Am ersten Arbeitstag  - Museumswächter malt aus Langeweile Augen auf millionenteures Gemälde
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Am ersten Arbeitstag Museumswächter malt aus Langeweile Augen auf millionenteures Gemälde

Ein Kunstwerk der sowjetischen Avantgarde ist von einem Museumswächter beschädigt worden: Der Mann hatte mit einem Kugelschreiber den gesichtslosen Personen auf einem fast eine Million Franken teuren Gemälde Augen verpasst.

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So sah das Gemälde «Drei Figuren» nach der Kugelschreiber-Attacke aus.

So sah das Gemälde «Drei Figuren» nach der Kugelschreiber-Attacke aus.

The Art Newspaper Russia
Das Bild aus der sowjetischen Avantgarde ist für fast eine Million Franken versichert.

Das Bild aus der sowjetischen Avantgarde ist für fast eine Million Franken versichert.

vk.com/yeltsincenter
Der Vandalismus ereignete sich im Boris-Jelzin-Präsidentenzentrum in Jekaterinburg.

Der Vandalismus ereignete sich im Boris-Jelzin-Präsidentenzentrum in Jekaterinburg.

imago images/SNA

Darum gehts

Es war der allererste Arbeitstag des laut «Moscow Times» etwa 60 Jahre alten Museumswächters im Boris-Jelzin-Zentrum im russischen Jekaterinburg, wo derzeit unter dem Titel «Die Welt als Nicht-Objektivität. Die Geburt einer neuen Kunst» eine Ausstellung abstrakter Kunst stattfindet. Dabei muss es dem frischgebackenen Security-Angestellten offenbar langweilig geworden sein – und möglicherweise irritierten ihn die gesichtslosen Köpfe auf dem Bild «Drei Figuren» der russischen Malerin Anna Leporskaya. Jedenfalls zückte der bei einer privaten Firma angestellte Wächter einen Kugelschreiber und malte kurzerhand zwei Augenpaare auf die Gesichter.

Es verging nicht lange, bis zwei aufmerksame Besucher das «Update» auf dem Gemälde von 1930 bemerkten und die Museumsleitung informierten. Daraufhin wurde das für 75 Millionen Rubel (rund 930’000 Franken) versicherte Bild abgehängt und in die Tretjakow-Galerie zurückgebracht, der es gehört. Gemäss einer Expertise lief der Vandalenakt glimpflich ab: Für die Restaurierung wurde ein Betrag von umgerechnet gut 3000 Franken veranschlagt. Dies, weil der Täter offenbar nur wenig Druck auf den Stift ausgeübt hatte. Erst nach einiger Zeit wurde der Schuldige bekannt. Er wurde mittlerweile entlassen.

Polizei nahm Strafanzeige nicht an

Allerdings verständigte die Galerie die Polizei erst zwei Wochen nach dem Vorfall vom 7. Dezember. Und diese reagierte zunächst eigenartig: Sie weigerte sich angesichts der Schadenhöhe, ein Strafverfahren einzuleiten. «In diesem Fall gibt es keine Anzeichen für ein Verbrechen gemäß Art. 167 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation, da das Bild seine Eigenschaften nicht verloren hat», schrieb die Polizei gemäss «The Art Newspaper». 

Dies hat nun ebenfalls ein Nachspiel: Das Kulturministerium sandte eine Beschwerde an die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau und berief sich dabei auf Artikel 243 des Strafgesetzbuches, das die «Zerstörung oder Beschädigung von Kulturgütern der Völker der russischen Föderation» unter Strafe stellt. Mittlerweile läuft eine Untersuchung. Der Mann könnte mit einer bis zu einem Jahr dauernden Haft bestraft werden.

Der Fall erinnert ein wenig an den von Cecilia Gimenez: Die 80-Jährige hatte 2012 versucht, ein ramponiertes Wandgemälde namens «Ecce Homo» in der Wallfahrtskirche «Nuestra Señora de la Misericordia» im spanischen Borja eigenhändig zu «restaurieren». Das Antlitz des gekreuzigten Jesus ähnelte nach der Behandlung mit Pinsel und Farbe dem eines haarigen Affen. Allerdings lösten die folgenden Schlagzeilen Pilgerströme nach Borja aus und retteten angeblich das Dorf vor der Pleite.

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(trx)

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