Büropflicht: «Auch Tesla wird sich für Homeoffice öffnen müssen»
Aktualisiert

Büropflicht«Auch Tesla wird sich für Homeoffice öffnen müssen»

Elon Musk droht Mitarbeitenden, die weniger als 40 Stunden pro Woche im Büro verbringen, mit der Kündigung. Der Trend gehe in eine andere Richtung, sagt eine Personalexpertin.

von
Marcel Urech
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Tesla-Chef Elon Musk hat seine Mitarbeitenden in einer internen E-Mail dazu aufgefordert, wieder zurück ins Büro zu kommen.

Tesla-Chef Elon Musk hat seine Mitarbeitenden in einer internen E-Mail dazu aufgefordert, wieder zurück ins Büro zu kommen.

REUTERS
«Jeder bei Tesla muss mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro verbringen», fordert Musk.

«Jeder bei Tesla muss mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro verbringen», fordert Musk.

AFP
In der Tech-Branche steht Musk mit seiner Aversion gegen das Homeoffice allerdings fast alleine da.

In der Tech-Branche steht Musk mit seiner Aversion gegen das Homeoffice allerdings fast alleine da.

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Darum gehts

Elon Musk hat seine Mitarbeitenden dazu aufgefordert, ins Büro zurückzukehren: Wer nicht mindestens 40 Stunden pro Woche vor Ort sei, habe wohl gekündigt. Je höher die Position der Angestellten, desto sichtbarer müsse deren Präsenz sein, fordert der Chef von Tesla in einer internen E-Mail an seine Mitarbeitenden.

Nicht alle mögen Homeoffice

In der Tech-Branche steht Musk mit seiner öffentlichen Abneigung gegen Homeoffice fast alleine da. In der Finanzindustrie sprechen sich aber auch andere dagegen aus. Etwa David Solomon, der CEO von Goldman Sachs. Für ihn ist Homeoffice «ein Fehltritt, den wir so schnell wie möglich korrigieren werden». Jes Staley, der Ex-Chef von Barclays, sprach von einer «kurzfristigen Massnahme, die nicht nachhaltig ist».

Auch der abtretende ZKB-CEO Martin Scholl hält nichts von Homeoffice. Er ist überzeugt davon, dass die Loyalität zur Firma im Homeoffice sinkt. In zwei Jahren werde niemand mehr von der Arbeit zuhause reden, weil alle wieder ins Büro wollen, sagte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung»

«Viele Fachkräfte, die Tesla braucht, werden Homeoffice einfordern»

20 Minuten hat bei der Personalexpertin Eva Fankhauser nachgefragt, was sie von den Aussagen von Elon Musk hält. Sie ist der Meinung, dass sich auch Tesla früher oder später für das Homeoffice öffnen muss.

«Viel Fachkräfte, die Tesla braucht, werden Homeoffice einfordern», sagt die Personalexpertin und Arbeitspsychologin Eva Fankhauser von  der Agentur Bära Dienstleistungen im Interview mit 20 Minuten.

«Viel Fachkräfte, die Tesla braucht, werden Homeoffice einfordern», sagt die Personalexpertin und Arbeitspsychologin Eva Fankhauser von  der Agentur Bära Dienstleistungen im Interview mit 20 Minuten.

Privat/Bära/Eva Fankhauser

Elon Musk fordert, dass Tesla-Mitarbeitende mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro sind. Warum?
Ich kenne Musk nicht persönlich, aber Homeoffice macht einigen Führungskräften immer noch Angst. Viele befürchten, die Kontrolle über ihre Mitarbeitenden zu verlieren oder denken, dass diese zuhause nicht effizient arbeiten. Homeoffice braucht gegenseitiges Vertrauen, eine offene Kommunikation und eine gute Koordination - das können nicht alle. Möglich ist aber auch, dass die Arbeit im Homeoffice bei Tesla aus dem Ruder gelaufen ist und Musk einfach mal wieder den Tarif durchgeben wollte.

Gibt es nun eine breite Gegenbewegung zum Homeoffice?
Das glaube ich nicht. Denn der Trend geht in die andere Richtung: Die Arbeit wird mobiler und ortsunabhängiger - aber nicht alle Firmen sind dafür bereit. Früher oder später wird aber auch Tesla gezwungen sein, sich für das Homeoffice zu öffnen. Die Fachkräfte, die Tesla braucht, sind nämlich jetzt schon rar - und viele davon werden Homeoffice einfordern.

Erwarten Sie ähnliche Massnahmen von Schweizer Firmen?
Der abtretende ZKB-CEO Martin Scholl hat sich ähnlich geäussert: Homeoffice sei nicht im Interesse der Bank und werde wieder verschwinden. Passieren dürfte aber genau das Gegenteil: Wo man arbeitet, wird immer unwichtiger. Stattdessen zählt nun die erbrachte Leistung. Die Arbeitsmodelle werden sich also weiter flexibilisieren - und Homeoffice wird ein Teil davon bleiben. 

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