Bund prüft Gesetz: Müssen die SBB bei Verspätung mehr blechen?

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Bund prüft GesetzMüssen die SBB bei Verspätung mehr blechen?

Nach einer SBB-Pannenserie prüft der Bund grosszügigere Entschädigungen für Passagiere, die verspätet ankommen.

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fum
Zugpassagiere, die verspätet ankommen, könnten schon bald grosszügiger entschädigt werden.

Zugpassagiere, die verspätet ankommen, könnten schon bald grosszügiger entschädigt werden.

Ein Unfall mit einem Schienenkran, mehrere Kabelbrände und eine grosse Betriebsstörung — die SBB haben in den vergangenen Wochen mit mehreren Negativmeldungen für Schlagzeilen gesorgt. Am Schlimmsten traf es die Passagiere einer S-Bahn, die im Zürichbergtunnel eineinhalb Stunden ohne Strom ausharren mussten, bis der defekte Zug endlich abgeschleppt wurde. Als Entschädigung kriegten die Fahrgäste von den SBB gerade mal einen 5-Franken-Gutschein.

«Da waren wir sicher zu knausrig», sagt nun SBB-Sprecherin Lea Meyer gegenüber «10vor10». Das sieht auch die Bahnkundenorganisation Pro Bahn so: «Fünf Franken genügen wirklich nicht, es müsste mindestens 20 Franken geben», sagt Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn.

Der Ruf verhallt nicht ungehört. «Wir prüfen, in welcher Form die Fahrgastrecht-Vorschriften der EU ins Schweizerische Recht übernommen werden könnten», sagt Andreas Windlinger, Sprecher beim Bundesamt für Verkehr (BAV). Es sei verständlich, dass Passagiere, die eineinhalb Stunden lang in einem Tunnel stehen, «den Anspruch und das Gefühl haben, sie müssten entschädigt werden», so Windlinger.

Kulante Entschädigungen in der EU

In den EU-Ländern sind die Bahnunternehmen nämlich per Gesetz verpflichtet, Entschädigungen an ihre Passagiere zu bezahlen — und zwar in bar und unabhängig davon, um welchen Zug es sich handelt. Ab einer Stunde Verspätung gibt es mindestens ein Viertel des Ticketpreises zurück. Ab zwei Stunden müssen die Bahnunternehmen mindestens die Hälfte zurückerstatten. In vielen EU-Ländern gibt es darüber hinaus auch im Nahverkehr Entschädigungen.

Die SBB betonen, man zeige sich schon heute kulant, obwohl es keine rechtlichen Grundlagen für Entschädigungen von Bahnpassagieren gibt. Im Fernverkehr würden bei über einer Stunde Verspätung 10-Franken-Gutscheine verteilt, in der ersten Klasse 15-Franken-Gutscheine. Anders im Regionalverkehr. «Es ist schwierig herauszufinden, welche Leute auf dem Zug waren, weil wir keine Zugbegleiter haben», so Meyer.

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