Treibhausgaseffekt: Muscheln gehts mies im sauren Ozean
Aktualisiert

TreibhausgaseffektMuscheln gehts mies im sauren Ozean

Der steigende Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre lässt die Ozeane zumindest in einigen Regionen schneller versauern als bisher angenommen. Das kann die Kalkschalen von Muscheln und Krebsen gefährden.

Dies berichteten US-Forscher im Fachmagazin «Proceedings of the Royal Society».

Durch die Verbrennung von Öl und die Abholzung von Wäldern gelangt immer mehr Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre. Etwa ein Drittel des freigesetzten CO2 wird von den Ozeanen aufgenommen. Das Gas wird im Wasser gelöst, wobei Kohlensäure gebildet wird. Diese senkt den pH-Wert, das Meerwasser wird sauer.

Timothy Wootton und seine Mitarbeiter von der Universität Chicago haben nun die Veränderungen des pH-Werts und die Auswirkungen auf das marine Ökosystem nahe der Insel Tatoosh untersucht, knapp einen Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaates Washington. Sie taten dies über einen Zeitraum von acht Jahren.

Starke Schwankungen

Sie stellten fest, dass der pH-Wert sowohl im Tagesverlauf als auch über Tage und Jahre stärker schwankt als bislang angenommen. Grundsätzlich aber sank der pH-Wert in den acht Jahren der Untersuchung und zwar rund zehn Mal schneller als Simulationsmodelle es vorhergesagt hatten.

Dies wirkte sich deutlich auf die Zusammensetzung der marinen Lebensgemeinschaften aus: So nahm mit sinkenden pH-Werten die Häufigkeit und die Durchschnittsgrösse bestimmter Miesmuscheln und des Rankenfusskrebses ab. Dies sei wenig überraschend, schreiben die Forscher: Ein hoher Säuregehalt beeinträchtigt den Aufbau der Kalkschale dieser Lebewesen.

Allerdings seien die Auswirkungen auf das Ökosystem insgesamt komplexer, schreiben die Forscher weiter. Die kalkbildende Seepocke Balanus glandula etwa vermehre sich stärker bei sinkendem pH-Wert, einige Kalkalgen reagierten scheinbar gar nicht auf die Veränderungen. Weitere Untersuchungen müssten die Zusammenhänge genauer klären. (sda)

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