Prekäre Arbeitsbedingungen : Mütter leiden unter Zeitdruck der Hebammen

Aktualisiert

Prekäre Arbeitsbedingungen Mütter leiden unter Zeitdruck der Hebammen

Hebammen können aus Personalmangel nicht immer einen einwandfreien Service gewährleisten. Schuld seien Sparmassnahmen.

von
Marijana Zeko
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«Als Hebamme kann ich aktuell nicht empfehlen, Kinder zu bekommen», schreibt Hebamme Jessica Elaine auf Twitter. Es habe zu wenig Personal und Schwangere müssten weggewiesen werden.

«Als Hebamme kann ich aktuell nicht empfehlen, Kinder zu bekommen», schreibt Hebamme Jessica Elaine auf Twitter. Es habe zu wenig Personal und Schwangere müssten weggewiesen werden.

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Auch in der Schweiz kämpfen Hebammen mit Personalnot und Stress. Ana P.* aus Bergdietikon AG erlebte das am eigenen Leib, als sie im vergangenen Dezember im Kantonsspital Baden eine Tochter zur Welt brachte. «Die Hebammen wirkten sehr gestresst», sagt sie zu 20 Minuten.

Auch in der Schweiz kämpfen Hebammen mit Personalnot und Stress. Ana P.* aus Bergdietikon AG erlebte das am eigenen Leib, als sie im vergangenen Dezember im Kantonsspital Baden eine Tochter zur Welt brachte. «Die Hebammen wirkten sehr gestresst», sagt sie zu 20 Minuten.

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Nicht nur in öffentlichen Spitälern ist der Zeitdruck akut, auch in Privatkliniken leidet das Personal darunter. Die Frau von Daniel M.* brachte ihr erstes Kind in einem Basler Privatspital zur Welt. «Es war deutlich zu wenig Personal anwesend», sagt er.

Nicht nur in öffentlichen Spitälern ist der Zeitdruck akut, auch in Privatkliniken leidet das Personal darunter. Die Frau von Daniel M.* brachte ihr erstes Kind in einem Basler Privatspital zur Welt. «Es war deutlich zu wenig Personal anwesend», sagt er.

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Wenig Personal, und Schwangere, die weggewiesen werden müssen: Die deutsche Hebamme Jessica Elaine berichtet auf Twitter von dramatischen Zuständen. Die Arbeitsbedingungen in Spitälern würden immer schlimmer – so schlimm, dass gewisse Frauen nach der Geburt traumatisiert seien, weil sie nicht genügend betreut werden. «Als Hebamme kann ich aktuell nicht empfehlen, Kinder zu bekommen», schreibt Elaine.

Auch in der Schweiz kämpfen Hebammen mit Personalnot und Stress. Ana P.* aus Bergdietikon AG erlebte das am eigenen Leib, als sie im vergangenen Dezember im Kantonsspital Baden eine Tochter zur Welt brachte. «Die Hebammen wirkten sehr gestresst», sagt sie zu 20 Minuten. «Obwohl ich eine schnelle Geburt hatte, wäre ich um mehr Betreuung froh gewesen», sagt sie. Sie habe lange warten müssen, wenn sie geläutet habe und die Hebamme sei nur kurz bei ihr gewesen, weil sie an diesem Tag noch acht weitere Geburten gehabt habe - und zu wenig Zeit für alle. «Es war nicht sehr angenehm», sagt sie. Sie habe drei Mal «gebettelt», um eine Einleitung der Geburt zu bekommen.

«Wir würden grösstenteils alleine gelassen»

Nicht nur in öffentlichen Spitälern ist der Zeitdruck akut, auch in Privatkliniken leidet das Personal darunter. Die Frau von Daniel M.* brachte ihr erstes Kind in einem Basler Privatspital zur Welt. «Es war deutlich zu wenig Personal anwesend», sagt er. Während des Kaiserschnitts sei alles in Ordnung gewesen. Danach sei die Betreuung aber nicht gut gewesen. «Man hat die Wunde kontrolliert, aber ansonsten wurden wir grösstenteils alleine gelassen». Das erste Mal, als das Kind an die Brust gesetzt wurde, sei «reinste Hetzerei» gewesen. Immerhin: Am Schluss habe man sich bei ihnen für die mangelnde Betreuung entschuldigt.

Eine Hebamme aus dem Kanton Zürich berichtet von teils prekären Arbeitsbedingungen. «Manchmal muss man kurzfristig einspringen, weil nicht genug Personal da ist», sagt sie zu 20 Minuten. Insgesamt sei das Angebot an Hebammen im Kanton Zürich knapp. Man müsse teilweise zwei bis drei Frauen gleichzeitig betreuen. Das könne den gebärenden Frauen emotional zusetzen: «Es kann sein, dass sich eine Frau mehr Präsenz von uns wünscht». Die Sicherheit sei jedoch immer gewährleistet, weil die Hebammen darauf geschult seien, Prioritäten zu setzen.

«Kosten werden überall gesenkt»

Andrea Weber-Käser, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbandes, nimmt die Hebammen in Schutz. «Grundsätzlich versucht jede Hebamme, unabhängig von ihrem Tätigkeitsfeld, die ihr anvertrauten Klientinnen bestmöglich zu versorgen und zu betreuen», sagt sie.

Die Problematik sei ihr aber bewusst: «Natürlich hat die Ökonomisierung innerhalb der Spitäler auch nicht vor der Geburtshilfe und den Wochenbettstationen Halt gemacht». Kosten würden überall gesenkt, «natürlich auch beim Personal». Das habe Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung. Zudem gebe es Randregionen, zum Beispiel im Tessin oder Bündnerland, in denen es zu gewissen Zeiten im Jahr in der Schwangerschaftsnachsorge Engpässe geben könne.

Mehr Lohn für Hebammen

Ein Ansatz, um der Problematik entgegenzuwirken, wäre, den Lohn zu verbessern. «Allgemein kann man sagen, dass eine Hebamme in Relation zu Ihrer Verantwortung und ihrer Ausbildung auf Fachhochschulniveau immer noch zu wenig verdient», so Weber-Käser.

Dem schliesst sich Mutter C. A. an. Sie hat drei Geburten hinter sich, die «unterschiedlicher nicht hätten sein können», wie sie sagt. Momentan ist sie mit ihrem vierten Kind schwanger – und ist froh, wenn die Geburt vorbei ist. «Hebammen machen einen grossartigen Job, der leider zu wenig beachtet wird», sagt sie. «Für mich seid ihr Helden.»

*Namen der Redaktion bekannt

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