U-21-Star Noah Okafor – «Murat Yakin hat mich angerufen»
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U-21-Star Noah Okafor«Murat Yakin hat mich angerufen»

Im Januar 2020 wechselte Noah Okafor von Basel zu Salzburg. Seither lief nicht alles rund für ihn, für die A-Nati spielte er zuletzt 2019. Nun will er wieder voll angreifen. Die WM mit der Nati ist sein grosses Ziel.

von
Nils Hänggi
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Seit 2020 spielt Okafor in Salzburg. In 14 Spielen kommt er in dieser Saison auf fünf Tore und drei Assists.

Seit 2020 spielt Okafor in Salzburg. In 14 Spielen kommt er in dieser Saison auf fünf Tore und drei Assists.

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Mit seinem Club ist er auf Meisterkurs und überzeugt auch in der Champions League.

Mit seinem Club ist er auf Meisterkurs und überzeugt auch in der Champions League.

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Beim FC Basel kam Okafor unter Trainer Marcel Koller nur sporadisch zum Einsatz.

Beim FC Basel kam Okafor unter Trainer Marcel Koller nur sporadisch zum Einsatz.

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Darum gehts

  • Noah Okafor ist mit Salzburg gut in die Saison gestartet.

  • Der 21-Jährige hatte in den letzten Jahren aber viel Pech.

  • Im Gespräch mit 20 Minuten verrät er, dass er nie Zweifel hatte.

Es war vor etwas mehr als zwei Jahren. Im Sommer 2019, exakt gesagt: anfangs Juni. Noah Okafor kam im Spiel der Schweizer A-Nati zum Einsatz. Es war das Spiel um Platz drei in der Nations League. Okafor war damals 19 Jahre und 16 Tage alt. Sieben Minuten stand er auf dem Feld, die Partie, sie ging verloren gegen England (5:6 nach Penaltyschiessen). Seither ist der 21-Jährige nie mehr für die A-Nati aufgeboten worden. Ein Blick in die Vergangenheit und in die Gegenwart.

Okafor hat viel Talent. Der Basler ist eines der grössten Versprechen im Schweizer Fussball. Im Januar 2020 wurde der damalige FCB-Star an der SFL Award Night als bester Youngster ausgezeichnet. Besonders Okafors starker Frühling 2019 mit wunderschönen Schlenzer-Toren und vielen spielerischen Highlights überzeugte wohl die Jury. In der Folge haperte es jedoch. Der Wechsel vom FCB zu Salzburg anfangs 2020 wirkte ein wenig wie das Ende einer Entfremdung. In der ersten Meisterschaftshälfte spielte Okafor nur sieben Mal von Anfang an – eine Bilanz, die jene Stimmen nährte, die behaupteten, der damalige FCB-Coach Marcel Koller verkörpere nicht das Clubmotto verstärkter Förderung des eigenen Nachwuchses.

So herrlich traf Okafor einst für den FCB gegen Zürich.

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«Und dann hatte ich eben auch Pech»

Rund zwölf Millionen Franken überwies der österreichische Serienmeister an den Rheinknie. Rekord für Salzburg! Dass Okafor wechselte, überraschte wegen der Entfremdung wohl nur wenige. Dass es Salzburg wurde hingegen schon. Die österreichische Liga hatte schliesslich nicht mehr Glamour als die Super League zu bieten. Andererseits ging Okafor zu einem Club, der sich in den vergangenen Jahren einen Ruf für gute Entwicklungsarbeit erwarb. Sadio Mané, mittlerweile bei Liverpool, spielte einst in Salzburg, ebenso sein Teamkollege Naby Keita. Auch: Marcel Sabitzer, der seit Sommer bei den Bayern kickt.

Bei Salzburg hatte Okafor einen Start, der okay war. Zwar waren nach einem Jahr seine Werte – acht Tore und drei Assists in insgesamt 32 Spielen – nicht schlecht, aber irgendwie auch ernüchternd. Keinem RB-Trainer war es gelungen, Okafors überragende Anlagen dauerhaft in nackte Zahlen zu verwandeln. Im Jahr 2020 erzielte Salzburg 83 Liga-Tore, an gerade mal neun davon war Okafor als Schütze oder Passgeber beteiligt. Seither läuft es aber immer besser – besonders seit diesem Sommer. In dieser Saison schoss der 21-Jährige in 14 Spielen bereits fünf Tore, ihm gelangen drei Assists. In der Champions League stand er gegen Lille in der Startelf. Die «Salzburger Nachrichten» titelten zuletzt: «Der Rekordtransfer von Red Bull Salzburg wacht auf». Vereinsintern stand er zur Wahl zum «Spieler des Monats September».

Dass es in Salzburg gut kommt, daran hat Okafor nie gezweifelt. «Den Wechsel habe ich nie bereut. Es war der richtige Schritt», erzählt er. «Auch wenn es anfangs nicht so bei mir lief, ich blieb immer positiv, arbeitete hart und glaubte an mich. Daher wusste ich immer: Es kommt gut.» Er habe sich an den Fussball in Österreich gewöhnen müssen. Okafor sagt: «Und dann hatte ich eben auch Pech.» Was er damit meint? Eine Corona-Erkrankung, Verletzungen – grössere und kleinere. Sie sorgten dafür, dass er immer wieder Rückschläge erlitt und auch die U-21-EM verpasste.

Okafor ist der Schnellste im Team

Dass diese Rückschläge nun der Vergangenheit angehören, macht den Salzburg-Star glücklich. Er meint: «Jetzt, wo ich richtig fit bin, kann ich endlich Leistung auf den Platz bringen. Das ist doch sowieso das Beste für einen Fussballer.» Er grinst und fragt: «Was will man mehr?» Die Frage, sie ist rhetorisch. Denn Okafor ist noch immer jung. Er hat den Grossteil seiner Karriere noch vor sich. Und er will noch viel erreichen. «Mit der A-Nati will ich eine WM, eine EM spielen. Langfristig ist mein Ziel, ein Schlüsselspieler in der Nati zu sein. Und im Verein will ich natürlich auch den nächsten Schritt machen», verrät er im Gespräch mit 20 Minuten. Und ganz wichtig, das erwähnt der Youngster immer wieder: «Ich will gesund bleiben.»

An die genauen Karriereschritte mag er aber noch nicht denken. Okafor ist kein Spieler, der weit in die Zukunft blickt. Das sagt er zumindest. Er lebt im Hier und Jetzt. Geniesst den Moment. Den Moment, in dem alles passt.

In der österreichischen Liga hat Salzburg zehn Punkte Vorsprung auf Rang zwei, in der Champions League liegt der Club in der Gruppe G mit vier Punkten auf Rang eins. «Mit Salzburg will ich Meister und Cupsieger werden. Und in der Champions League will ich ins Achtelfinal», so Okafor. Man merkt, er ist glücklich. Das junge Team in Salzburg gefällt ihm, mit Sturmpartner Karim Adeyemi versteht er sich super. Über den Deutschen, der von Bayern und Dortmund umworben wird, meint Okafor: «Er ist einer meiner besten Kollegen. Uns beide zeichnet unsere Schnelligkeit aus, den Zug zum Tor.» Mit einem Lachen ergänzt der Ex-FCBler: «Aber ich bin der Schnellste im Team!»

Lustrinelli glaubt an den Sieg

Der U-21 Nati-Trainer Mauro Lustrinelli wirkt sichtlich positiv gestimmt, was die nächsten beiden Partien gegen die Niederlande und Bulgarien betrifft. Das Spiel gegen die Niederländer wird für das Team von Lustrinelli dennoch zu einer Knacknuss. Das gibt er vor dem Spiel zu: «Die Niederlande sind eines der besten Länder. Sie haben unglaublich gute Spieler in ihren Reihen. Sie sind gross, technisch gut und spielen gerne Fussball. Es wird eine sehr offene Ausgangslage sein.» Dass die Niederländer zu schlagen sind, davon ist Lustrinelli aber überzeugt. «Mit einer guten Einstellung ist das möglich», so der Coach, der auf ein volles Stadion in Lausanne hofft: «Es wäre schön, eine Kulisse wie gegen Frankreich zu haben.» Das EM-Quali-Spiel gegen die Niederlande findet am Freitag um 19.00 Uhr statt, jenes gegen Bulgarien kommenden Dienstag um 16.00 Uhr. (ape)

Die WM in Katar ist das grosse Ziel

Bevor Okafor aber wieder mit Adeyemi kicken kann, stehen die Spiele mit der U-21 gegen die Niederlande und Bulgarien an. In der Quali-Gruppe liegt die Schweiz nach zwei Siegen gegen Gibraltar auf dem ersten Platz. Doch die Niederlande sind ein harter Brocken. Okafor hat dennoch keine Angst. Für ihn ist klar, dass der Sieg möglich ist. «Wir müssen nur unser Spiel durchziehen», sagt er. Und: «Ich tippe auf einen 2:1-Sieg.»

Okafors Realität derzeit heisst also: U-21, österreichische Liga, Champions League. Der Traum von der WM in Katar, den hat aber nicht aufgegeben. Auch wenn es mehr als zwei Jahre her ist, als er zuletzt für die A-Nati die Fussballschuhe schnürte. «Murat Yakin hat mich angerufen», verrät Okafor am Schluss des Gesprächs. «Er meinte, ich sei auf einem guten Weg und dass ich einfach so weitermachen solle.»

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