Nach Eklat im «Club»: Müssen sich die Männer jetzt ändern?
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Nach Eklat im «Club»Müssen sich die Männer jetzt ändern?

Nach einer hitzigen Diskussion im SRF legen die beiden Experten dar, wieso es «toxische Männlichkeit» gibt oder nicht und was sich ändern muss.

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daw/ehs

Im «Club» von SRF zum Thema Männlichkeit geraten Marco Caimi und Markus Theunert aneinander. (Quelle: SRF)

Ist das Verhalten vieler Männer «toxisch» – oder werden die Männer zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt und problematisiert? Im SRF-«Club» wurde darüber diskutiert. Der Männerarzt Marco Caimi und der Psychologe Markus Theunert von der Fachstelle Maenner.ch gerieten dabei aneinander (siehe Video). Gegenüber 20 Minuten legen sie dar, welche Probleme Männer haben und wo sie sich ändern müssen.

Markus Theunert, Psychologe bei Männer.ch

«Das traditionelle Männerbild ist tatsächlich ‹toxisch›: Ein Mann sollte demnach nicht zeigen dürfen, was er spürt, keine Schwäche oder Angst zeigen. Ein ‹richtiger Mann› braucht auch keine Hilfe. Männlichkeit ist so negativ definiert: Nur wer kein Mädchen und kein Schwuler ist, ist ein richtiger Mann. Entsprechend muss man Handlungen vermeiden, die vermeintlich weiblich sind.

Das sieht man schon auf dem Pausenhof. Ein solches Männerbild ist toxisch, weil es krank macht und die Isolation des Mannes befördert: Er geht nicht rechtzeitig zum Arzt, er geht unnötige Risiken ein, übt eher Gewalt gegen sich und andere aus.

Wir postulieren im Gegensatz dazu ‹sorgende Männlichkeiten›: Männer sollten nicht zu Frauen werden, sich aber um sich selbst, um die Familie und andere kümmern. Was als männlich gilt, ist vor allem eine Frage der gesellschaftlichen Zuschreibung. Vertreter wie Marco Caimi sehen und rechtfertigen Geschlechterrollen viel zu sehr als ‹naturgegeben›.»

Marco Caimi, Männerarzt

«In der Debatte herrscht ein Motto vor: Die unerträgliche Andersartigkeit des anderen. Frauen sollten entspannt Frau und Männer entspannt Mann sein dürfen, in gegenseitigem Respekt und im Rahmen der Gesetze. Die Geschlechterschützengräben schaden vor allem einer Gruppe: den Kindern.

Der Begriff ‹toxische Männlichkeit› ist mir zu heftig. Darin steckt eine Abwertung des ganzen Geschlechts. Sexismus ist primär kein männerspezifisches Problem, sondern eine Frage von Intelligenz und der Kinderstube.

Es gibt natürlich Handlungsbedarf. Ein Problem haben wir auch bei Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch. Das ist aber weniger ein Problem der Männer generell, sondern eines des Kulturkreises. Die Gesellschaft sollte sich viel stärker mit der Frage befassen, wie sie mit Männern aus anderen Kulturkreisen umgehen kann, die ein abwertendes Frauenbild haben. In Südafrika gehen die Frauen etwa mit Schildern auf die Strasse, auf denen steht: ‹Real men don't rape›. Das ist eine Folge der Apartheid. Viele Männer kriegen dort nur Selbstbestätigung über ihren erigierten Penis, den sie irgendwo reinstecken.

Beim Gesundheitsbewusstsein hinken Männer den Frauen hinterher. Ich bin viel in Firmen zu Gast. Häufig höre ich Sätze wie ‹An irgendetwas muss ich ja sterben›. Die Hürde, die sich Männer setzen, bevor sie auf sich schauen und zum Arzt gehen, ist viel höher. Häufig kommen sie nur in meine Praxis, weil sich ihre Frauen darum kümmern. Es ist wichtig, dass hier ein Umdenken stattfindet: Männer sollen auf sich achten dürfen. Das geht auch, wenn sie sich ab und zu eine Zigarre und ein Glas Wein gönnen.»

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