Unfälle am WEF: «Müssen wieder lernen, was Barrieren sind»
Aktualisiert

Unfälle am WEF«Müssen wieder lernen, was Barrieren sind»

Während des Weltwirtschaftsforums in Davos kam es gleich viermal zu Zwischenfällen, weil Autos zwischen den Barrieren standen. Die WEF-Geschäftsleitung sieht Verbesserungspotential.

von
vro

WEF-Geschäftsleitungsmitglied Alois Zwinggi im Interview. (Video: SDA)

Das 49. Weltwirtschaftsforum ist ohne sicherheitsrelevante Zwischenfälle und schlimme Unfälle über die Bühne gegangen. Allerdings war einigen Autofahrern offenbar nicht mehr genau bewusst, dass bei blinkenden Bahnschranken vor ebendiesen angehalten werden muss.

Gleich vier Situationen hat es zwischen Dienstag und Freitag gegeben, bei welchen sich Automobilisten an Bahnübergängen «in Gefahr gebracht» hätten, wie WEF-Geschäftsleitungsmitglied Alois Zwinggi am Freitagmittag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. «Ich glaube, Automobilisten müssen wieder lernen, was eine geschlossene Barriere bedeutet», sagte er.

Am Dienstagabend war beispielsweise ein Auto zwischen den Bahnschranken stehen geblieben. Der Zug der Rhätischen Bahn raste direkt in das Auto. Bei den vier Unfällen sei niemand verletzt worden, sagt Zwinggi. Er resümierte, dass der Bahneinsatz für nächstes Jahr noch «optimierungsfähig» sei und es beim Busbetrieb einiges gebe, das noch verbessert werden könne.

Zug rammt Auto zwischen Bahnschranken

In Davos kollidierte Zug der Rhätischen Bahn auf einem Bahnübergang mit einem Auto. (Video: Leser-Reporter)

Video: Leser-Reporter

Einen Tag zuvor war ein anderes Auto zwischen die Bahnschranken geraten, wie Walser erklärt. Der Zug konnte jedoch rechtzeitig bremsen und das Fahrzeug wurde von den Schienen entfernt.

Der Kantonspolizei Graubünden sind auf Anfrage von 20 Minuten jedoch lediglich zwei Vorfälle bekannt, wie Sprecher Markus Walser erklärt. «Wie Herr Zwinggi auf vier Fälle kommt, ist uns unbekannt.» Bei den beiden bekannten Vorfällen sei jedoch niemand verletzt worden.

Verbesserungen gegenüber letztem Jahr

Insgesamt zeigte er sich aber zufrieden mit den Anpassungen im Verkehrskonzept. Diese waren ergriffen worden, nachdem im vergangenen Jahr der Verkehr zeitweise beinahe kollabiert war und die Strecke zwischen Davos Platz und Davos Dorf gemäss einem Shuttle-Busfahrer rund vier Stunden in Anspruch genommen hatte (ca. 3,7 Kilometer).

«Die Verstärkung des öffentlichen Verkehrs sowohl mit dem Bus als auch mit der Bahn haben sehr gute Resultate gebracht», sagte Zwinggi. Im vergangenen Jahr waren wegen des Schnees viele Räumungsmaschinen im Einsatz. Zudem waren mehr Lastwagen und Privatlimousinen unterwegs.

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Nach der Pressekonferenz hält Greta mit Schülern aus Davos den angekündigten Sitzstreik auf der Promenade oberhalb des Kongresszentrums ab.

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Nach und nach kommen mehr Leute dazu.

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Auch die Polizei will einen Blick auf die junge Klimaaktivistin erhaschen.

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Abgaswolken an Hauptstrassen

Nichtsdestotrotz stiegen auch dieses Jahr dicke Abgaswolken in die kalte Luft in Davos, manche Fussgänger auf den Trottoirs hielten sich die Halstücher vor Nase und Mund. Wegen des häufigeren Bahnverkehrs stauten sich die Autos vor den Barrieren. Das Verkehrsaufkommen am WEF war dieses Jahr aber «mit einem Spengler-Cup-Tag oder einem schönen Skitag am Wochenwende» vergleichbar, meinte Zwinggi.

Am Freitagnachmittag begann der Verkehr wieder zu fliessen, die ersten Sicherheitsschranken wurden entfernt, es lag Entspannung in der Luft. Das 49. Weltwirtschaftsforum war abgeschlossen, die Manager und Politiker grösstenteils auf dem Weg zurück.

Lob an Soldaten

Die Bündner Regierung ist zufrieden mit dem Anlass, insbesondere, weil dieser friedlich verlaufen sei, wie sie am Freitagnachmittag mitteile. Der Schutz der 120 völkerrechtlich geschützten Personen habe die Verantwortlichen bei Bund, Kanton und Armee vor grosse Herausforderungen gestellt. Die Zusammenarbeit habe aber «reibungslos» funktioniert und es sei zu keinen sicherheitsrelevanten Zwischenfällen gekommen.

Der Respekt des Bündner Regierungsrats Peter Peyer, welcher neu dem Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit vorsteht, gelte vor allem den Soldatinnen und Soldaten, «die ihren Dienst auch bei diesen Minustemperaturen zuverlässig geleistet haben», wie sich dieser zitieren liess.

Keine Eindringlinge im gesperrten Luftraum

Seit dem 18. Januar standen im Durchschnitt 4052 Angehörige der Armee im Einsatz, wie die Armee mitteilte. Ergänzend dazu half die Armee beim Personen- und Objektschutz oder bei der Luftraumüberwachung. Über Davos galt eine Luftraumsperre mit einem Radius von 46 Kilometern und bis 6000 Metern Höhe. Involviert in dieses Dispositiv waren die Nachbarländer Österreich und Italien. Auch die Armee verzeichnete keine sicherheitsrelevanten Zwischenfälle.

Die verschiedenen Sicherheitsdienste hatten von Dienstag bis Freitag den Anlass mit etwa 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 90 Ländern zu sichern. Polizeikräfte aus allen Kantonen und einigen Städten sowie aus dem Fürstentum Liechtenstein standen im Einsatz.

Die Sicherheitskosten, die der Bund, der Kanton Graubünden, das WEF und die Gemeinde Davos gemeinsam finanzieren, waren auf neun Millionen Franken begrenzt.

(vro/sda)

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