Fiese Masche: Museum erhält täglich Anrufe wegen Betrügern
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Fiese MascheMuseum erhält täglich Anrufe wegen Betrügern

Mutmassliche Betrüger nutzen die Identität eines norwegischen Generalleutnants, um gutgläubigen Schweizern Autos zu verkaufen, die vermutlich nie geliefert werden.

von
jeb
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Auf dieses Inserat ist ein Leser im Juni 2018 gestossen.

Auf dieses Inserat ist ein Leser im Juni 2018 gestossen.

Screenshot Autoricardo
Der Golf interessierte den Mann und er trat mit dem Verkäufer in Kontakt.

Der Golf interessierte den Mann und er trat mit dem Verkäufer in Kontakt.

Screenshot Autoricardo
Die Beschreibung klang vielversprechend.

Die Beschreibung klang vielversprechend.

Screenshot Autoricardo

«Auf den ersten Blick ein Schnäppchen, auf den zweiten Blick eine Betrugsmasche», schreibt ein Leser mit Verweis auf ein Inserat bei Autoricardo, einem Unternehmen, das wie 20 Minuten zu Tamedia gehört. Auf dem Portal wird ein Golf 2.0 TSI R 4Motion DSG Jahrgang 2014 mit 88'000 Kilometern für 17'900 Franken angeboten. Als der Leser mit dem Verkäufer, der als Standort Felben im Kanton Thurgau angegeben hat, Kontakt aufnimmt, gibt sich dieser als norwegischer Generalleutnant und Vorsitzender des norwegischen Fliegermuseums aus.

Das Auto stehe derzeit in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Der Generalleutnant habe für rund sechs Monate in der Schweiz gearbeitet und damals das Auto gekauft. Der MFK sei noch bis September 2019 gültig.

Im weiteren E-Mail-Verkehr wird dem Leser vorgeschlagen, 4475 Franken anzuzahlen, damit das Auto in die Schweiz transportiert werden könne. Doch für den Leser riecht das nach Betrug und geht nicht weiter darauf ein. Im ganzen E-Mail-Verkehr wird jeweils mit der Mail-Signatur des Luftfahrtsmuseums gezeichnet.

Telefon in Museum läuft heiss

Offenbar ist der Leser nicht der einzige, der mit dem mutmasslichen Betrüger in Kontakt getreten ist. Als 20 Minuten beim Museum nachfragt, heisst es, dass regelmässig Personen aus der Schweiz anrufen würden. Jedoch nicht, weil sie sich für die Lockheed T-33A aus dem Museum interessieren. Sie möchten einen Golf oder ein anderes Auto kaufen, das sie auf Internetplattformen im Netz gesehen haben. «Wir bekommen pro Woche mehrere Anrufe dieser Art», sagt eine Mitarbeiterin. Der Generalleutnant sei vor über zehn Jahren tatsächlich einmal Mitglied des Beirates des Museums gewesen.

Die Anrufe bezüglich diverser Autos kämen nicht nur aus der Schweiz, sondern aus ganz Europa. Bei der Polizei habe man sich deswegen nicht gemeldet, man nimmt die Sache mit Humor.

Tiefe Preise sind verdächtig

Das Vorgehen der Betrüger ist nicht neu. Im Dezember berichteten Leser über eine ähnliche Masche.

Auch Simon Marquard, Sprecher von Autoricardo, ist die Masche bekannt. «Autoricardo nimmt diese Inserate sofort vom Netz, sobald wir Kenntnis davon haben», sagt er. Genaue Fallzahlen dazu gibt es keine, im Verhältnis zu den angebotenen Fahrzeugen auf der Plattform komme es jedoch nicht oft vor. Marquard warnt: «Wenn der Preis für ein Auto zu gut ist, dann sollte man skeptisch werden.»

Wenn sich zudem herausstellt, dass sich das Auto gar nicht in der Schweiz befinde und ein vermeintlich seriöses Transportunternehmen für die Anlieferung in die Schweiz vorgeschlagen wird, sollte man die Finger davon lassen. Vor allem wenn Vorauszahlungen verlangt werden, solle man vorsichtig sein. Meistens wird ein Bargeldtransfer-Unternehmen vorgeschlagen, um einen Teil des Betrags vorab zu überweisen. Nach der Überweisung bricht der Kontakt ab.

«Wer verdächtige Inserate entdeckt, soll diese bitte dem Kundendienst melden, damit wir diese prüfen und allenfalls entfernen können», so Marquard. Den Usern, die bei solchen Betrügereien zu Schaden kommen, rate man, Anzeige bei der Polizei einzureichen. Als Portal-Betreiber könne Autoricardo nicht selbst rechtliche Schritte einleiten.

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