Aktualisiert 27.10.2009 08:02

Starch - das Tour-TagebuchMusikalischer und kulinarischer Höhepunkt

Horror-Taxifahrt, die Zweite: Diesmal mit Hannibal Lector als Überraschungsgast. Den Schock verdaute die Band mit kulinarischen Köstlichkeiten: Suppe mit gehacktem Huhn - samt Kopf und Hühnerkrallen, versteht sich ... Oh, und Konzerte haben die Jungs auch noch gegeben!

Mit dem Zug gings heute nach Hangzhou, zwei Stunden von Shanghai entfernt, wo das zweite Chinakonzert auf dem Programm stand. Auch im Zug waren wir die Attraktion Nummer eins. Doch mittlerweile sind wir es uns gewohnt begafft zu werden - und zwar so, als wären wir gerade aus dem Zoo ausgebrochen. Die Elvetinorailbar, wie wir sie uns aus der Schweiz gewohnt sind, könnte in China noch Nachhollektionen besuchen. Neben frischen Früchten, Hühnerkrallen im Vakuumbeutel und heissen Suppen gabs Spielzeug und allerlei Ramsch zu kaufen. Natürlich verstanden wir wieder mal kein Wort und kauften Dinge die wir nicht gebrauchen können, da wir auch von der Bedienungsanleitung nur die Bildchen kapieren.

Hangzhou gilt mit nur gerade etwas mehr als einer Million Einwohnern als Kleinstadt und so fanden wir uns von Beginn an super zurecht, obwohl hier gar nichts mehr Englisch angeschrieben ist, geschweige denn irgendjemand ein Wort Englisch spricht.

Andere Länder, andere Sitten

Das Konzert im 789 Club war sehr gut besucht und das erste durchgehend authentisch chinesische Publikum scheint die Starchmusik auch zu mögen. Einzelne begeisterte Klubbesucher wollten sogar selber Teil unserer Show werden und stürmten die Bühne um sich in Szene zu setzen. Jedenfalls war einiges los und unsere nachproduzierten CDs gingen weg wie warme Weggli. Der Klubbesitzer höchstpersönlich verscherbelte die Alben in bester Marktverkäufermanier in der Pause zwischen den Sets. Auch der Rest unseres Merchandising Setups schlug ein wie eine Bombe: Die Herren und Damen Chinesen klebten sich unsere Sticker gleich auf den ganzen Körper.

Der Veranstalter gestaltete das Plakat für unseren Konzertabend mit einigen Highlights der Bilder aus unserem Blog. Irgendwie ein abgefahrenes aber kein schlechtes Gefühl, wenn vor ein paar Wochen auf einem anderen Kontinent geschossene Fotos in einer chinesischen Grossstadt zur Werbung aushängen ... Allerdings wusste man dann nicht mehr so genau, ob es sich bei unserer Veranstaltung um einen Jogakurs, eine Werbung für einen Windkanal oder eine Kaffefahrt zu den Cowboys handelt.

Horror-Taxi-Fahrt: Klappe, die Zweite

Nach unserem Konzert gabs noch eine ausgedehnte Karaokesession an welcher sich mehr oder weniger alle Klubbesucher aktiv beteiligten, inklusive einiger Exponenten unserer Reisegruppe, was bei den einen nicht die allerbeste Idee war.

Wie auch immer: Am Mittwoch gings dann mit dem Bus nach Kunshan, wo ein Konzert im «Whales Rock Club» anstand. Hier genossen einige von uns eine weitere abenteuerliche Taxifahrt. Beim Einladen unseres monströsen Reisegepäcks in den Kofferraum hatte sich der Chauffeur seinen Kopf am Kofferraumdeckel gestossen. Soweit, so gut, es schien alles in Ordnung zu sein, bis uns nach einigen hundert Metern Fahrt auffiel, dass dem Fahrer Sturzbäche von Blut über das Gesicht liefen und sein schönes weisses Hemd aussah wie nach einem Besuch von Hannibal Lector persönlich.

Knallhart gehts weiter ...

Er schien selber auch ziemlich überrascht zu sein, fuhr aber knallhart weiter. Die Blutung stoppte dann auch wieder. Richtig wohl wurde uns aber ab dieser Szenerie nicht mehr. Besonders als wir beim Club ankamen und der gleich neben einer Polizeistation gelegen war. Der Taxifahrer hatte sich jedenfalls schneller erholt als wir und lehnte sämtliche Hilfeangebote vom Wasser über Tüchlein bis zum frischen T-Shirt ab.

Der «Whales Rock Club» präsentierte sich dann in tiptoppem Zustand. Dashu, der Klubbesitzer dieses schicken Ladens, hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung von Kunshan zur Livemusik zu erziehen. Er unterhält die zwei einzigen Bühnen der Stadt auf welchen Original Music gespielt wird – überall sonst gibts nur Covers oder Konserve zu geniessen.

Musikalischer und kulinarischer Höhepunkt

Wenn er seinen Enthusiasmus behalten kann blüht der Musikszene in Kunshan eine goldene Zukunft: Er hat nämlich auch das schöne Hobby sich mit dem letzten Sackgeld das teuerste Equipment zu leisten. Zu unserer Freude spielten wir darum auf Ampeg und Marshall Amps der höchsten Güteklasse.

Ausserdem stellte Kunshan auch einen kulinarischen Höhepunkt unserer Chinareise dar. Vor dem Konzert wurde vom Klub dafür gesorgt, dass zuerst einmal unsere hungrigen Bäuche gestopft wurden. Wie in China üblich bestellt nicht jeder für sich selber, sondern es gibt etwa zwölf kleine Teller mit Essen darauf und jeder bedient sich von allen Platten. Von Vorteil ist hier, wenn ein Chinese die Bestellung macht. Dann gibts nämlich leckere Ente, wunderbares Sweet and Sour Pork, grossartiges Lamm mit Erdnüssen und nicht nur Hühnerköpfe, -beine, Kutteln, Frösche und anderes abartiges Getier.

Da zwei taiwanesische Klubbesucher unsere Perfomance im «Whales Rock Club» den absoluten Hammer gefunden haben, wurden wir nach dem Konzert gleich nochmals zum Essen eingeladen. Und zwar zum Fondue-Chinoise der Extraklasse. Die Basissuppe besteht aus einem ganzen gehackten Huhn ... mit samt Kopf und Hühnerkrallen und war leckerer als es auf den ersten Blick aussieht.

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