18.03.2020 19:10

GrundversorgungMüssen Detailhändler Teile der Läden absperren?

Manche Geschäfte sperren Teile des Ladens ab, andere machen weiter wie gewohnt, Coop verkauft keine Pflanzen mehr. Die Weisungen des Bunds sind unklar.

von
Raphael Knecht
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Händler, die Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs bieten, haben weiterhin geöffnet.

Händler, die Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs bieten, haben weiterhin geöffnet.

Keystone/Gaetan Bally
Anders ist es hingegen bei Unternehmen wie Kleiderhändlern – sie mussten auf Anweisung des Bunds schliessen.

Anders ist es hingegen bei Unternehmen wie Kleiderhändlern – sie mussten auf Anweisung des Bunds schliessen.

Keystone/Steffen Schmidt
Für die grossen Detailhändler ist das ein Wettbewerbsvorteil – denn sie können in den meisten Fällen auch Produkte weiterhin verkaufen, die nicht zum täglichen Bedarf gehören.

Für die grossen Detailhändler ist das ein Wettbewerbsvorteil – denn sie können in den meisten Fällen auch Produkte weiterhin verkaufen, die nicht zum täglichen Bedarf gehören.

Keystone/urs Flueeler

Die Detailhändler haben weiterhin geöffnet, da sie die Grundversorgung der Schweizer Bevölkerung aufrechterhalten. Doch viele von ihnen verkaufen auch Produkte, die nicht zur Grundversorgung gehören: etwa Kleider, Pflanzen und Geschirr.

Dürfen die Händler diese Artikel weiterhin anbieten oder müssen sie sich auf Lebensmittel, Medikamente und dergleichen beschränken? In der Verordnung des Bunds heisst es lediglich, dass Läden weiterhin geöffnet bleiben dürfen, soweit sie Lebensmittel oder Gegenstände des täglichen Bedarfs anbieten. Unklar ist, ob das bedeutet, dass solche Geschäfte effektiv nur noch diese Produkte anbieten dürfen.

Basel-Landschaft fordert Abschrankungen

Der Regierungsrat von Basel-Landschaft hat etwa beschlossen, dass Ladenbereiche, die nicht der Grundversorgung dienen, von den zugelassenen Verkaufsflächen abzugrenzen und zu schliessen seien. Viele Kantone verzichten hingegen auf Massnahmen, die über die Anweisungen des Bunds hinausgehen – und sind somit auch nicht konkreter.

Für die grossen Detailhändler sei es ein grosser Wettbewerbsvorteil, wenn sie etwa weiterhin Kleider verkaufen dürfen, während alle Kleiderläden schliessen müssen, sagt ZHAW-Wirtschaftsprofessor Tilman Slembeck: «Es wäre darum wünschenswert, wenn die Spiesse gleich lang wären und auch die Grossen nicht mehr alle Produkte verkaufen dürfen.»

Probleme bei der Umsetzung

Slembeck gibt aber zu bedenken, dass die Umsetzung viele Fragen aufwirft. So sei nur schon unklar, was Artikel des täglichen Bedarfs sind: «Gehört zum Beispiel Druckerpapier dazu?»

Des Weiteren könnte es für grosse Händler schwierig werden, durchmischte Sortimente effektiv nach den Vorgaben des Bunds abzusperren oder anzupassen. «Dann stellt sich die Frage, wie praktikabel es überhaupt ist, diese Weisungen umzusetzen – vielleicht muss man sonst den Laden ganz dichtmachen, was dann wieder ein Nachteil für grosse, durchmischte Detaillisten oder Warenhäuser mit Lebensmittelabteilung wäre», so Slembeck.

Die Detailhändler ihrerseits versuchen derzeit, die Massnahmen schweizweit zu vereinheitlichen. «Wir arbeiten auf Hochtouren an einer einheitlichen Lösung», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter zu 20 Minuten. Coop-Sprecherin Marilena Baiatu nennt konkrete Schritte: «Wir werden beispielsweise ab Donnerstag schweizweit keine Blumen und Pflanzen mehr verkaufen.»

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