Twitter sperrt Journalisten, die über Musk und das Unternehmen berichten

Aktualisiert

TwitterFreie Meinungsäusserung ja, ausser es geht um Elon Musk selbst

Twitter sperrt Musk- und Twitter-Berichterstatter. Betroffene Medien verlangen Aufklärung. Das Komitee zum Schutz von Journalisten zeigt sich besorgt. Dabei will Musk eigentlich mehr Redefreiheit.

1 / 4
Seit Elon Musk Twitter übernommen hat, gibt es täglich negative Schlagzeilen zum Unternehmen und Musks Vorgehen.

Seit Elon Musk Twitter übernommen hat, gibt es täglich negative Schlagzeilen zum Unternehmen und Musks Vorgehen.

IMAGO/Political-Moments
Am Dienstag hatte er einen Account sperren lassen, der seinen Privatjet mittel öffentlichen Daten nachverfolgt hatte. 

Am Dienstag hatte er einen Account sperren lassen, der seinen Privatjet mittel öffentlichen Daten nachverfolgt hatte. 

IMAGO/ZUMA Wire
Am Donnerstagabend (Ortszeit) folgten mehrere Accounts von Journalisten und Journalistinnen, die über Musk oder Twitter berichteten. Diese sagen, sie hätten nicht gegen die Regeln verstossen.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) folgten mehrere Accounts von Journalisten und Journalistinnen, die über Musk oder Twitter berichteten. Diese sagen, sie hätten nicht gegen die Regeln verstossen.

IMAGO/NurPhoto

Darum gehts

  • Am Donnerstagabend sperrte Twitter die Accounts von mehreren Journalistinnen und Journalisten.

  • Ein genauer Grund wurde nicht mitgeteilt.

  • Ein Journalist sagt, er hätte sich zwar kritisch geäussert, aber nie gegen die Regeln verstossen.

Musk gibt sich als radikaler Verfechter des Rechts auf freie Meinungsäusserung – ausser es geht um Kritik an ihm oder Twitter. Auf der Social-Media-Plattform wurden nämlich mehrere Konten von Journalistinnen und Journalisten gesperrt, die über Twitter und Musk berichten. Betroffen waren etwa Reporter der «New York Times», der «Washington Post», von CNN und anderen Publikationen.

Der plötzliche Ausschluss von Berichterstattern folgte auf Musks Entscheidung vom Mittwoch, einen Account dauerhaft zu sperren, der mit Hilfe öffentlich verfügbarer Daten die Flüge seines Privatjets nachverfolgt hatte. Twitter änderte am Mittwoch auch die Plattformregeln, um das Teilen aktueller Standortdaten einer Person ohne deren Zustimmung zu verbieten.

Mehrere der Reporter, deren Nutzerkonten am Donnerstagabend (Ortszeit) zunächst gesperrt wurden, hatten über diese neue Richtlinie und Musks Begründung dafür berichtet. Dies beinhaltete Vorwürfe Musks über einen Stalking-Zwischenfall, der am Dienstagabend in Los Angeles seine Familie betraf.

«Sperrungen sind besorgniserregend, aber nicht überraschend»

«Für Journalisten gelten dieselben Doxxing-Regeln wie für alle anderen», twitterte Musk am späten Donnerstagabend (Ortszeit). Später schob er nach: «Mich den ganzen Tag lang zu kritisieren, ist total in Ordnung, aber meinen Echtzeit-Standort zu doxxen und meine Familie zu gefährden ist es nicht.» «Doxxing» bezeichnet die Online-Veröffentlichung der Identität einer Person, von deren Adresse oder anderen persönlichen Details, ob die Flugdaten auf Twitter zu posten als Doxxing gilt, ist umstritten, da seine Flugdaten bereits öffentlich zugänglich sind.

Der Nachrichtensender CNN teilte mit, die «impulsive und ungerechtfertigte Sperrung einer Reihe von Reportern, darunter Donie O’Sullivan von CNN, ist besorgniserregend, aber nicht überraschend.» Die zunehmende Instabilität und Volatilität solle für jeden, der Twitter nutzt, von unvorstellbarem Belang sein. «Wir werden unsere Beziehung zu Twitter auf Grundlage der Antwort neu bewerten.»

Benutzt du Twitter?

Gesperrter Journalist sagt, er habe nie gegen Richtlinien verstossen

Ein weiterer von Twitter gesperrter Journalist, Matt Binder vom Tech-Medium Mashable, erklärte, er sei am Donnerstagabend gesperrt worden, unmittelbar nachdem er einen Screenshot eines Beitrags geteilt habe, den CNN-Reporter O’Sullivan vor dessen Sperrung veröffentlicht hatte. Der Screenshot zeigte eine öffentlich zugängliche Polizeimeldung zu Musks Stalking-Zwischenfall.

«Ich habe gemäss den neuen Twitter-Regeln keinerlei Standortdaten geteilt», teilte Binder in einer Mail mit. Er habe auch nicht auf den Account verwiesen, der Standortdaten von Musks Privatjet veröffentlicht habe oder auf andere Accounts, die Standortdaten veröffentlichten. Er sei in hohem Masse kritisch mit Musk umgegangen, habe aber nie gegen Twitter-Richtlinien verstossen.

Musk will «Redefreiheit» – Kritiker befürchten Falschinformationen

Das Komitee zum Schutz von Journalisten zeigte sich besorgt über die Sperrungen. Sollte es sich bestätigen, dass es sich um Vergeltung für die Arbeit der Journalisten handele, sei dies eine ernste Verletzung des Rechts von Journalisten, Nachrichten ohne Angst vor Repressalien zu veröffentlichen.

Die Sperrungen fallen in eine Zeit grosser Umwälzungen die Moderation von Inhalten bei Twitter betreffend. Musk hat versucht, mit ausgewählten Unternehmensdokumenten, die als «Twitter Files» bezeichnet wurden, den Eindruck zu erwecken, rechte Stimmen seien vor seiner Zeit auf der Plattform unterdrückt worden. Er hat versprochen, die Redefreiheit zu fördern, aber angedeutet, dass er Massnahmen ergreifen würde, um vermehrten Fehlinformationen entgegenzuwirken.

Kritikerinnen und Kritiker befürchten, dass unter seiner Führung auf Twitter Hassbotschaften und Falschinformationen rasant zunehmen könnten. Zuletzt löste Musk Medienberichten zufolge ein Beratergremium auf, das Twitter vor sechs Jahren im Kampf gegen Hassbotschaften, Kinderpornografie und Diskriminierung gegründet hatte. Zahlreiche grosse Werbekunden haben sich bereits von Twitter abgewendet. 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(DPA/AFP/smk)

Deine Meinung

36 Kommentare