Genf: Mütter werden vom Schulhof verbannt
Publiziert

GenfMütter werden vom Schulhof verbannt

Eine Mutter wollte ihre Töchter in der Schule besuchen. Doch vor dem Eingang wurde sie abgewiesen. Für die Verantwortlichen ist sie ein Störenfried.

von
vro
Manche Eltern müssen ihre Kinder allein auf den Schulhof lassen. Sie selbst müssen draussen bleiben.

Manche Eltern müssen ihre Kinder allein auf den Schulhof lassen. Sie selbst müssen draussen bleiben.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Eltern auf dem Schulhof sind eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Und doch darf nicht jede Mutter das Schulareal betreten, wie ein Fall aus dem Kanton Genf zeigt: Eine Mutter wollte zu ihren beiden Töchtern in der Schule in Lancy, als sie vor dem Gelände auf Polizisten traf. «Weil ich sie kannte, fragte ich sie lachend, was sie denn da machten», sagt die Frau zu «Le Matin». Tatsächlich waren die Beamten ihretwegen da. «Während einer Woche positionierten sie sich viermal täglich vor dem Gelände, immer bei Schulbeginn und -schluss.»

Frédéric Renevay, bei der Gemeinde für Soziales, Sport und Sicherheit zuständig, bestätigt, dass es in Lancy gegen zwei Mütter ein Schulhofverbot gibt. Eine davon ist die betroffene Frau. Das Problem: Die Mutter liegt mit der Schule im Clinch. Sie habe ein loses Mundwerk, schreibt die Zeitung. «Ja, ich kann auf die Barrikaden gehen», bestätigt die Frau. Eines ihrer Kinder werde seit mehreren Monaten gemobbt, seine Finken seien schon sechsmal in der Toilette gelandet. Also suchte die Mutter Hilfe, auch bei der Polizei.

Verbot kann auch andere treffen

Dem Bildungsdepartement wurde das offenbar zu bunt. Es schickte ihr schliesslich ein Schreiben, in dem sie über das Schulhofverbot informiert wurde, das bis zum Ende des Schuljahrs gelte. Dies, weil die bisherigen Massnahmen keinen Erfolg gezeigt hätten, um einen funktionierenden Schulalltag zu gewährleisten. Zum konkreten Fall will Sprecher Pierre-Antoine Preti gegenüber der Zeitung keine Stellung nehmen. Die Verbannung sei eine Form der Verwarnung, erklärt er hingegen. «Sie sind oft die Folge von begangener oder möglicher physischer oder psychischer Gewalt oder Ähnlichem. Dieses Verbot bezieht sich genauso auf Eltern wie auch auf Schüler oder auf Drittpersonen.»

Die Massnahme könne auch weitere nach sich ziehen, etwa eine Strafanzeige, sagt Preti. Das liege aber im Ermessen anderer. Bisher hätten es die beiden Parteien noch nicht geschafft, sich für Diskussionen gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Folglich bleibt der Frau nichts anderes übrig, als ausserhalb des Schulareals auf ihre Töchter zu warten.

Deine Meinung