Nach mutmasslicher Terror-Attacke: Müssen Messer im Laden nun unter Verschluss?
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Nach mutmasslicher Terror-AttackeMüssen Messer im Laden nun unter Verschluss?

Die Angreiferin im Manor in Lugano hat für ihre Tat ein Messer in der Offentheke benutzt. Brauchen Läden nun ein neues Sicherheitskonzept? 20 Minuten hat bei Detailhändlern nachgefragt.

von
Fabian Pöschl
Daniel Graf
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Die mutmassliche Terroristin in Lugano nutzte für ihre Tat ein frei ausgestelltes Messer im Manor-Warenhaus.

Die mutmassliche Terroristin in Lugano nutzte für ihre Tat ein frei ausgestelltes Messer im Manor-Warenhaus.

zvg
Einige Händler überprüfen nun ihre Sicherheitskonzepte.

Einige Händler überprüfen nun ihre Sicherheitskonzepte.

zVg
Gesetzliche Vorgaben würden für die Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann-Hunkeler zu weit gehen.

Gesetzliche Vorgaben würden für die Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann-Hunkeler zu weit gehen.

zvg

Darum gehts

  • Die Tatwaffe bei der Attacke auf zwei Frauen in Lugano war ein im Manor ausgestelltes Messer.

  • Beim Einkaufen gibt es viele gefährliche Gegenstände, die als potenzielle Waffen genutzt werden könnten.

  • Einige Detailhändler prüfen nun stärkere Sicherheitsvorkehrungen.

  • Gesetzliche Vorgaben würden für die Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann-Hunkeler zu weit gehen.

Der mutmasslich terroristische Angriff auf zwei Frauen, die im Manor in Lugano einkauften, schockiert die Schweiz. Das Messer hatte die 28-jährige Täterin laut einer Zeugin direkt im Warenhaus an sich genommen.

Frei ausgestellte Messer in der Haushaltsabteilung, Äxte und Sägen im Baumarkt – gefährliche Gegenstände, die als potenzielle Waffen genutzt werden könnten, gibt es viele beim Einkaufen. Müssen Händler nach dem Angriff nun neue Vorsichtsmassnahmen treffen?

Ikea führt «Run, Hide, Tell»-Trainings durch

Coop hält sich bedeckt. Die Detailhändlerin prüft die Situation und allfällige Massnahmen, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt. Globus hingegen verstärkt laut einer Sprecherin die regulären Sicherheitsmassnahmen und prüft, ob die Messer in der Auslage unter Verschluss kommen sollen. Die Migros wollte laut einem Sprecher auf Anfrage keine Stellung nehmen. Man kenne den Fall zu wenig.

Ikea wiederum hat die offen ausgestellten Messer seit Jahren entschärft und mit Metallseilen befestigt, wie ein Sprecher sagt. Ausserdem trainiert das schwedische Möbelhaus mit den Angestellten mindestens einmal pro Jahr, wie man sich bei Anschlägen verhalten soll. Das sogenannte «Run, Hide, Tell»-Training sei als Reaktion auf den Anschlag nun vorgezogen worden.

Manor prüft Warenpräsentation

Ronald Christen, CEO des Berner Warenhauses Loeb, zeigt sich betroffen vom Vorfall. Das Sicherheitspersonal sei nach dem Vorfall sensibilisiert worden. Das Wegschliessen von Messern hält Christen mit Verweis auf das grosse Sortiment allerdings nicht für realistisch.

Beim Baumarkt Jumbo ist man sich der Gefahr bewusst, dass die ausgestellten Geräte für kriminelle und terroristische Zwecke missbraucht werden könnten, wie ein Sprecher sagt. Die Reaktion könne aber kein generelles Verkaufsverbot von Essbesteck, Küchenwerkzeugen oder Gartengeräten sein. «Der Nachteil für alle freien Menschen in unserem Land wäre dann viel grösser und auch nicht allgemein akzeptiert», so der Sprecher.

Manor bedauert den Vorfall und wünscht den verletzten Personen gute Besserung, wie ein Sprecher sagt. Man stehe in Kontakt mit den Eltern des Opfers. Seit heute ist das Warenhaus wieder geöffnet. Manor werde nach dem gewalttätigen Angriff aber «natürlich nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen». Das Sicherheitskonzept und die Warenpräsentation würden geprüft.

«Dann müssten wir bald alles regulieren»

Die Umfrage zeigt, dass die Händler unterschiedliche Sicherheitsvorkehrungen für ihre Messer und weitere potenziell gefährliche Gegenstände haben. Braucht es deshalb eine gesetzliche Vorgabe?

Für Ida Glanzmann-Hunkeler, CVP-Politikerin und Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats, ginge das zu weit: «Ob Messer im Baumarkt oder eine Motorsäge im Warenhaus: Diese Dinge kann man dort nun einmal kaufen. Es wäre verrückt, wenn wir per Gesetz vorschreiben müssten, wie die Läden diese Güter aufzubewahren und anzubieten haben. Dann müssten wir bald alles regulieren.»

Glanzmann spielt den Ball den Warenhäusern zu: «Ich kann mir gut vorstellen, dass Manor jetzt handeln und sich überlegen wird, wie man Vorfälle wie denjenigen in Lugano verhindern kann. Es kann nicht im Interesse eines Warenhauses sein, in einem solchen Zusammenhang im Scheinwerferlicht zu stehen.» Letztlich müsse das jedes Geschäft selber entscheiden: «Sich zu überlegen, wo und wie man gefährliche Gegenstände präsentiert, könnte aber helfen, solche Vorfälle künftig zu verhindern.»

Alarmieren und in Sicherheit bringen

Die Kantonspolizei Zürich gibt im Netz Tipps, wie man sich bei Angriffen verhalten soll:

  • Was liegt vor?

Zum Beispiel wenn eine Person randaliert, andere zu bestimmten Handlungen nötigt oder droht, andern oder sich selbst Gewalt anzutun.

  • Was können Sie tun?

Bringen Sie sich in Sicherheit. Alarmieren Sie umgehend die Polizei über die Notrufnummer 117. Schildern Sie, was vorgefallen ist.

  • Was unternimmt die Polizei?

Die Polizei interveniert am Ereignisort. Sie sorgt wieder für Sicherheit. Sie geht gegen strafbare Handlungen vor. Sie trifft Massnahmen zur Verhinderung weiterer Straftaten.

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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