17 Zugopfer pro Tag: Mumbais tödliche Lebenslinie
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17 Zugopfer pro TagMumbais tödliche Lebenslinie

Wer sich in Mumbai als Lokomotivführer bewirbt, muss sich im Klaren sein, dass er beim Ausüben seines Berufes Menschen tötet - im Schnitt über 70 Mal.

von
tog

Chaos am Bahnhof von Borivali in den Aussenbezirken von Mumbai. (Video: YouTube).

Es ist vielleicht der Job mit den grössten Extremen – Lokomotivführer auf dem Schienennetz der Mumbai Suburban Railway. Zum einen darf man sich ein Rädchen im System nennen, das täglich 7 Millionen und Jährlich 2,5 Milliarden Menschen transportiert und damit die Hälfte des gesamten Personenverkehrs der Region bewältigt. Andererseits fordert das Stadtnetz mit dem grössten Passagieraufkommen der Welt zahlreiche Opfer: Jährlich sterben auf dem Schienennetz 3500 Menschen.

In Zügen, konzipiert für 1700 Passagiere, werden durchschnittlich 3000 Menschen transportiert. Nicht selten aber bis zu 4500. Die «Railway Gazette» berechnete, dass sich in den Zügen pro Quadratmeter bis zu 16 Personen drängen – ein Platzproblem das ein enormes Gefahrenpotential darstellt, welches sich bis auf die Bahnhöfe ausweitet.

In den Tod gestossen

Laut Informationen der beiden Betreiber Central und Western Railways sind auf dem Schiennetz der Mumbai Suburban Railway in den letzten fünf Jahren über 20 000 Menschen ums Leben gekommen. Die häufigste Todesursache ist nach einer Studie das Überqueren von Geleisen. Den überfüllten Bahnhöfen fehlt es an genügend Fussgängerbrücken. Und so muss jeder Lokomotivführer im Verlaufe seiner Karriere zusehen, wie er 70 Menschen überfährt.

Weitere häufige Todesursachen sind das Fallen (oder gestossen werden) von Zügen, die Kollision mit Hindernissen während dem Heraushängen aus den Waggons oder Elektroshocks aufgrund von Kontakt mit den Fahrleitungen während Reisen auf dem Dach des Zugs.

Billigend in Kauf genommen

2006 wurden per Gerichtsbeschluss verschiedenen Massnahmen wie zum Beispiel Passagierbrücken in jedem Bahnhof rechtspflichtig. Bisher nur mit wenig Erfolg. 2008 starben werktags durchschnittlich rekordverdächtige 17 Personen. Mumbais Lebenslinie – wie das Schienennetz auch genannt wird – bleibt weiterhin eine Todeszone. Einheimische wie der Fotograf Indranil Mukherjee werden weiter Zug fahren, wie er der Times erzählt: «Ja, man sieht hin und wieder eine Leiche, aber für ein unlimitiertes Dreimonats-Abonemment bezahlt man nur 1500 Rupien (33 Franken)».

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