Auf die Barrikaden: Murray droht mit Spieler-Streik
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Auf die BarrikadenMurray droht mit Spieler-Streik

Erst die Verschiebungen beim US Open, dann die unmittelbare Umstellung auf den Davis Cup. Die besten Tennis-Profis der Welt wehren sich immer mehr gegen den belastenden Spielplan.

von
pre
Andy Murray schliesst einen Streik der Tennisprofis nicht mehr aus. (Bild: AFP)

Andy Murray schliesst einen Streik der Tennisprofis nicht mehr aus. (Bild: AFP)

Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag Novak Djokovic am Boden. Wegen einer Rückenverletzung musste die Weltnummer 1 die Davis-Cup-Partie gegen Juan Martin del Potro nach eineinhalb Sätzen aufgeben. Der Serbe hielt der körperlichen Belastung nach einem unglaublichen Mammutprogramm in den letzten Wochen nicht mehr stand. Am Montag vor einer Woche kämpfte er sich gegen Rafael Nadal in über vier Stunden zum US-Open-Titel, im Davis Cup waren seine Batterien aber leer.

Das Problem ist bekannt und wiederholt sich fast jährlich. Die besten Tennisspieler der Welt kämpfen zum Jahresende hin stets mit grösseren oder kleineren Verletzungen. Der völlig überfrachtete Spielkalender nagt an den Kräften der Topcracks. «Wenn du alle Turniere, die du spielen sollst, voll durchspielst, dann gehst du einfach kaputt», weiss auch Ex-Wimbledonsieger Pat Cash.

Den Terminkalender zu verschlanken, gestaltet sich aber nicht ganz einfach. Zu viele verschiedene Machtzentren mit unterschiedlichen Interessen sind involviert: Die Turnierserien der ATP und der WTA, die Grand-Slam-Turniere und der Weltverband ITF, der verantwortlich ist für den Davis Cup, kämpfen um die besten Termine im Jahr und entscheiden über die Köpfe der Profis hinweg. Der Spielerrat um Roger Federer und Rafael Nadal kann nur wenig Einfluss nehmen.

«Keine Angst zu streiken»

Das wollen die Spieler nun ändern. Rafael Nadal hat sich beim US Open sowie nach dem Davis Cup lauthals über die unakzeptierbaren Verhältnisse beschwert: «Es kann nicht sein, dass zwei grosse Wettbewerbe wie ein Grand-Slam-Turnier und der Davis Cup so dicht beieinander liegen. Wenn das so weitergeht, werden die besten Spieler hier nicht mehr antreten», sagte der Spanier am Rande des Davis-Cup-Halbfinals gegen Frankreich.

Andy Murray geht sogar einen Schritt weiter. Im Interview mit der BBC wetterte der Schotte gegen die Flut an Terminen: «Wir möchten einige kleine Dinge ändern. Zwei oder drei Wochen Pause, ein paar Turniere weniger», so Murray. «Wir werden uns mit der Spielergewerkschaft und der Tennisföderation zusammensetzen und schauen, dass wir einen Kompromiss finden.» Falls alles nichts nützt, zieht Murray sogar in Betracht, die Schläger ruhen zu lassen. «Ich habe mit einigen Spielern gesprochen. Die haben keine Angst zu streiken.»

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