Aktualisiert 26.07.2011 09:16

Facebook-Kommentare

Mundart? Nein, danke!

Die Organisatoren des Openairs Frauenfeld wollten keine schweizerdeutschen Kommentare mehr auf ihrer Facebook-Seite. Heftige Reaktionen waren die Folge. Jetzt krebsen die Verantwortlichen zurück.

von
dsc
Das Schriftdeutsch-Obligatorium auf der Facebook-Seite des Openair Frauenfeld liess sich nicht durchsetzen.

Das Schriftdeutsch-Obligatorium auf der Facebook-Seite des Openair Frauenfeld liess sich nicht durchsetzen.

1185 zu 598: Das Abstimmungsresultat auf Facebook fiel mehr als deutlich aus. Die grosse Mehrheit der Nutzer will auch weiterhin Kommentare auf Schweizerdeutsch schreiben. Die Organisatoren des Frauenfelder Openairs konnten sich mit ihrem Dialekt-Verbot nicht durchsetzen. In einem aktuellen Beitrag auf der Facebook-Pinnwand heisst es: «Die Mehrheit in dieser netten Diskussions-Arena möchte weiterhin Dialekt posten. Diesem Wunsch entsprechen wir natürlich ganz demokratisch.»

Die diplomatisch formulierte Mitteilung täuscht über den Sprachen-Streit hinweg, der tagelang zwischen den Facebook-Nutzern tobte und in hässlichen Wortmeldungen gipfelte. Auslöser war die Ankündigung eines Administrators: «Nur noch Schriftdeutsch, o.k.? Sonst beginne ich mit dem Löschen von Dialekt-Posts.» Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, protestierten daraufhin mehrere hundert Fans gegen das von den Organisatoren geforderte Hochdeutsch-Obligatorium. «Mir sind i de Schwiiz, es wird Schwyzerdütsch gredet», schrieb ein erboster Besucher. Schliesslich mündeten die Diskussionen in rassistische Attacken gegen Deutsche. Laut Bericht fielen gar Wörter wie «Endlösung» und Ausrotten.

Gemässigte Befürworter

Bei den Hochdeutsch-Befürwortern sei es weit sachlicher zugegangen. «Schriftdeutsch verstehen mehr Open-Air-Besucher», meinte ein User. So hatten auch die Organisatoren gegen das Schweizerdeutsche argumentiert: «Unsere Freunde in Deutschland und Österreich und Südtirol können die Posts nicht verstehen.»

Der Sprecher des Musikfestivals sah sich veranlasst, das Dialekt-Verbot zu begründen. «Wir sind kein Schweizer Open Air, wir sind international», sagte er. «Unsere Landessprache ist Hochdeutsch. Wir als Schweizer haben manchmal selbst nicht verstanden, was da geschrieben wurde.» Doch es half alles nichts. Schliesslich riefen die Organisatoren auf Facebook zur Abstimmung auf. Mit dem oben erwähnten deutlichen Resultat.

Sollen die Facebook-Kommentare nur auf Hochdeutsch geschrieben werden, damit auch Deutsche und Österreicher etwas verstehen? Was denken Sie?

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