Mühleberg-Ende: Müssen die Steuerzahler für Rückbau zahlen?
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Mühleberg-EndeMüssen die Steuerzahler für Rückbau zahlen?

Greenpeace begrüsst das Ende von Mühleberg. Was mit der Abschaltung auf die Schweiz zukommt, erklärt Florian Kasser, AKW-Experte der Umweltorganisation.

Florian Kasser, AKW-Experte bei Greenpeace, schätzt dass der Rückbau von Mühleberg rund eine Milliarde Franken kosten wird.

Florian Kasser, AKW-Experte bei Greenpeace, schätzt dass der Rückbau von Mühleberg rund eine Milliarde Franken kosten wird.

Die BKW hat die Laufzeit von Mühleberg selbstständig beendet. Was sind dort die nächsten Schritte?

Der Rückbau eines Kernkraftwerks ist nicht mit dem anderer Anlagen vergleichbar. Viele Komponenten sind radioaktiv und müssen speziell abgebaut und behandelt werden. Das Ganze wird 15 bis 20 Jahre dauern.

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Mühleberg ist das erste Schweizer AKW, das abgeschaltet wird: Gibt es überhaupt schon Erfahrungen dazu, wie man einen solchen Betrieb entsorgt?

In der Schweiz kann dies tatsächlich derzeit niemand. In Deutschland ist man aber aktuell daran, in Würgassen ein Atomkraftwerk eines ähnlichen Typs abzureissen. Dort gibt es also Spezialisten, die bereits erste Erfahrungen sammeln können.

Wird man für Mühleberg also Fachkräfte aus dem Ausland holen müssen?

Ja, definitiv. Es werden aber sicher auch viele Spezialisten aus dem Mühleberg-Betrieb weitergebildet. Fest steht, dass der Rückbau und die Entfernung des radioaktiven Materials nur von erfahrenen Profis durchgeführt werden darf. Bei unsachgemässem Abriss droht im schlimmsten Fall die Gefahr, dass Radioaktivität austritt.

Brennstäbe, radioaktiver Bauschutt etc. Was geschieht mit dem ganzen Atom-Müll?

Das ist die grosse Frage. Die Uran-Brennstäbe müssen zuerst noch fünf bis sieben Jahre vor Ort abgekühlt werden. Danach kommt das strahlende Material ins sogenannte Zwischenlager in Würenlingen im Kanton Aargau. Dort möchte man es, wenn alles nach Plan läuft, rund 50 Jahre aufbewahren, bis es in ein geologisches Tiefenlager gebracht wird. In dieser „Endstation" soll dann der Atommüll Tausende von Jahren weiterstrahlen. Das Problem ist: Ein solches Tiefenlager gibt es bislang gar nicht. Es existiert nur auf dem Papier.

Bis zu 20 Jahre Arbeit mit Spezialisten aus dem Ausland, Sondertransporte und Lagerung: Was kostet das Zerlegen und Entsorgen von Mühleberg?

Vorgesehen ist eine halbe Milliarde. Darin ist aber nur der Rückbau enthalten. Und es wird wohl nicht reichen. Erfahrungen aus Deutschland haben gezeigt, dass es bis zu einer Milliarde Franken kosten könnte.

Wer muss für die Mehrkosten aufkommen?

Es zeichnet sich ab, dass die Rücklagen im Stillegungsfonds, in den die AKWs etwa ein Fünftel der Produktionskosten einzahlen, nicht reichen werden. Darum würden schlussendlich wohl die Steuerzahler für die Entsorgung mitbezahlen müssen.

Welches Signal ist die Abschaltung von Mühleberg im Hinblick auf die anderen Schweizer Kernkraftwerke?

Für Beznau sollte es bedeuten, dass man sofort den Stecker ziehen muss. Dieses AKW ist noch älter als Mühleberg und es bestehen ebenfalls gravierende Sicherheitsmängel. Dass die Axpo dort nochmals 700 Millionen investieren will, ist ein ganz schlechtes Zeichen. Denn auch mit viel Geld bringt man ein AKW aus den 60er-Jahren nicht auf ein akzeptables Sicherheitsniveau.

Aber das Kraftwerk soll durch die Nachrüstung ja sicherer werden.

Da befinden wir uns in einem Teufelskreis: Es wird investiert und, um die Kosten zu decken, muss die Betriebszeit verlängert werden. Im Laufe der Zeit entstehen neue Mängel. Und es wird wieder investiert. Grundsätzlich gilt: je älter, desto gefährlicher.

Was wäre eine bessere Lösung?

Wir fordern eine verbindliche

Laufzeitbeschränkung von 40 Jahren für alle AKW. Das würde bedeuten, Beznau müsste sofort, Gösgen 2019 und Leibstadt im Jahr 2025 vom Netz. Eine solche Beschränkung müsste aus der Politik kommen und würde auch den Betreibern eine höhere Planungssicherheit ermöglichen.

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