Aktualisiert 16.02.2015 13:51

Gebrochene Herzen

Museum archiviert zerbrochene Beziehungen

Das Museum of Broken Relationships sammelt Gegenstände aus zerbrochenen Beziehungen. Für die Ausstellung in Basel sollen Basler ihre Erinnerungsstücke hergeben.

von
lha
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Ist das Kunst? Aber klar doch! Die Gegenstände des Musuem of Broken Relationships sind der Objekt gewordene Trennungsschmerz zerbrochener Beziehungen. Die Gegenstände erzählen alle eine gnaz persönliche Geschichte.

Ist das Kunst? Aber klar doch! Die Gegenstände des Musuem of Broken Relationships sind der Objekt gewordene Trennungsschmerz zerbrochener Beziehungen. Die Gegenstände erzählen alle eine gnaz persönliche Geschichte.

Ana Opalic
Auch diese Mannequin-Hände sind das letzte Überbleibsel einer Liebe mit Ablaufdatum.

Auch diese Mannequin-Hände sind das letzte Überbleibsel einer Liebe mit Ablaufdatum.

Ana Opalic
Dagegen war die Axt eher ein Therapeutisches Werkzeug. Der vormalige Besitzer zertrümmerte damit das Mobiliar seiner Ex-Freundin.

Dagegen war die Axt eher ein Therapeutisches Werkzeug. Der vormalige Besitzer zertrümmerte damit das Mobiliar seiner Ex-Freundin.

Ana Opalic

Jedem wurde einmal das Herz gebrochen. Und meistens erinnert irgendein Objekt an die schmerzliche Trennung. Das «Museum of Broken Relationships» archiviert diese Gegenstände und die dazugehörenden Geschichten seit 2006 und hat mittlerweile eine weltumfassende Sammlung zerbrochener Beziehungen angehäuft. Vom 16. April bis 30. August gastiert die Sammlung im Basler Museum für Wohnkulturen.

Für das Basler Gastspiel suchen die Kuratoren der Ausstellung noch Objekte aus zerbrochenen Basler Beziehungen. «Wir hoffen, 30 bis 40 Basler Exponate zeigen zu können», sagt Co-Kurator Benedikt Wyss. Der ästhetische Wert der Gaben ist dabei unbedeutend. Es können banalste Gegenstände sein. So zeigt die Schau etwa eine Axt, mit der deren ehemaliger Besitzer die Möbel seiner Ex-Freundin zertrümmerte, als diese in den Ferien war. «Die Überreste liess ich liegen, als Ausdruck meines inneren Zustands. Je mehr sich ihr Zimmer mit zerhacktem Mobiliar füllte, desto besser fühlte ich mich», schreibt er dazu.

«Am tollsten wäre ein Auto»

Die Gegenstände überlassen die Spender für immer dem Museum. «Es geht auch um das Loslassen und die säubernde Wirkung des Weggebens», erklärt Wyss. «Toll wäre, wenn wir ein Auto in den Musuemsgarten stellen könnten», scherzt er. Das müssten die Gründer des Wandermuseums mit erheblichem Aufwand in ihr Archiv nach Zagreb mitnehmen.

Die Gründer des Museums, die beiden Zagreber Künstler Olinka Vistica und Dazen Grubisic, waren selbst ein Paar und beschlossen Jahre nach der Trennung, ihren Schmerz kreativ zu überwinden. «Normalerweise zerstören wir die Erinnerungen an eine Beziehung, anstatt sie zu bewahren», so Vistica. Aus der kleinen Sammlung eigener Relikte wurde mittlerweile ein globales Gefühlsarchiv, das schon auf allen Kontinenten zu sehen war und mit dem Kenneth Hudson Award 2011 als innovativstes Museum Europas ausgezeichnet wurde. Das Archiv der verflossenen Liebschaften steht künstlerisch in der Tradition der «Ready-mades». Dabei werden Alltagsgegenstände zur Kunst erhoben.

Aufwühlende Ausstellung

Wenn in Basel Relikte zerbrochener Basler Beziehungen gezeigt werden, muss fast damit gerechnet werden, dass die oder der Ex sie in der Ausstellung wiedererkennt. Dass Besucher in Tränen ausbrachen, soll auch schon mehrfach vorgekommen sein. Das sei auch die Absicht, sagt Wyss. Das kann als Provokation verstanden werden, doch er betont, dass Rache nicht das zentrale Motiv der Sammlung ist. «Es geht auch um Vergebung, Trauer, Ironie, einfach die ganze Bandbreite von Gefühlen.»

Basler Dokumentartage 15

Das «Museum of Broken Relationships» gastiert im Rahmen des Festivals «It's the Real Thing - Basler Dokumentartage 15» im Museum für Wohnkultur. Vom 15. bis 19. April präsentiert es eine Vielfalt dokumentarischer Projekte aus dem In- und Ausland. Das Festival widmet auch dem Filmregisseur Joshua Oppenheimer einen Schwerpunkt. Sein Dokumentarfilm «The Act of Killing» erzählt die Geschichte des Genozids an über einer Million vermeintlichen Kommunisten in Indonesien aus der Sicht der Täter, die freiwillig, reuelos und stolz über ihre Taten erzählen.

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