Pilum 22: 5000 Soldaten üben Krieg  – was bisher über die grosse Armeeübung bekannt ist

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Pilum 225000 Soldaten üben Krieg  – was bisher über die grosse Armeeübung bekannt ist

Mit Haubitzen, Panzern und Radschützenpanzern üben 5000 Armeeangehörige derzeit für den Krieg in Europa. Experten erklären, was das bringt und gegen wen «gekämpft» wird.

von
Christina Pirskanen
Daniel Graf
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Derzeit läuft in der Schweiz die Militärübung «Pilum 22». Dafür sind unter anderem Panzer unterwegs – hier von einer Leserreporterin in Münsingen (BE) gesichtet.

Derzeit läuft in der Schweiz die Militärübung «Pilum 22». Dafür sind unter anderem Panzer unterwegs – hier von einer Leserreporterin in Münsingen (BE) gesichtet.

20min/Community
An der Übung beteiligt ist unter anderem die mechanisierte Brigade 11. Sie verfügt über 313 gepanzerte Fahrzeuge. (Symbolbild)

An der Übung beteiligt ist unter anderem die mechanisierte Brigade 11. Sie verfügt über 313 gepanzerte Fahrzeuge. (Symbolbild)

VBS/DDPS
Geübt werde das Zusammenspiel von Artillerie, Infanterie oder Panzerverbänden – dies sei zentral. «Was passiert, wenn das nicht klappt, hat der Angriff Russlands auf Kiew eindrücklich gezeigt», sagt SVP-Nationalrat Andreas Aebi. (Symbolbild)

Geübt werde das Zusammenspiel von Artillerie, Infanterie oder Panzerverbänden – dies sei zentral. «Was passiert, wenn das nicht klappt, hat der Angriff Russlands auf Kiew eindrücklich gezeigt», sagt SVP-Nationalrat Andreas Aebi. (Symbolbild)

VBS/DDPS

Darum gehts

  • Die Schweizer Armee führt derzeit die Militärübung «Pilum 22» durch.

  • 5000 Armeeangehörige nehmen an der Verteidigungsübung teil.

  • 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zu «Pilum 22».

Am Dienstag startete die grösste Militärübung seit 33 Jahren in der Schweiz. Codename: Pilum 22. In den Kantonen Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich sind bis zum 29. November rund 5000 Armeeangehörige mit Dutzenden Panzern und Schützenpanzern unterwegs und simulieren Krieg in Europa. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur Grossübung des Schweizer Militärs.

Diese Truppen und Maschinen sind im Einsatz

Geübt wird mit der mechanisierten Brigade 11, wobei nur ein Teil der 6021 Offiziere, Unteroffizieren und Soldaten teilnehmen. Die Brigade verfügt insgesamt über 313 gepanzerte Fahrzeuge (siehe unten). Dazu kommen Gebirgsinfanteristen, Logistiktruppen, Spezialkräfte und weitere Truppenverbände.

Das wird geübt

SVP-Nationalrat Andreas Aebi war bei der letzten grossen Übung 1989 als Bataillonskommandant selber dabei. «Geübt wird der Kampf der verbundenen Waffen, also das Zusammenspiel von Artillerie, Infanterie, Panzerverbänden und so weiter. Das ist zentral, sowohl in der offensiven Kriegsführung als auch – wie im Falle der Schweiz – in der Verteidigung. Was passiert, wenn das nicht klappt, hat der Angriff Russlands auf Kiew eindrücklich gezeigt.»

Wieso wird nach 33 Jahren wieder Krieg geübt?

Seit den Manövern «Dreizack 1986» und «Dreizack 1989» mit rund 40’000 respektive 25’000 Teilnehmenden sind keine derart grossen Übungen mehr durchgeführt worden. «Lange sind Verteidigungsübungen vernachlässigt worden – man hat sich in Zusammenarbeit mit der Polizei auf subsidiäre Einsätze zum Schutz von Konferenzen und kritischen Infrastrukturen konzentriert», sagt der Militärexperte und frühere Generalstabsoberst Bruno Lezzi. Jetzt sei der Verteidigungsauftrag wieder hoch zu gewichten: «In Zeiten des Kalten Kriegs wusste man, wo der Gegner ist und was einen erwarten könnte. Heute ist die Bedrohungslage für die Schweiz sehr viel diffuser, weshalb eine gute Vorbereitung auf verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten wichtiger wird», so Lezzi.

Das sind die Waffen der mechanisierten Brigade 11

Das Heer der Schweizer Armee umfasst die Mechanisierten Brigaden 1, 4 und 11. Es sind die einzigen Brigaden, welche den Verfassungsauftrag «Verteidigung» als Kernkompetenz trainieren. Die Mechanisierte Brigade 11 verfügt über folgende Fahrzeuge.

  • 84 Kampfpanzer – der Kampfpanzer Leopard WE ist laut der Armee das stärkste Element der Panzerbrigade und geeignet für den Panzerkampf.

  • 105 Schützenpanzer – der Schützenpanzer 2000 CV 9030 ist geeignet für Checkpoints und die «Demonstration von Stärke».

  • 24 Panzerhaubitzen – Panzerhaubitzen unterstützen die Kampfverbände mit Bogenfeuer.

  • 36 Aufklärungsfahrzeuge – diese dienen der Aufklärung, Nachrichtenbeschaffung und Überwachung.

  • 24 Panzerjäger – der Piranha wird für die Aufklärung, die Nachrichtenbeschaffung und die Überwachung eingesetzt.

  • 16 Schiesskommandantenfahrzeuge für die Leitung des Bogenfeuers und Überwachungsaufgaben.

  • Sieben Führungspanzer für das Sicherstellen der Sprach- und Datenfunkverbindungen zwischen der Brigadeführung und den Bataillonen.

  • Elf Bergepanzer für das Bergen und Abschleppen schwerer Fahrzeuge.

  • Sech Genie-/Minenräumpanzer zur Räumung von Hindernissen aller Art, Bagger- und Windenarbeiten. (jc) 

Das ist über das fiktive Szenario bekannt

Viel ist noch nicht bekannt. Laut einem groben Drehbuch der Armee handelt es sich bei der Übung um einen bewaffneten Konflikt in Europa, der die Schweiz nur indirekt betrifft. Die Truppe soll sich auf einen möglichen Einsatz vorbereiten. Im Zentrum stehen die Führung und Koordination aller Elemente im Echtgelände mit militärischen Mitteln: von Aufklärern über Panzer bis hin zur Logistik.

Das sind die Ziele

Laut Aebi dienen solche Übungen in erster Linie dazu, Schwachstellen aufzudecken. «Das ist wichtig für die künftige Planung: Wo soll das Geld investiert werden?» Dies auch vor dem Hintergrund der vom Nationalrat beschlossenen Erhöhung der Militärausgaben. Die Übung wird aber bereits seit 2019 geplant.

Kämpft die Armee fiktiv gegen den «bösen Russen»?

Der Feind bekommt laut Aebi eine Farbe, wird aber keiner Nation zugeordnet. Wirklich gekämpft wird allerdings nicht, laut Armee wird bei der Übung nicht scharf geschossen.

Hat die Übung mit dem Ukraine-Russland-Krieg zu tun?

Die Planung der Übung begann 2019. Der Angriffskrieg auf die Ukraine ist also nicht Auslöser für Pilum 22. Armeesprecher Daniel Reist betont jedoch auch, dass das Szenario – eine angespannte Lage unterhalb der Kriegsschwelle – genau die aktuelle Situation wiedergibt. Der Krieg in der Ukraine zeige: «Wir müssen in der Lage sein, unser Land zu verteidigen.»

Was hälst du von der Militärübung?

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