Mugabe vertreibt weisse Bauern
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Mugabe vertreibt weisse Bauern

Vor einer möglichen Stichwahl um das Präsidentenamt in Simbabwe verstärkt Amtsinhaber Robert Mugabe den Druck auf die weissen Bauern.

Der simbabwische Bauernverband erklärte am Dienstag, im ganzen Land seien Farmer von ihren Ländereien geflohen. Seit Samstag seien mindestens 35 Bauern zum Verlassen ihrer Höfe gezwungen worden, rund zwölf weitere seien aus Angst vor Gewalt freiwillig gegangen.

«Die Lage eskaliert sehr rasch», sagte der Präsident des Bauernverbands, Trevor Gifford. Vielen Farmern sei es nicht einmal erlaubt worden, persönliche Dinge mitzunehmen. «Sie mussten ihre Schlüssel zurücklassen.» Ein Sprecher des Verbands erklärte, zu ähnlichen Zwischenfällen komme es im ganzen Land. Die Eindringlinge würde mit Bussen und Lastwagen gebracht, die Polizei greife nur selten ein.

Einer der betroffenen Bauern, Uys Van der Westhuizen, sagte, er sei am Montagmorgen gemeinsam mit seiner Ehefrau und vier Kindern von seinem Hof geflohen. Die rund 150 Angreifer seien Anfang bis Mitte 20 gewesen und hätten Stöcke und Macheten bei sich gehabt. Sie hätten seine Arbeiter eingeschlossen und einen Vorarbeiter niedergeschlagen. Auch seine Nachbarn seien bereits geflohen. «Da ist niemand. Nicht ein weisser Bauer.»

Die Polizei nahm nach Medienberichten fünf Wahlbeamte unter dem Vorwurf der Fälschung von Ergebnissen fest. Sie hätten Mugabe fast 5000 Stimmen weniger zuerkannt, als tatsächlich für ihn abgegeben worden seien, berichtete die Zeitung «The Herald».

Entscheidung über Klage der Opposition erwartet

Mit Spannung wurde die für Dienstag angekündigte Entscheidung eines Gerichts erwartet, das über die Klage der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) auf sofortige Veröffentlichung des Präsidentenwahlergebnisses zu befinden hat. Eine Anhörung wurde für den Nachmittag erwartet. Bei der Parlamentswahl hat die ZANU-PF erstmals seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien vor 28 Jahren ihre Mehrheit verloren. Das amtliche Ergebnis dieser Wahl liegt schon seit vergangener Woche vor.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die simbabwische Wahlkommission auf, das Ergebnis der Präsidentenwahl «schnell und transparent» zu veröffentlichen. Ban sei darüber besorgt, dass das Ergebnis trotz einer in der Verfassung festgeschriebenen Frist noch immer nicht bekanntgegeben worden sei, sagte UN-Sprecherin Michele Montas am Montag in New York.

Nach der Wahl am 29. März erklärte sich Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai zum Sieger, Mugabe räumte ein, dass er nicht gewonnen habe. Mugabe hat bereits den Wahlkampf für eine erwartete Stichwahl gegen Tsvangirai aufgenommen, die Wahlkommission aber noch kein offizielles Ergebnis veröffentlicht.

Die Enteignungen weisser Bauern begannen bereits im Jahr 2000. Damals erklärte Mugabe, das Land solle an landlose Schwarze verteilt werden. Tatsächlich ging es jedoch an Mitglieder der Regierungspartei, Angehörige des Sicherheitsapparats, Verwandte und Freunde. Die Enteignungen liessen die Landwirtschaft in Simbabwe zusammenbrechen. Heute ist ein Drittel der Menschen von internationaler Nahrungsmittelhilfe abhängig. (dapd)

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