Muezzin-Rufe in St. Galler Altstadt sorgen für Unruhe

Aktualisiert

Muezzin-Rufe in St. Galler Altstadt sorgen für Unruhe

Die Rufe eines Muezzins haben gestern Abend zahlreiche Passanten ins Klosterquartier gelockt. Mit der Kunstaktion will ein Schweizer Künstler zum Nachdenken anregen.

Laut schallt der Sing-Sang des Muezzins von der St. Galler St. Laurenzenkirche herab. Rund um die Kirche bleiben die Leute stehen und blicken gebannt zum Kirchturm hoch. Andere strömen mit ungläubiger Miene aus den Seitengassen herbei. «Was soll das», fragt ein Jugendlicher etwas verärgert, «ist das echt?» «Da ist offenbar ein Muezzin im Kirchturm», sagt ein älterer Mann. Eine Touristin mit Kindern will wissen, ob das immer so ist in St. Gallen.

Das war gestern Abend kurz vor sechs Uhr mitten in der St. Galler Altstadt. Hinter den Muezzin-Rufen, die ab Tonband kamen, steckt ein Schweizer Aktionskünstler. «Fünfmal am Tag, wie in den islamischen Ländern, wird im Moment in St. Gallen zum Gebet gerufen», sagt der 47-jährige Künstler, der noch anonym bleiben will. Die Aktion lancierte er dieser Tage auch in Bern, Zürich und auf der Ebenalp – als Beitrag zur aktuellen Debatte um den Bau von Minaretten. Sie soll Humor in die festgefahrene

Diskussion bringen und deren Absurdität aufzeigen. «Schliesslich geht es um ein sechs Meter hohes Türmchen in einem Industriequartier», so der Künstler.

Annette Hirschberg

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