Las Vegas der Alpen: In Liechtenstein wird über ein Casinoverbot abgestimmt.

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Abstimmung in LiechtensteinMüssen im «Las Vegas der Alpen» bald alle Casinos schliessen?

Momentan hält das Fürstentum Liechtenstein den Weltrekord für die grösste Casinodichte. Am Sonntag stimmt das Volk über ein Verbot ab. Wird es angenommen, müssen alle Casinos binnen fünf Jahren schliessen.

von
Ammar Jusufi
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Das Fürstentum Liechtenstein hält den Weltrekord für die höchste Casinodichte pro Einwohner. (Symbolbild)

Das Fürstentum Liechtenstein hält den Weltrekord für die höchste Casinodichte pro Einwohner. (Symbolbild)

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Ein Gesetz, das 2016 eingeführt wurde und die Ausbreitung dem freien Markt überlässt, ist der Grund dafür. (Symbolbild)

Ein Gesetz, das 2016 eingeführt wurde und die Ausbreitung dem freien Markt überlässt, ist der Grund dafür. (Symbolbild)

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Am Sonntag wird nun über ein Casinoverbot abgestimmt werden. Kommt es zustande, müssen alle Casinos schliessen. (Symbolbild)

Am Sonntag wird nun über ein Casinoverbot abgestimmt werden. Kommt es zustande, müssen alle Casinos schliessen. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Am Sonntag wird in Liechtenstein über ein Casinoverbot abgestimmt.

  • Das Fürstentum Liechtenstein hat die höchste Casinodichte der Welt.

  • Die Casinogegner sehen die hohe Casinodichte als mögliche Gefahr für das Fürstentum.

  • Die Grossparteien hingegen gehen davon aus, dass sich der Markt von alleine regulieren wird.

  • Kommt das Verbot zustande, müssen alle Spielhöllen innerhalb der nächsten fünf Jahre schliessen.

«Wir Liechtensteiner wollen nicht das Las Vegas der Alpen sein», sagt Hansjörg Frick, Präsident des Vereins IG Volksmeinung aus Schaan FL. 2016 wurde das Gesetz erlassen, welches die Casino-Ausbreitung im Fürstentum nicht mehr einschränkt und dem freien Markt überlässt. Das heisst, dass jeder, der die gegebenen Bedingungen erfüllt, eine Bewilligung für die Eröffnung einer Spielhölle kriegt. In den kommenden Jahren soll die Anzahl auf zehn Casinos steigen.

Der Zwergstaat hält schon jetzt mit sechs Casinos, auf ungefähr 39’000 Einwohnerinnen und Einwohner, einen Weltrekord. Nicht einmal Las Vegas kann mit dieser Casinodichte mithalten. Dem Verein IG Volksmeinung ist dies ein Dorn im Auge. Er fordert den ganzheitlichen Ausstieg aus dem Casino-Business. Dementsprechend wird der kommende Sonntag ein wichtiger Tag für die Mitglieder der IG. Grund: Das Liechtensteiner Volk stimmt über ein Casinoverbot ab. Wird das Verbot angenommen, müssen alle Casinos innerhalb der nächsten fünf Jahre schliessen. Auch ein Sitz von Online-Casinos wäre fortan in Liechtenstein unmöglich.

«Schweizer bekommen die Sozialfälle und wir das Geld»

Für die IG Volksmeinung ist das der einzig richtige Schritt. Sie sieht in der momentanen Situation nämlich drei zentrale Probleme: «Die steigende Anzahl der Spielsüchtigen, sowie der Sozialfälle, kann zu einem grossen Ärgernis werden», sagt Frick. Dazu kommt, dass das Fürstentum sein Image schon früher im Treuhandwesen verspielt habe und das jetzt nicht erneut ein schlechtes Licht auf es werfen solle.

Frick weiter: «Zudem geht es auch um die Beziehungen zu unseren Nachbarn.» Ungefähr 60 Prozent der Besucherinnen und Besucher kämen aus der Schweiz. «Die Schweizer müssen sich dann um die Sozialfälle kümmern und uns bleibt das Geld», sagt Frick. 

«David gegen Goliath»

Die Chancen für ein «Ja» zur Verbotsinitiative schätzt Frick aber trotz allem als klein ein. «Es ist wie David gegen Goliath, weil die zwei Grossparteien dagegen sind», so der Liechtensteiner. Die Casinos sind lukrativ und machen gute Werbung. «Durch Sponsoring finanzieren die Casinos eine Menge Vereine im Land», sagt Frick weiter. Diese Punkte liessen die Hoffnung bei den Casinogegnern auf ein positives Ergebnis am Sonntag schwinden.

Frick ist aber auch wichtig zu betonen: «Wir haben nichts gegen ein Casino. Es ist jetzt aber zu spät, sich für ein oder zwei Casinos zu entscheiden.» Dies würde nur zu Ungerechtigkeiten führen. «Deshalb bleibt allein ein Verbot übrig», so der Vereinspräsident. 

Der Markt soll sich von alleine regulieren

Die Vaterländische Union VU, als eine der beiden grössten Parteien, sieht das anders: «Das ist ein massiver Eingriff in die Verfassung. Unserer Meinung nach sollte man keine einzelnen Branchen verbieten», sagt Michael Winkler, Generalsekretär der VU. Die wirtschaftsliberale Partei geht davon aus, dass der Markt sich mit den Jahren von alleine regulieren wird. «Mit den bereits ergriffenen Massnahmen ist es ohnehin weniger attraktiv, in das Geschäft einzusteigen», sagt Winkler. 

Irgendwann müsse man sich fragen, was das Nächste sei, das verboten werde. «Wir setzen auf die Eigenverantwortung der Menschen», so der Generalsekretär. Im Parteivorstand hatte die VU ein einstimmiges Ergebnis. «So was ist sehr selten», sagt Winkler. Es sei zu hoffen, dass die Casinoinitiative am Sonntag abgelehnt wird. «Online-Umfragen ergaben, dass über 70 Prozent dagegen sind, zwar sind sie nicht immer repräsentativ, aber sie lagen meist um ein paar Prozente daneben», so Winkler weiter. 

Was würdest du zu einem Casinoverbot in der Schweiz sagen?

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Spiel-, Kauf-, Online- oder eine andere Verhaltenssucht?

Hier findest du Hilfe:

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

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