Aktualisiert 18.05.2005 18:05

Faith Evans - «The First Lady»

Musik zum Kindermachen

Ohne Biggie, P. Diddy und überflüssige Pfunde: Faith Evans bringt auf ihrem neuen Album «The First Lady» die Männer spielend in Verlegenheit.

Die kurz bemessenen Interview-Intervalle an Promotagen sind einer gesunden Gesprächsentwicklung nicht gerade förderlich. Umso schöner, wenn Abwechslung in das standardisierte Frage-Antwort-Spiel kommt. «Du siehst aus wie ein ungezogener kleiner Junge», murmelt eine erschlankte Faith Evans zur Begrüssung und zwinkert dem Journalisten neckisch zu. Die Antwort, ein nach langen Sekunden stammelnd hervorgebrachtes «Ich sehe nicht nur so aus», führt zu beidseitigem Gelächter. «Come on, frag mich, was immer du willst», fordert die Witwe von Raplegende Notorious B.I.G. – und beginnt dann gleich zu erzählen: «Ich fühle mich wie neu geboren! In meinem Leben hat sich so einiges geändert. Ich bin nach L.A. gezogen, hab einen neuen Plattenvertrag unterschrieben und hab angefangen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.»

Auf die Musik hat sich die Trennung von P. Diddys Bad-Boy-Label positiv ausgewirkt: Auf ihrem vierten Album «The First Lady» zeigt die 31-jährige dreifache Mutter, was sie stimmlich wirklich draufhat, und wendet sich langsamen Liebesballaden und klassischem R'n'B zu – die Clubtracks sind dünn eher gesät. «Auf den früheren Alben habe ich mich nicht getraut, meine Gospel-Vergangenheit so deutlich zu zeigen. Aber nachdem ich in letzter Zeit wieder zurück zu meinen frühen Einflüssen wie Anita Baker, Lyn Collins oder Aretha Franklin gefunden habe, ist die Angst davor verflogen.»

Mit so einer Stimme darf sie uns dann auch kuschelig-kitschigen R'n'B wie auf der von Jermain Dupri produzierten Nummer «Tru Love» unterjubeln. Sie selbst nennt es auch «Musik zum Kindermachen». Gut möglich, dass der Interviewer tatsächlich eine hochrote Birne bekommen hat, als sich die Pressedame im Hotellift danach erkundigte, wie denn das Interview gelaufen sei. Schämen muss man sich dafür aber nicht.

Adrian Schräder

Faith Evans «The First Lady» (Capitol/EMI).

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