15.10.2020 05:02

«Duschen und Föhnen verboten»Mütter ärgern sich über vermeintliche Corona-Regeln im Schulschwimmen

Laut einem Infoblatt der Schule Heimisbach BE dürfen die Schüler nach dem Schwimmunterricht ab sofort nicht mehr duschen und föhnen. Mütter sind wenig erfreut – doch die Wahrheit ist komplizierter.

von
Simon Ulrich
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Dieses Infoblatt brachten einige Heimisbacher Kinder diese Woche mit nach Hause. 

Dieses Infoblatt brachten einige Heimisbacher Kinder diese Woche mit nach Hause.

zvg
Es hält fest, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Schwimmunterricht weder duschen …

Es hält fest, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Schwimmunterricht weder duschen …

Getty Images/iStockphoto
… noch ihre Haare föhnen dürfen.

… noch ihre Haare föhnen dürfen.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In einem Schreiben der Schule Heimisbach BE heisst es, Duschen und Föhnen seien nach dem Schwimmunterricht fortan verboten.
  • Das kommt bei Müttern nicht gut an. Sie sorgen sich um die Gesundheit ihrer Kinder, wenn diese mit nassen Haaren an die Kälte müssen.
  • Das Infoblatt beinhaltet allerdings nur die halbe Wahrheit – und hätte gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen.

Einige Kinder der Schule Heimisbach brachten am vergangenen Montag ein Infoblatt mit nach Hause. Im Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, sind die Covid-19-Massnahmen für das Schulschwimmen nach den Herbstferien aufgelistet. Zwei Punkte fallen sofort ins Auge. Erstens: «Die Kinder dürfen nach dem Schwimmen nicht duschen.» Zweitens: «Die nassen Haare dürfen nicht geföhnt werden.» Um Erkältungen vorzubeugen, wird empfohlen, «Mützen und Halstücher mitzunehmen und diese vor dem Hinausgehen aufzusetzen».

Vor allem über das Föhnverbot bei zunehmend sinkenden Temperaturen zeigen sich manche Eltern verärgert: Mit dieser Regelung gefährde man nicht nur das Wohl der Kinder, sondern schaffe in der ohnehin angespannten Lage zusätzliche Unsicherheit, findet eine Mutter: «Wenn die Kinder dann Husten und Schnupfen haben, müssen sie zu Hause bleiben – es könnte ja auch Corona sein.» Ihre Töchter habe sie daher am Dienstag vom Schwimmunterricht ferngehalten. Insbesondere die jüngere, welche die zweite Klasse besuche, könne ihre Haare noch nicht so frottieren, dass sie danach einigermassen trocken seien.

Keine Erkältung wegen nasser Haare, aber …

Eine andere Mutter teilt die Kritik an den Massnahmen: «Einerseits will man Krankheiten verhindern, andererseits entlässt man die Kinder mit nassen Haaren in die Kälte. Das geht für mich nicht auf.»

Die Sorge der Mütter ist nicht unbegründet. Zwar lösen nasse Haare per se noch keine Erkältung aus. Wer sich mit solchen aber während längerer Zeit in der Kälte aufhält, verliert viel Wärme über die Kopfhautoberfläche. Der Körper kühlt aus, Mund- und Nasenschleimhäute ziehen sich zusammen und werden schlechter durchblutet. Wer jetzt mit Viren in Berührung kommt, erkältet sich leichter, wissen Mediziner.

Kein Föhnverbot im Schutzkonzept

Gemäss dem Schulschreiben stammen die umstrittenen Vorgaben vom Forum Sumiswald, wo unter anderem die Kinder aus Heimisbach ihren Schwimmunterricht absolvieren. Das stimmt so allerdings nicht. Das Forum stützt sich in der Umsetzung der Covid-19-Massnahmen auf das Schutzkonzept von Swimsports.ch, dem Kompetenzzentrum Schwimmsport und Wasserfitness.

Dieses sieht vor, dass sich Schüler und Lehrer vor und nach dem Unterricht «nur kurz abduschen» sollen. Zudem sollen während der Lektion Badekappen getragen werden, damit «die Zeit beim Föhnen der Haare reduziert werden» könne. Dies, um das Gedränge in den Garderoben und somit die Kontakte zwischen den Schulklassen und anderen Gästen zu reduzieren. Von einem Dusch- und Föhnverbot ist allerdings keine Rede.

Föhnzimmer im Schulhaus, «internes Memo»

Folglich handelt es sich um eine Regelung der Schule. Diese ist laut dem zuständigen Gemeinderat Martin Hunziker allerdings nicht so restriktiv, wie das Infoblatt suggeriert: «Wir haben in unserem Schulhaus eigens ein Föhnzimmer eingerichtet. Die Kinder sind kaum eine halbe Minute an der Kälte, ehe sie dort nach dem Schwimmunterricht ihre Haare föhnen können.» Sie müssten nämlich nicht zurück zur Schule laufen, sondern würden mit dem Bus gefahren. Für diese Praxis habe man sich entschieden, um das Hallenbad punkto Dichtestress zu entlasten.

Warum findet dies im Schreiben mit keiner Silbe Erwähnung? Laut Hunziker handelt es sich dabei nicht um einen offiziellen Elternbrief, sondern um ein «internes Memo», das nicht hätte an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Zudem bedaure er, dass Eltern das Papier auf Facebook verbreitet und damit für Unruhe im Dorf gesorgt hätten. Denn in Heimisbach pflege man eine «offene und direkte Gesprächskultur».

Fazit der Geschichte: Um das Wohl der Heimisbacher Kinder braucht man sich keine Sorgen zu machen. Im Umgang mit vertraulichen Informationen besteht bei der Schule indes noch Luft nach oben.

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31 Kommentare
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Schwimmlehrer

15.10.2020, 08:54

Wieso überhaupt den Schwimmunterricht beibehalten? Ich solchen Zeiten kann man doch aufs Schwimmen verzichten? Bin ich der einzige, der sich wundert?

susi

15.10.2020, 08:51

Es gibt ja auch Badekappen. Vor nicht allzulanger Zeit war das in Schwimmbäder wegen der Hygiene obligatorisch. Und wir leben noch

Peter Pan

15.10.2020, 08:47

Die Verantwortlichen vom Bund und den Kantonen sollten endlich Verantwortung übernehmen und mit der Lügerei dass Kinder immun sind aufhören. Kaum woanders sind so viele Menschen auf engstem Raum eingesperrt die zudem aufgrund ihres Entwicklungsstandes kaum in der Lage sind sich an Abstandsregeln und Maskenpflicht zu halten.