Aktualisiert 01.10.2011 11:41

Michael-Jackson-ProzessMurray verschwieg Medikation

Es sieht nicht gut aus für Jacksons Leibarzt: Als weiterer Zeuge hat nun ein Rettungssanitäter gegen ihn ausgesagt. Murray soll die Verabreichung von Propofol verheimlicht haben.

von
Anthony McCartney/AP

Bereits kurz nachdem die Rettungssanitäter das Schlafzimmer von Michael Jackson betreten hatten, war ihnen klar, dass etwas nicht stimmte. Der Sänger war völlig abgemagert und lag mit offenen Augen auf dem Boden. Er trug eine OP-Haube und seine Haut verfärbte sich blau. Als Sanitäter Richard Senneff Jacksons Leibarzt fragte, was mit seinem Patienten los sei, antworte Conrad Murray nur ausweichend.

«Er sagte: Nichts. Er hat nichts», sagte Senneff im Prozess gegen Murray am Freitag den Geschworenen. «Für mich hat das alles einfach keinen Sinn ergeben», erinnerte sich Senneff bei seiner Zeugenaussage. 42 Minuten habe er den reglosen Sänger versucht wiederzubeleben, dabei seien ihm weitere Ungereimtheiten aufgefallen. Erst nach mehrmaligem Nachfragen habe Murray eingeräumt, dass er Jackson das Schlafmittel Lorazepam verabreicht habe.

«Chronisches Gesundheitsproblem»

Auf dem Nachttisch hätten weitere Flaschen mit Medikamenten gestanden, sagte Senneff. Letztendlich habe Murray erklärt, er habe Jackson wegen Dehydrierung und Erschöpfung behandelt. Er habe jedoch nie gesagt, dass er seinem Patienten das Anästhetikum Propofol gegeben habe.

Murrays Verteidiger hingegen erklärten, Jackson habe sich die tödliche Dosis selbst verabreicht, nachdem sein Arzt den Raum verlassen habe. Verteidiger Nareg Gourjian fragte Senneff am Freitag, ob Jackson auf ihn den Eindruck eines Drogensüchtigen gemacht habe. Der Sanitäter sagte, das sei schwer zu sagen, der Sänger habe jedoch «ausgesehen, als ob er ein chronisches Gesundheitsproblem hätte».

Kein Lebenszeichen von Jackson

Senneff war der erste Sanitäter, der in Jacksons Schlafzimmer eintraf. Mit drei weiteren Rettungskräften versuchte er, den Sänger wiederzubeleben. «Haben Sie während der Zeit, als sie ihn zu retten versuchten, jemals ein Lebenszeichen bei Herrn Jackson festgestellt?», fragte Staatsanwältin Deborah Brazil. «Nein, das habe ich nicht», lautete Senneffs Antwort. Ein weiterer Sanitäter, Martin Blount, bestätigte die Einschätzung. Er glaube, Jackson sei kurz nach der Ankunft der Rettungskräfte gestorben.

Ausserdem habe er drei geöffnete Flaschen des Schmerzmittels Licodain auf dem Boden des Zimmers liegen sehen, sagte Blount den Geschworenen. Murray habe nicht gesagt, dass er Jackson das Schmerzmittel verabreicht habe. Blount erklärte, er habe beobachtet, wie Murray die Flaschen griff und in eine schwarze Tasche warf.

Messgerät nach Herstellerangaben nicht für Dauereinsatz geeignet

Zuvor hatte Bob Johnson von der Firma Nonin Medical ausgesagt, eine von seinem Unternehmen hergestellte Vorrichtung zur Messung von Puls und Sauerstoffgehalt im Blut sei nicht zur dauerhaften Überwachung des Patienten geeignet gewesen. Das Messgerät war nach dem Tod des Popstars sichergestellt worden.

Nach einem Fernsehauftritt eines Anwalts untersagte Richter Michael Pastor den Staatsanwälten und Verteidigern öffentliche Äusserungen über den Fall. Er erklärte am Freitag in Los Angeles, Vertreter beider Seiten müssten sich mit ihren Äusserungen auf ihr jeweiliges juristisches Team beschränken. Einen Grund nannte er nicht.

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