Aktualisiert 14.02.2015 11:02

Jeder Vierte ein Rassist, aber

Muslim-Feindlichkeit in der Schweiz nimmt ab

Jede vierte Person in der Schweiz ist fremdenfeindlich eingestellt, im Jahr 2010 war es noch rund jede dritte. Besonders erstaunlich: Auch gegenüber Muslimen sind viele Schweizer offener.

Eine Muslimin spaziert durch Genf.

Eine Muslimin spaziert durch Genf.

Personen in der Schweiz sind gegenüber fremden Religionen positiver eingestellt als auch schon. Die antisemitischen Einstellungen haben von 15 Prozent (in den Jahren 2010 und 2012) auf 11 Prozent (2014) abgenommen. Jede zehnte Befragte gab demnach an, Juden seien «geldgierig» und «machthungrig». Zu diesem Befund kommt ein Bericht zu rassistischen und diskriminierenden Einstellungen in der Schweiz, den das Innendepartement (EDI) in Auftrag gegeben hat.

Auch gegenüber Muslimen sind viele Schweizer offener. Während 2010 noch 45 Prozent der Befragten muslimfeindlich eingestellt waren, waren es im Jahr 2014 noch 19 Prozent. Im Nachgang zur Minarett-Initiative sei die Stimmung stark aufgeheizt gewesen, sagte Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern. Gab damals noch fast die Hälfte der Befragten an, Muslime «unterdrückten Frauen», seien «fanatisch» und «aggressiv», waren es im vergangenen Jahr nur noch 19 Prozent.

Rassismus ist ein «sehr ernsthaftes Problem»

Rund jeder Vierte zeigte im Jahr 2014 eine fremdenfeindliche Haltung – 2010 war es noch jeder Dritte. Jedoch hat die Bedeutung der Nationalität bei potenziellen Arbeitskollegen von 18 Prozent (2010) auf 27 Prozent (2014) zugenommen. «Arbeitskollegen aus den Nachbarländern sind mehrheitlich akzeptiert», sagte Claude Longchamp. So könnten sich 85 Prozent der Befragten vorstellen, mit einer Italienerin zusammenzuarbeiten. Mit Albanern hingegen wollte nur ein Viertel der Befragten bei der Arbeit zu tun haben.

Nach wie vor sieht die Mehrheit der Befragten Rassismus als ein «sehr ernstes» oder «eher ernstes Problem». Dieser Wert ist von 71 Prozent im Jahr 2010 auf 56 Prozent im Jahr 2014 gesunken.

1000 Schweizer und 700 Ausländer befragt

Für den Bericht wurden 1000 Schweizer und 700 in der Schweiz wohnhafte Ausländer in den Jahren 2010, 2012 und 2014 während einem einstündigen Interview befragt. Die Aussagen wurden in Indexwerten zusammengefasst. Dabei wurden Einstellungen nicht aufgrund einer einzigen Antwort, sondern anhand von Antwortgruppen bestimmt. Die Einstellung wurde also nur dann als rassistisch eingestuft, wenn jemand mehrmals und systematisch entsprechende Einzel-Antworten gab.

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