Trotz Krise: Mursi verbreitet Aufbruchstimmung
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Trotz KriseMursi verbreitet Aufbruchstimmung

Ägyptens Regierung will die Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds über einen Kredit wieder aufnehmen. Präsident Mohammed Mursi verspricht dem krisengeplagten Land einen Aufschwung der Wirtschaft und viele neue Jobs.

Der Internationale Währungsfonds soll Ägypten aus der Krise helfen. Wie Ministerpräsident Hischam Kandil am Sonntag in Kairo sagte, werden die Gespräche über einen Stand-by-Kredit im Januar wieder aufgenommen.

Die Verhandlungen mit dem IWF waren vor gut zwei Wochen vorläufig auf Eis gelegt worden. Angesichts der Massenproteste gegen Präsident Mohammed Mursi hatte Kairo den IWF gebeten, den Antrag auf finanzielle Hilfe zu vertagen.

Als Stand-by-Kredit wird ein Bereitschaftskredit bezeichnet, der zum Nothilfeprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) zählt. Er kann dazu dienen, bei Abruf kurzfristige Liquiditätsengpässe der IWF-Mitgliedsländer zu überbrücken. Es geht um einen Kredit in Höhe von 4,8 Mrd. Dollar, mit dem die ägyptische Führung Löcher in der Staatskasse stopfen will.

Ägypten hat seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak grosse wirtschaftliche Probleme. Erst in dieser Woche wurde das Land von der Ratingagentur Standard & Poor's herabgestuft. Das ägyptische Pfund fiel jüngst im Vergleich zum US-Dollar auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren. Auch der Tourismus als wichtiger Devisenbringer befindet sich ein einer Krise.

Am Samstag warnte die ägyptische Zentralbank, ihre Devisenreserven seien auf einem gefährlich niedrigen Niveau. Sie verfüge nur noch über 15 Milliarden Dollar in Fremdwährungen. Im Jahr 2010 hatten die Reserven noch 36 Milliarden Dollar betragen.

Die Angst vor einer Abwertung des ägyptischen Pfunds löste zuletzt eine Flucht in den Dollar aus. Am Sonntag rief die Zentralbank die Ägypter zu einer zurückhaltenden Verwendung von Dollar auf, um die einheimische Währung zu stützen.

Mursi verspricht Aufschwung

Präsident Mohammed Mursi hatte am Samstag bei seinem Auftritt vor dem Schura-Rat einen Wirtschaftsaufschwung und modernen Staat versprochen. Er sagte, dass er die Armut in dem Land bekämpfen und allein in der Industrie 20'000 Arbeitsplätze schaffen wolle.

Der Präsident gab zudem an, dass sich die Zahlen im vergangenen Quartal verbessert hätten. Den politischen Gegner warf er vor, sie redeten einen Bankrott des Landes herbei.

Wann ein neues Parlament gewählt werden soll, liess Mursi indes weiter offen. Nachdem die neue, von den Islamisten erarbeitete Verfassung in Kraft getreten ist, muss eigentlich innert 60 Tagen über ein Abgeordnetenhaus abgestimmt werden.

Seit das erste ägyptische Parlament nach dem Sturz Mubaraks aufgelöst wurde, gibt es in dem Land keine richtige Legislative mehr. Ein Gericht hatte im Sommer die Parlamentswahl für ungültig erklärt. Zunächst übernahm Mursi die parlamentarischen Befugnisse. Seit Inkrafttreten der neuen Verfassung erlässt nun der von Islamisten dominierte Schura-Rat die Gesetze. (sda)

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