Bye, bye, Premier Padmini: Mumbai lässt sein Arbeitstier sterben
Aktualisiert

Bye, bye, Premier PadminiMumbai lässt sein Arbeitstier sterben

Nichts prägt Mumbai mehr als seine Oldtimer-Taxis. Nun will ein Gesetz, dass die beliebten Fiat-Nachbauten von den Strassen der Metropole verschwinden.

von
Lukas Egli

Jede Stadt hat ihr Wahrzeichen. Paris hat den Eifelturm, Rom das Kolosseum, Berlin das Brandenburger Tor. Das Wahrzeichen der indischen Metropole Mumbai sind die Taxis – die niedlichen, bequemen und knatternden Oldtimer prägen das Bild der chaotischen Grossstadt wie kaum etwas anderes. Allen voran der Premier Padmini, ein schicker Fiat-Nachbau aus den 1950er-Jahren.

Das soll sich nun ändern – leider. Ein neues Gesetz schreibt vor, dass Taxis nicht älter als 25 Jahre sein dürfen. Schon in wenigen Jahren könnten die Padminis, die an das vorliberale Indien vor den grossen Wirtschaftsreformen 1991 erinnern, aus dem Stadtbild verschwunden sein.

Vier Zylinder, 40 PS, 115 km/h Spitze

Der Premier Padmini basiert auf dem Fiat 1200 Granluce Berlina. Der indische Autobauer Premier Automobiles Limited assemblierte die 1100er-Fiats von den frühen 1950er-Jahren bis Ende der 1990er. Vier Zylinder mit Vierganggetriebe und Starrachse, 40 PS bei 900 kg Leergewicht, Höchstgeschwindigkeit 115 km/h – die Spezifikationen lesen sich im Zeitalter hybrider SUV und riesiger Family-Vans wie ein schlechter Witz.

Später wurde noch eine «stärkere» Version mit 44 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 119 km/h gebaut – im Gegensatz zum indischen Konkurrenten Hindustan Ambassador galt der halbitalienische Padmini auf dem Subkontinent als sportlich. Abgesehen von ein paar kleinen Details wurde am Originaldesign des Fiats 1200 fast 50 Jahre nichts geändert.

Sympathisch und unverwüstlich

Die Qualität der viertürigen Limousinen, von denen allein in Mumbai fast 60 000 als Taxi verkehren, liegt nicht in ihrer vermeintlichen Sportlichkeit oder in ihrem Komfort. Nein, sie sind im besten Sinn Arbeitstiere – sympathisch und unverwüstlich, für (fast) jeden erschwinglich und von (fast) jedem reparierbar. Bye, bye, Premier Padmini.

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