Mit Wärmebildkameras: Multikopter sollen Rehkitze vor dem Tod bewahren
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Mit WärmebildkamerasMultikopter sollen Rehkitze vor dem Tod bewahren

Jedes Jahr fallen in der Schweiz über 3000 Rehkitze den Mähmaschinen zum Opfer. Diese Zahl wollen Forscher der Berner Fachhochschule senken – mit Hightech aus der Luft.

von
jcg
Mit Multikopter und Thermalkamera lassen sich die Rehkitze in hohen Grasbeständen gut finden. Das Wärmebild eines Kitzes zeigt die unterschiedlichen Temperaturbereiche. Am wärmsten sind die Augen und die Stelle, wo sich der Kopf an den Körper schmiegt. (Bild: UAVg-2011/HAFL)

Mit Multikopter und Thermalkamera lassen sich die Rehkitze in hohen Grasbeständen gut finden. Das Wärmebild eines Kitzes zeigt die unterschiedlichen Temperaturbereiche. Am wärmsten sind die Augen und die Stelle, wo sich der Kopf an den Körper schmiegt. (Bild: UAVg-2011/HAFL)

Rehkitze, die im Mai und Juni in Wiesen und Feldern zur Welt kommen, sind ein Opfer ihrer eigenen Instinkte. Naht Gefahr, ducken sie sich. Dieses Verhalten schützt sie zwar zuverlässig vor Füchsen und Greifvögeln, doch wenn sich eine Mähmaschine nähert, ist es fatal. Und so bezahlen auf Schweizer Feldern jedes Jahr über 3000 Rehkitze für ihr Verhalten mit dem Tod. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Bisherige Methoden, die Kitze mit Hunden, Blitzlampen oder Fahnen

aus Tüchern, Säcken und Alufolie zu verscheuchen, zeigten wenig Erfolg. Doch nun naht Rettung aus der Luft: Ein Mini-Helikopter mit Wärmebildkamera kann die Jungtiere sicher und schnell aufspüren, berichten Forscher der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Bern.

Die Agrartechniker haben im Sommer 2012 mit dem Fluggerät 100 Felder in 26 Tagen abgeflogen und dabei 21 Kitze, zehn Rehe und einen Junghasen entdeckt. Auf allen zwölf nach den Flügen gemähten Feldern konnten die Tiere zuvor aus der Luft geortet und weggebracht werden.

Per Autopilot gesteuert

Der Multikopter fliegt per Autopilot gesteuert die zu mähenden Wiesen ab und sendet die Thermalbilder live an einen Bildschirm am Boden. So dauert es inklusive Anfahrt und Einrichten nur 20 bis 30 Minuten, ein Feld von zwei Hektaren abzusuchen. Bei grossen Flächen genügten im Versuch 7,5 Minuten pro Hektare.

Der Multikopter funktioniert so gut wie ein weiteres Thermalsystem, das in der Schweiz bereits eingesetzt wird. Bei diesem sind zehn Infrarotsensoren auf einer sechs Meter langen Teleskop-Stange montiert und finden Wärmequellen am Boden. Damit läuft der Landwirt das Feld ab, was anstrengend und zeitaufwändig ist.

Bei kühlem Wetter einsetzen

Der Multikopter ist viermal schneller. Dafür zeigt er sämtliche warmen Stellen an, auch wenn es keine Rehkitze sind. Er werde deshalb besser bei kühlen, trockenen Bedingungen eingesetzt, etwa frühmorgens, erklärte Projektleiterin Nicole Berger.

Das Stangensystem kostet rund 2500 Franken. Ein Multikopter mit Thermalkamera kommt auf gut 20'000 bis 25'000 Franken zu stehen, sagte Berger der Nachrichtenagentur SDA. Für ein Feld von zwei bis drei Hektaren kostet ein Flug etwa 140 Franken. Berger hofft, dass zum Beispiel Gemeinden oder Hobbyflieger das Gerät anschaffen würden.

Noch besser wäre laut Berger indes ein Apparat, mit dem der Landwirt vor Ort prüfen kann, ob sich im näheren Umkreis überhaupt Rehkitze befinden. So ein System möchten die Forscher in einem Nachfolgeprojekt entwickeln.

Das schweizerische Rehkitzprojekt führte die HAFL in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt, der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule Technik und Informatik durch. (jcg/sda)

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