Aktualisiert 13.02.2009 16:35

GNTMMummenschanz und (Model-)Ambitionen

Die grosse deutsche Darstellerei hat wieder begonnen: Germany sucht das nächste Topmodel. Die Premiere war aus zwei Gründen ein Erfolg: Die Inszenierung stimmt, die Quote startet stark.

von
Philipp Dahm

Aufatmen bei den Chefs von ProSieben: Nachdem diverse Shows und Serien hinter den Erwartungen zurückblieben, feiert «Germany's Next Topmodel» einen satten Quoteneinstand. Nach den Flops mit «The Next Uri Geller», «The Biggest Loser», «Terminator S.C.C.» und zuletzt schwächelnden Zuschauerzahlen bei früheren Programmgaranten wie «Lost» toppt Heidi Klum mit ihrem Format die ohnehin schon glänzenden Zahlen der vorigen Staffel.

Quotenbolzer in Deutschland, Rekord in der Schweiz

2,99 Millionen zwischen 14 und 49 Jahren schalteten im nördlichen Nachbarland ein, was einem Marktanteil von 23,8 Prozent entspricht. In der Schweiz waren es 128'600: Das hört sich nach wenig an, ist mit einem Anteil von 16,1 Prozent ein Rekord. Hierzulande sahen vor allem Frauen zwischen 15 und 29 Jahren zu. Der Marktanteil beträgt hier 42,1 Prozent, wie ProSieben Schweiz mitteilte.

Wer jetzt wider das Niveau des heutigen Fernsehens schimpfen will, sollte entweder ausschalten oder aber die Sache mit dem nötigen unernst betrachten. Die Show funktioniert nach einfachen Regeln und immer wiederkehrenden Elementen. Wie in einem Theaterstück: Erst wird die Königin vorgestellt. Die Mädchen und Frauen, die zum Casting nach Düsseldorf gekommen sind, ergehen sich anfangs im Klum-Kult.

«Prominenz von der Persönlichkeit»

Wie aufgeregt sie sind, ist gleich zu sehen. Wie toll das alles ist, wie sehr die Hände schwitzen. Zahnlücke Jessica findet etwa, die Seal-Gattin hätte «so `ne Prominenz von der Persönlichkeit». Sie ist 20 Jahre alt. Dann aber bewältigt die Jury mit der Modelmama einen Marathon: Aus über 1100 Kandidaten wählen sie 45 heraus. Anfangs bei einem «Picking» im Publikum, später wegen des Andrangs im Massendurchlauf.

Das gibt schon mal jede Menge Sendestoff: Ulkige Kandidaten, die entweder ein wenig kritisches Umfeld haben oder aber ihre Extrovertiertheiten ausleben, geben dem Zuschauer am Bildschirm Gelegenheit zu lachen und zu lästern. Etwa wenn sich ein Paris Hilton-Verschnitt vom Jury-Mitglied Rolf Scheider abküssen lassen muss. Er hat aber «weiche Lippen», konstatiert sie später. Der Wahl-Pariser selbst sieht das offene Casting ob einiger schräger Bewerber «zwischen Balla-Balla-Show und Kölner Karneval».

Zickenalarm

Der eigentliche Clou von GNTM sind aber die Kandidaten – in der Dynamik miteinander. Nicht fehlen darf dabei ein «Bad Girl»: In der letzten Staffel besorgte Heulsuse Gisele die Aufreger, davor war es Oberzicke Fiona. Dass auch beim Casting in München eine neurotische, rücksichtlose und ehrgeizige Kandidaten dabei ist, ist das Glück der Produzenten. Wessen Menschenkenntnis zu der Einschätzung nicht reicht, muss nur auf die Einspiel-Musik achten: «I'm a bitch, I'm a lover» heisst das Stück mit dem Tessa vorgestellt wird.

Die 19-Jährige lästert nicht nur fleissig beim Massen-Casting, sondern fällt auch gleich unangenehm auf, als bei einem Fotoshooting von 45 Kandidatinnen 20 aussortiert werden. Sie plärrt der Jury vor, eine Konkurrentin habe «ihren Stil kopiert». Vor zwei Wochen hätten sie sich in einer Disco erstmals getroffen, danach habe die andere dieselben Frisur gehabt. Ira nimmt den Vorwurf gelassen. Die 21-Jährige sagt, sie trage die Haare schon seit drei Jahren so. Zwischendurch darf Tessa ihren Ehrgeiz zu Besten geben. Für den Erfolg sind ihr «fast alle Mittelchen Recht».

Dass diese Zwei im ersten Casting weiterkommen, war also klar: Hier kommt der Pfeffer für die Showwürze her. Dafür muss man kein Prophet sein: Als Ira vor ihr weiterkommt, bricht die noch bangende Tessa in bittere Tränen aus. Am 19. Februar geht es bei GNTM ohne Tessa und Ira weiter: Dann wird das Ergebnis des zweiten Castings in München präsentiert.

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