenn wir gerade bei Eis sind: Kinder scheinen sich mit solchen Alltagsentscheidungen ja oft leichter zu tun. Warum ist das so?

Kinder machen sich oft über weitreichende Konsequenzen nicht allzu viele Gedanken. Sie lassen sich von ihren momentanen Gefühlen, Präferenzen oder Aversionen leiten. Aus diesem Grunde sollten Kindern ja auch keine komplexen und weitreichenden Entscheidungen treffen.

Welche verschiedenen Entscheider-Typen gibt es?

Die aktuelle Forschung unterscheidet im wesentlichen zwischen zwei Idealtypen: Dem sogenannten «Maximizer» (Maximierer) und dem sogenannten «Satisfizer» (auf Deutsch am ehesten «Zufriedensteller»)Maximierer streben immer die beste Entscheidung an. Sie glauben, dass sie das Beste rausholen können, wenn sie nur lange genug suchen. Sie folgen dem Motto 'Nur das Beste ist gut genug'. Doch bei jeder Entscheidungssituation gibt es sehr viele Dimensionen. So wird die Suche nach dem Optimum schnell enorm komplex. Deshalb ringen Maximierer oft viel mehr mit einer konkreten Wahl.

Weitaus leichter tun sich da die Satisfizer. Sie legen bestimmte für sie wichtige Kriterien fest. Wenn sie diese bei einer möglichen Option antreffen, werden sie sich dafür entscheiden. Sie operieren nach dem Motto «Gut ist gut genug». Weil sie in diesem Sinne von vornherein genügsamer sind, fühlen sie sich mit ihrer Entscheidung hinterher oft wohler.

Was kann man tun, wenn sich einfach keine Entscheidung einstellen will?

Man muss sich zunächst einmal klar machen, dass es DIE beste Entscheidung einfach nicht gibt. Es gibt immer Unsicherheiten und man kann nicht alles voraussehen. Auch bei gründlicher Abwägung aller Argumente entsteht manchmal der Eindruck einer Patt-Situation. Man kommt einfach nicht weiter. In dieser Situation empfiehlt es sich vielleicht, eine Münze zu werfen. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, für welche Option letztlich die Münze spricht. Aber oft meldet sich unmittelbar danach das Bauchgefühl. Er stimmt entweder zu oder sträubt sich. Ich empfehle, auf dieses Bauchgefühl zu hören.

Manche Menschen zweifeln im Nachgang nach einer Entscheidung sehr und sind sich unsicher, ob sie das richtige getan haben. Was würden Sie diesen Menschen raten?

Eigentlich sollte man sich nach einer Entscheidung wohler fühlen. Dennoch bedauern viele schon unmittelbar hinterher ihre Situation. Man spricht in diesem Zusammenhang vom «Post decisional regret». Der Grund ist, dass diese Menschen meist nur sehen, was sie in den nicht-gewählten Alternativen verpassen. Hier sollte man versuchen, auf die positiven Aspekte der gewählten Option zu fokussieren.

Gibt es bei Entscheidungsfindungen eigentlich einen Unterschied zwischen Beruf und Privatem? Trifft man im beruflichen Alltag leichter Entscheidungen?

Zu diesem Aspekt gibt es bislang noch sehr wenig wissenschaftliche Studien. Doch ich gehe davon aus, dass Menschen über verschiedene Kontexte hinweg sehr ähnlich reagieren. Es liegt wahrscheinlich eher an solchen Dimensionen wie der Komplexität und der Wichtigkeit von Entscheidungen, wie man sich verhält, weniger ob es sich um eine berufliche oder private Entscheidung handelt.

Ist es eigentlich gut, in weitreichende Entscheidungen andere Menschen einzubeziehen?

Ich würde auf jeden Fall sagen ja. Gerade bei wirklich weitreichenden Dingen ist ja auch das soziale Umfeld in gewissem Masse betroffen. Wenn es zum Beispiel um einen neuen Job geht, der mit Umzug verbunden ist, hat die Familie bestimmt auch ein Wörtchen mitzureden. Es braucht ja auch ein gewisses Mass an Information, um diese Entscheidungen treffen zu können. Hier kann das direkte Umfeld sicher auch unterstützen.

Gibt es bestimmte Entscheidungen, bei denen sich Menschen besonders schwer tun?

Ich glaube nicht, dass man das so generell sagen kann. Sicher ist: je komplexer die Wahl, desto schwerer. Wenn es viele verschiedene Optionen gibt, dann ist die Entscheidungsfindung deutlich schwieriger. Aber auch hier kann das Bauchgefühl im Zweifelsfall ein guter Berater sein.

Am Lehrstuhl für Angewandte Psychologie der Universität Zürich werden fortlaufend Studien zu Entscheidungsfindungen durchgeführt. Hierzu sind Probanten auch von ausserhalb der Uni jederzeit herzlich willkommen. Interessierte können sich melden unter

Am Lehrstuhl für Angewandte Psychologie der Universität Zürich werden fortlaufend Studien zu Entscheidungsfindungen durchgeführt. Hierzu sind Probanten auch von ausserhalb der Uni jederzeit herzlich willkommen. Interessierte können sich melden unter

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